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17.05.2011

17:56 Uhr

Nachfolge von Strauss-Kahn

„Ein Türke wäre die natürliche Wahl für die IWF-Spitze“

VonGerd Höhler

Der renommierte Ökonom Kemal Dervis gilt als einer der Favoriten für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn an der IWF-Spitze. Doch ein ganz anderer Türke bringt sich nun aggressiv selbst ins Gespräch.

Der türkische Finanzminister Mehmet Simsek. Quelle: Reuters

Der türkische Finanzminister Mehmet Simsek.

AnkaraDer türkische Finanzminister Mehmet Simsek hat sich offensiv selbst als Nachfolger von IWF-Chef Dominique Strauß-Kahn ins Gespräch gebracht. "Wenn ein Türke Chef des IWF würde, wäre das die natürliche Wahl", sagte der 44-Jährige in einem Interview mit dem Fernsehsender Kanal 24. "Ich habe überhaupt keine Defizite in den Bereichen Erfahrung oder Expertise", fügte er ohne falsche Bescheidenheit hinzu.

Damit ist das Rennen um die die Spitze des Internationalen Währungsfonds um eine schillernde Facette reicher - während Amtsinhaber Strauss-Kahn in Untersuchungshaft sitzt und seine Schuld ist keineswegs erwiesen ist. An Tag drei nach der Festnahme des 62-jährigen französischen Spitzenpolitikers gab es zwar weitere Spekulationen um die angeblich versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten, aber kaum mehr Klarheit.

Doch allen Beteuerungen zum Trotz, es gelte auch für „DSK“ die Unschuldsvermutung, kursierten zahlreiche Namen von möglichen Nachfolgern. Fast stündlich wird die Liste der vermeintlichen Kandidaten für den Chefposten beim IWF länger.

Gleich zwei mögliche Kandidaten kommen dabei aus der Türkei. Denn mit seiner offensiven Bewerbung macht Simsek dem renommierten Ökonom Kemal Dervis Konkurrenz, der als einer der Favoriten auf das Amt gilt. Dervis, Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter ist in vier Sprachen versiert; geboren auf der "Prinzeninsel" vor Istanbul, aufgewachsen in der Schweiz; ein Europäer, zugleich aber Vertreter eines Schwellenlandes; Moslem, aber Absolvent einer katholischen Eliteschule in Frankreich; Studium an der London School of Economics und in Princeton, Vizepräsident der Weltbank und Weltbürger. Kann es einen mustergültigeren Kandidaten als Kemal Dervis für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) geben?

Zwar sind im Vorfeld noch ein paar Fragen zu klären. Wird IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zu Recht als Sexualstraftäter beschuldigt? Sind die Europäer wirklich bereit - oder gezwungen -, auf ihr angestammtes Vorrecht bei der Besetzung des Spitzenposten in Washington zu verzichten.

Werden beide Fragen mit Ja beantwortet, dann läuft vieles auf Kemal Dervis zu.

Umziehen müsste der 62-Jährige nicht: von der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution an der Massachusetts Avenue, wo Dervis seit 2009 Vizepräsident ist, ist es nicht weit zum Hauptquartier des IWF an der 19. Straße. Dervis kennt die Gegend: gleich gegenüber ist die Weltbank. Dort hat er seit 1977 gearbeitet.

Kommentare (11)

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Wolf54321

17.05.2011, 17:59 Uhr

Genau!! Europa braucht mehr Türken!!

Peggy_Bundy

17.05.2011, 19:30 Uhr

Genau, das habe ich auch gedacht, bevor ich den Bericht gelesen hatte. Aber dieser Knabe scheint ja wirklich etwas auf dem Kasten zu haben. Mit nur 20 Mrd die Türkei saniert! Wieviele Mrd brauchen die Griechen noch? Wenn das wieder ein Europäer wird, wird das mit Griechenland die unendliche Geschichte. Aber was rede, bzw schreibe ich da, wenn sich der IWF zurückziehen sollte, springen sofort die Europäer, bzw. Deutschland ein - also eigentlich völlig egal wer es wird, das Geld wird in Griechenland verfrühstückt und das so lange bis Deutschland auch pleite ist.

Rainer_J

17.05.2011, 20:32 Uhr

Was soll der Schwachsinn? Geeignete Kandidaten haben sehr viele Länder! Hier geht es um Interessenvertretung (wer die Musik zahlt, bestimmt auch was gespielt wird). Es muss sicher kein europäisches Land sein, aber es muss ein Land der Top10-Zahler sein und die Türkei ist noch nicht mal unter den Top20.

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