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28.02.2013

13:33 Uhr

Nachfolger nominiert

Japan wünscht sich lockeren Notenbankchef

Der alte Notenbankchef war anderer Meinung als die Regierung Japans. Deshalb muss er gehen. Der neue Chef der Bank of Japan ist ein Anhänger der ultralockeren Geldpolitik - so wie es die Regierung mag.

Eine japanische Flagge vor der Zentrale der Bank of Japan. Die Regierung hat einen neuen Notenbankchef nominiert. Reuters

Eine japanische Flagge vor der Zentrale der Bank of Japan. Die Regierung hat einen neuen Notenbankchef nominiert.

TokioJapans Regierung will mit einem prominenten Anhänger einer laxen Geldpolitik als Notenbankchef den Kampf gegen die Wirtschaftskrise forcieren. Sie nominierte am Donnerstag den Chef der Asiatischen Entwicklungsbank, Haruhiko Kuroda, der geldpolitisch auf einer Linie mit Regierungschef Shinzo Abe liegt. Beide wollen die Notenpresse schneller rotieren lassen, um die Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen zu durchbrechen. In dieser Deflationsfalle ist Japan seit langem gefangen. Mit Kikuo Iwata wurde ein weiterer Freund lockerer Geldpolitik zum Stellvertreter Kurodas nominiert. Die Personalien müssen nun von beiden Kammern des Parlaments abgenickt werden. Da Abe im Oberhaus die nötige Mehrheit fehlt, ist er auf Stimmen der Opposition angewiesen.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Die Nachfolge an der Spitze der Notenbank wird nötig, da der geldpolitisch relativ gemäßigt agierende Zentralbankchef Masaaki Shirakawa am 19. März abtritt. Abe hatte angekündigt, einen Nachfolger auszuwählen, der die lockere Geldpolitik noch "beherzter" angeht. Kuroda dürfte dafür der richtige Mann sein. Er will, dass die Zentralbank massiv langlaufende Staatsanleihen kauft und aktiv den Yen schwächt. Unter dem Druck der Regierung hat die Notenbank ihr Inflationsziel bereits auf zwei von einem Prozent nach oben gesetzt. Ab nächstem Jahr will sie zudem unbegrenzt Anleihen aufkaufen. Womöglich werde Kuroda diese geplante Geldschwemme vorziehen, meinen Experten. Auch die Wertpapier-Käufe könnten ausgeweitet werden.

Mit der Geldschwemme hat Japan eine Talfahrt der Landeswährung Yen angeschoben, die dem Land international Handelsvorteile verschafft. Dies hat die Furcht vor einem Abwertungswettlauf der großen Währungen genährt. Dennoch dürfte Kuroda die Geldschleusen noch weiter öffnen, um die Konjunktur anzukurbeln: "Die neue Führung der Notenbank wird die Staatsanleihenkäufe forcieren müssen und auch mehr länger laufende Staatsanleihen aufkaufen", meint Ökonom Masayuki Kichikawa von der Bank of America Merrill Lynch.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 10:09 Uhr

Wenn Gelddrucken Wohlstand schaffen oder erhalten könnte, würden wir alle im Schlaraffenland leben.

Japan leitet nun seine finale Phase auf dem Weg zum Staatsbankrott ein, viel Erfolg beim Monetarisieren der Staatsschulden. Man könnte es den japanischen Wile E. Coyote Moment nennen.

Sebastian

28.02.2013, 11:16 Uhr

Wenn ich Japaner wer würde ich noch schnell Gold kaufen,gut muss man als Europäer auch machen,aber Japan ist bald pleite,da erst recht.

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