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12.08.2014

18:28 Uhr

Nach westlichen Sanktionen

Ägypten bietet sich Russland als Partner an

In der angespannten weltpolitischen Lage erscheint die Partnerschaft gerade zu logisch – und gleichermaßen besorgniserregend: Russland und Ägypten, beide international isoliert, wollen im Rüstungshandel kooperieren.

Sie wirken entspannt: Russlands Präsident empfängt Ägyptens neuen Machthaber al-Sisi in Moskau zu Wirtschaftsverhandlungen. Reuters

Sie wirken entspannt: Russlands Präsident empfängt Ägyptens neuen Machthaber al-Sisi in Moskau zu Wirtschaftsverhandlungen.

MoskauRusslands Präsident Wladimir Putin hat bei einem Besuch seines ägyptischen Kollegen Abdel Fattah al-Sisi über die Lieferung russischer Rüstungsgüter nach Ägypten und den Beitritt des Landes zu einer von Moskau geführten Freihandelszone gesprochen. „Das gesamte Volk Ägyptens verfolgt genau meinen Besuch und erwartet eine enge Kooperation zwischen unseren Staaten“, sagte al-Sisi laut russischen Nachrichtenagenturen bei dem Besuch am Dienstag. Das Fernsehen zeigte die beiden Politiker bei einem Spaziergang durch ein Skigebiet am Schwarzen Meer.

Al-Sisi dankte Putin laut den Berichten, ihn als erster Staatsführer außerhalb der arabischen Welt eingeladen zu haben. Russland hatte umgehend die Chance ergriffen, sich einen größeren Teil des ägyptischen Rüstungsmarkts zu sichern, nachdem die USA ihre Waffenlieferungen infolge des brutalen Vorgehens al-Sisis gegen die islamistische Muslimbruderschaft ausgesetzt hatten. So reisten im November die russischen Außen- und Verteidigungsminister nach Kairo, um mit der neuen ägyptischen Führung über Waffenlieferungen zu sprechen.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Laut der russischen Zeitung „Wedomosti“ stehen die beiden Länder kurz vor dem Abschluss eines Waffengeschäfts im Umfang von 2,2 Milliarden Euro, das von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert werden soll. Dabei geht es um die Lieferung von Kampfflugzeugen des Typs Mig-29 und Kampfhelikoptern. Zudem ist Kairo am Kauf von Boden-Luft-Raketen für seine Luftabwehr interessiert. Darüber hinaus hat al-Sisi Medienberichten zufolge Interesse bekundet, einer Freihandelszone mit Russland, Weißrussland und Kasachstan beizutreten.

Von

afp

Kommentare (4)

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Herr peter Spirat

12.08.2014, 19:22 Uhr

Russland und Putin vertreten geopolitische Interessen, die jeder nachvollziehen kann, der sich dafür interessiert. Gut belegbar seit „Iwan dem Schrecklichen“. Sämtliche Primär- und Sekundärquellen sind bekannt.

Die Reaktion des Westens seit Krim oder Ukraine besteht darin, diese Politik für richtig oder falsch zu halten und das stets aus der Sicht des Westens, aber nicht aus der objektiven Analyse der Interessenlage der anderen. Durchdenkt man das Ganze noch etwas sorgfältiger, kann man ziemlich sicher voraussagen, wie sich diese Kontroverse entwickeln wird.

Herr peter Spirat

12.08.2014, 19:31 Uhr

Achaj,

- wo bleibt die Ausweertung des Flugschreibers
- wo beliben die Satteliten Bilder?


Ich sage nur: "Massenvernichtungswaffen im Irak"

Herr Peter Mense

13.08.2014, 08:09 Uhr

"Ägypten bietet sich Russland als Partner an"......weil der Westen mal wieder zu dumm ist die Chancen zu sehen. Wandel durch handel ist immer noch eine gute Option.

Grundsätzlich ist es schon schlimm. das land liegt danieder, viele Menschen haben keine Arbeit, kein Einkommen, leben von der Hand in den Mund. Die Schulbildung ist unter aller sau, keine Perspektive für die Jugend. Und dann soviel geld in die Rüstung zu stecken ist schon pervers.

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