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03.12.2014

19:15 Uhr

Nach US-Berichten

Iran dementiert Angriffe auf IS

Luftangriffe gegen Stützpunkte der IS-Terrormiliz haben bisher die USA koordiniert. Nun gab das Pentagon bekannt, dass offenbar auch iranische Kampfbomber Einsätze flogen. Doch Teheran will davon nichts wissen.

Der Iran soll Luftangriffe begonnen haben wie jenen auf diesem Archivfoto, das einen Schlag der US-geführten Koalition gegen IS zeigt. Reuters

Der Iran soll Luftangriffe begonnen haben wie jenen auf diesem Archivfoto, das einen Schlag der US-geführten Koalition gegen IS zeigt.

BrüsselDer Iran hat Meldungen widersprochen, Luftangriffe gegen Stellungen der extremistischen Miliz Islamischer Staat im Nachbarland Irak geflogen zu haben. Die Islamische Republik habe sich noch nie an derartigen Einsätzen gegen IS-Ziele im Irak beteiligt, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die USA haben dagegen nach Angaben aus Regierungskreisen Hinweise, dass iranische Kampfflugzeuge vom Typ F-4 Phantom Angriffe flogen. Die irakische Regierung bat unterdessen die Nato, ihr der Ausbildung von Truppen im Kampf gegen den IS zu helfen.

US-Außenminister John Kerry wollte nach einem Treffen der von seinem Land geführten Anti-IS-Koalition in Brüssel eine Bombardierung von IS-Stellungen durch iranische Flugzeuge im Irak weder bestätigen noch dementieren. Das sei Sache der Regierung in Teheran. „Wir koordinieren unsere Militärschläge mit dem Iran nicht und werden das auch nicht tun.“

Auch der iranische Regierungsvertreter machte deutlich, dass eine Zusammenarbeit mit den USA bei Luftschlägen nicht infrage komme. Die von den USA geführte Allianz fliegt seit Wochen Angriffe auf den IS im Irak und in Syrien. Die Extremisten haben in beiden Ländern große Gebiete erobert und zwingen den Bewohnern eine besonders radikale Form des Islams auf. Sie verbreiten mit Gräueltaten auch an Zivilisten Angst und Schrecken.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad, der ebenfalls gegen den IS kämpft, kritisierte die Luftangriffe in seinem Land als ineffektiv. „Man kann Terrorismus nicht durch Luftschläge beenden“, sagte er dem Magazin „Paris Match“. Ausschlaggebend seien Bodentruppen, die mit dem Gebiet vertraut seien. Deswegen hätten die Luftangriffe der internationalen Koalition in den vergangenen zwei Monaten keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Seine Truppen bekämpften den IS weiter am Boden, betonte Assad. Auch seiner Armee werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

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Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Im Gegensatz zu Assad betonte die von den USA geführte Koalition nach Beratungen in Brüssel, dass es erste Erfolge im Vorgehen gegen den IS gebe. Der Vormarsch in Syrien und dem Irak sei gestoppt worden. Kerry machte allerdings deutlich, dass der Kampf gegen die Extremistengruppe Jahre dauern könnte. Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier prüft Deutschland eine weitere Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer. Die Bundeswehr liefert den nordirakischen Kurden bereits Waffen für den Kampf gegen IS. Zudem stocke die Bundesregierung ihre humanitäre Hilfe für diesen Winter um 40 Millionen Euro auf, sagte Steinmeier.

Im Kampf gegen den IS bat der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi die Nato um Hilfe bei der Ausbildung von Truppen. Die Bitte werde vom Nato-Rat geprüft, sagte ein Sprecherin des Militärbündnisses. Unklar ist, ob das Training irakischer Soldaten im Irak oder im Ausland stattfinden soll.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Paul Mueller

03.12.2014, 19:33 Uhr

Im Dossier, das nicht kommentiert werden konnte, lass sich das noch anders: Dort behauptet Kerry, das die USA das Monopol haben IS zu bekämpfen. Gleichzeitig beschuldigte er den Iran, die Schläge nicht mit ihm abgestimmt zu haben. Da die USA das Zentrum unseres Universums sind, war das ein schwerer Fehler des Iran. Evtl. war Kerry einfach nur besorgt, das die Iraner ein paar CIA-Mitarbeiter treffen könnten, die da gerade "Aufbauhilfe" für eine "bunte Revolution" leisten. Also das nächste mal vorher fragen, bevor man IS bekämpft. So kann Kerry die Guten vor dem Schlag warnen, so wie es das Sächsische Innenministerium mit der NSU gemacht hat.

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