Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2011

07:51 Uhr

Nachtdienste

US-Fluglotsen werden nicht für Nickerchen bezahlt

Berichte über im Nachtdienst eingeschlafene Fluglotsen haben in den USA eine Diskussion über deren Arbeitsregelungen ausgelöst. Statt bezahlter Schlafpausen sollen verlängerte Ruhezeiten das Problem lösen.

Fluglotse im Tower: Die Probleme mit der Übermüdung sind seit Jahren bekannt. Quelle: Reuters

Fluglotse im Tower: Die Probleme mit der Übermüdung sind seit Jahren bekannt.

WashingtonVerkehrsminister Ray LaHood lehnte am Sonntag bezahlte Schlafpausen ab, wie sie in anderen Ländern, darunter Deutschland und Japan, Fluglotsen erlaubt sind. „Unter meiner Aufsicht werden Fluglotsen nicht für Nickerchen bezahlt“, sagte er. „Wir werden das nicht zulassen.“

Das ist genau das Gegenteil dessen, was Wissenschaftler und die Fachgruppe der Flugaufsichtsbehörde FAA selbst empfehlen. LaHood kündigte aber eine Verlängerung der Ruhezeiten zwischen Schichten von mindestens acht auf neun Stunden an. „Wir werden sicherstellen, dass Fluglotsen gut ausgeruht sind“, sagte LaHood im Fernsehsender Fox.

Erst am Samstag war der fünfte Fall eines im Dienst eingeschlafenen Fluglotsen bekannt geworden. Es handelte sich um einen Fluglotsen im Radarzentrum in Miami, das den Flugverkehr in großen Höhen für den größten Teil Floridas, Teile des Atlantiks und der Karibik regelt.

Der Präsident einer Stiftung für Flugsicherheit in Alexandria im US-Staat Virginia, Bill Voss, kritisierte die Entscheidung der US-Regierung. „Angesichts der wissenschaftlichen Beweise zeigt diese Entscheidung eindeutig, dass Politik wichtiger als die öffentliche Sicherheit ist“, sagte er.

Bei der FAA gilt es seit den 90er Jahren als offenes Geheimnis, das Fluglotsen vor allem in Nachtschichten zwischen 22.00 und 06.00 Uhr von Müdigkeit übermannt werden können. Wissenschaftler erklären, es wäre eine Überraschung, wenn dies nicht passierte: Der Körper verlange in den Nachtstunden nach Schlaf, von daher sei jeder Nachtdienst auch ein Kampf gegen das Einschlafen. Studien hätten ergeben, dass 30 bis 50 Prozent der Nachtschichtler während einer Nachtdienstwoche mindestens einmal im Dienst eingeschlummert seien, sagte der Schlafforscher Charles Czeisler aus Boston.

Vor fünf Jahren waren in Lexington im US-Staat 49 von 50 Insassen eines Flugzeugs ums Leben gekommen, nachdem nach Feststellung der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde von einem übermüdeten Fluglotsen nicht bemerkt worden war, dass der Pilot nicht auf die von ihm für den Start freigegebene, sondern auf eine zu kurze Startbahn gesteuert war. Für den Absturz wurde ein Pilotenfehler verantwortlich gemacht. Es wurde aber darauf verwiesen, dass der Fluglotse nur zwei der vorangegangenen 24 Stunden geschlafen habe.

 

Von

dapd

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×