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27.01.2005

21:35 Uhr

Nachgefragt: Emad Ahmad, stellvertretender Ministerpräsident in Kurdistan

„Wir streben eine Föderation an“

Das Handelsblatt sprach mit Emad Ahmad, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten in Kurdistan, über die Zukunft der Kurdengebiete nach dem Irak-Krieg. Das Interview im Wortlaut:

Emad Ahmad ist stellvertretender Ministerpräsident in Kurdistan. Foto: Erwin Decker

Emad Ahmad ist stellvertretender Ministerpräsident in Kurdistan. Foto: Erwin Decker

Kurdistan entwickelt sich – anders als der restliche Irak – sehr positiv seit dem Ende des Krieges. Denken Sie an Autonomie?

Ich höre das immer wieder. Ich halte davon nichts. Schauen Sie sich unsere Nachbarn an. Es sind alles nicht unsere Freunde. Das Land wäre geographisch isoliert. Wir streben eine Föderation im Irak an. Wenn die funktioniert, ist es für Kurdistan die beste Lösung. Wir hätten sogar einen Zugang zum Meer und könnten von den südlichen Gebieten des Iraks auch profitieren. Im Moment müssen wir uns davor schützen, dass der Terrorismus nicht nach Kurdistan überschwappt.

Rund 70 Prozent der Kurden sind bei ihrem Staat angestellt. Und der Staat ist die übermächtige Partei. Wie können die Kurden sich da politisch frei entscheiden?

Das stimmt schon. Viele der Parteimitglieder kämpften als Pesch Merga gegen Saddam Hussein. Jetzt wurden viele in den Staatsdienst übernommen. Die Menschen im Irak müssen erst noch lernen, frei zu wählen. Sie haben es vorher noch nie gemacht.

Alle größeren Investitionen kommen vom Staat. Strom, Benzin und Gas sind knapp ...

Die Umstellung von der Planwirtschaft des alten Regimes und Versorgung der Kurdengebiete durch die Uno mit ihrem Öl-für Lebensmittel-Programm auf eine freie Marktwirtschaft geschieht nicht von einem Tag auf den anderen. Wir fördern jeden privaten Investor, der nach Kurdistan kommt. Es fängt damit an, dass er Land vom kurdischen Staat geschenkt bekommt.

Wo sollten Investoren einsteigen?

Nach den Zerstörungen ist das Land besonders lukrativ für die Bauindustrie. Es gibt bei uns ein Ministerium für Investoren als Kontaktadresse, und wir werden Investoren die nötige Sicherheit geben. Seit Kriegsende haben über 100 Einzelpersonen und Firmen jeweils über eine Million Dollar investiert – das Geld kommt von China bis Brasilien.

Können Sie den Kurden im Ausland empfehlen zurückzukommen?

In Kurdistan wird niemand mehr verfolgt. Das ist sicher. Ob die Kurden, die in Deutschland leben, zurückkommen in ihre Heimat, ist deren Entscheidung. Viele kommen zurück und sind hier sehr erfolgreich. Ich kann aber nicht jedem einen Arbeitsplatz garantieren.

Die Fragen stellte Erwin Decker.

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