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02.10.2017

18:26 Uhr

Nach Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien

Zehntausende protestieren gegen Polizeihärte

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien sind die Fronten weiterhin verhärtet: Am Montag gingen Zehntausende auf die Straßen, um gegen den harten Einsatz der Polizei zu protestieren. Ein Vermittler ist nicht in Sicht.

Nach dem von Polizeigewalt überschatteten Referendum in Katalonien hat Regierungschef Carles Puigdemont die Loslösung der Region von Spanien eingefordert. dpa

Referendum in Katalonien

Nach dem von Polizeigewalt überschatteten Referendum in Katalonien hat Regierungschef Carles Puigdemont die Loslösung der Region von Spanien eingefordert.

BarcelonaKatalonien kommt nach dem umstrittenen und von Polizeigewalt überschatteten Sieg der Separatisten beim Unabhängigkeitsreferendum nicht zur Ruhe. In der Hauptstadt Barcelona und in Dutzenden von Städten und Gemeinden gingen am Montag erneut Zehntausende auf die Straßen, um gegen den harten Einsatz der staatlichen Polizei bei der Abstimmung am Sonntag zu protestieren.

Für Dienstag riefen die wichtigsten Gewerkschaften zu einem Generalstreik gegen die spanische Polizei auf. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont forderte den Abzug der rund 10 000 Angehörigen der von Madrid entsandten Trupps.

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Puigdemont bekräftigte die Gültigkeit des Separatisten-Sieges und betonte, das Ergebnis der Abstimmung sei „verbindlich“. Nun müsse aber das Regionalparlament in Barcelona über die Ausrufung der Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens entscheiden.

Über einen Termin wollte Puigdemont nicht spekulieren. Er bedauerte, dass es keinen Dialog mit Madrid gebe, und erklärte: „Es ist klar, dass eine Vermittlung nötig ist.“ Es gebe noch keine Indizien dafür, dass die Europäische Union diese Vermittler-Rolle übernehmen wolle.  

Beim vom Verfassungsgericht verbotenen Referendum, das auch gegen den Willen der Zentralregierung stattfand, setzte sich das „Ja“-Lager mit rund 90 Prozent durch. Nach amtlichen Angaben nahmen knapp 2,3 Millionen der 5,3 Millionen Wahlberechtigten teil. Beim Einsatz der eigens nach Katalonien entsandten Polizeitrupps wurden nach jüngsten Angaben fast 900 Wähler und Demonstranten verletzt.

Auf der Plaça de Catalunya im Zentrum Barcelonas brachen Tausende Menschen am Montag wie schon am Vorabend bei der Rede von Puigdemont mehrfach in Jubel aus. Die Menschen sangen mit erhobenen Fäusten auch die katalanische Nationalhymne „Els Segadors“.

Angesichts der verhärteten Fronten wächst in Spanien und auch im Ausland die Sorge vor einer Zuspitzung der Konfrontation. In der Zeitung „El País“ schrieb Kolumnist Lluís Bassets, in Spanien würden plötzlich Erinnerungen an den Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 wach, „den schlimmsten Jahren unserer Geschichte“.

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Tennisstar Rafael Nadal sagte, ihm sei angesichts der Bilder aus Katalonien „zum Weinen zumute“. Fußballstar Gerard Piqué vom FC Barcelona vergoss Tränen vor laufenden Kameras und sagte nach dem Spiel gegen UD Las Palmas: „Ich bin und fühle mich katalanisch, heute mehr denn je. Ich bin stolz auf das Verhalten der Menschen in Katalonien. Wählen ist ein Recht, das verteidigt werden muss.“

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, forderte, die Gewalt müsse aufgeklärt werden. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel rief zu Gesprächen auf, „um zu einer politisch tragfähigen Lösung zu kommen“ und „innere Spaltungen“ zu überwinden. Auch die EU-Kommission sprach sich für Verhandlungen aus. „Gewalt kann nie ein Mittel der Politik sein“, sagte Sprecher Margaritis Schinas. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterstrich in einem Telefonat mit Rajoy seine „Verbundenheit mit der verfassungsmäßigen Einheit Spaniens“, wie es aus dem Élyséepalast hieß.

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