Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.02.2015

20:28 Uhr

Nachwahl in Frankreich

Sozialisten profitieren von gutem Krisenmanagement

Nachfolger für EU-Kommissar Moscovici gesucht: Die Rechten vom Front National versuchten, die Angst vor Islamisten bei einer Nachwahl in Frankreich für sich zu nutzen. Doch am Ende profitieren die Sozialisten.

Er trat kurz nach den Attentaten auf die Redakteure der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ entschlossen und konsequent als Unterstützer der Betroffenen auf: Francois Hollande. Reuters

Französischer Präsident kann durch Krisenmanagement Pluspunkte sammeln

Er trat kurz nach den Attentaten auf die Redakteure der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ entschlossen und konsequent als Unterstützer der Betroffenen auf: Francois Hollande.

ParisDie französischen Sozialisten haben die erste Wahlentscheidung nach den Terroranschlägen von Paris gewonnen. Ihr Kandidat Frédéric Barbier setzte sich am Sonntag nach Parteiangaben bei einer Nachwahl in der Region Doubs im Osten des Landes mit knapp 52 Prozent gegen die Kandidatin der rechtsextremen Front National, Sophie Montel, durch.

Im ersten Wahlgang hatte Montel mit 32,6 Prozent noch vor Barbier (28,9) gelegen. Aufgerufen waren knapp 67.000 Wahlberechtigte. Der Sitz in der Nationalversammlung musste neu vergeben, weil der bisherige Abgeordnete Pierre Moscovici nach Brüssel gewechselt war.

Die Front National-Kandidatin Montel warnte im Vorfeld vor einer „islamischen Gefahr“ in Frankreich. Doch es war offenbar ihr sozialistischer Kontrahent Barbier, der von der Einheit profitieren konnte, die das Land nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Markt mit 17 Toten sofort gezeigt hatte. Staatspräsident François Hollande hatte nach den Attentaten dreier radikaler Muslime mit seinem Krisenmanagement gepunktet. Er hat sich seither darum bemüht, negative Auswirkungen für die fünf Millionen Muslime in Frankreich zu begrenzen.

Anschläge von Islamisten in Frankreich

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Polizisten verletzt. Die Ermittler gehen von einer radikalislamisch motivierten Tat aus. Der Überfall erinnere an Taten, zu denen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufrufe.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz in mehreren französischen Städten erschießt die Polizei den 33-jährigen Dschihadisten Jeremy Sidney in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sidney und seine Kumpane werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

März 2012

Der Attentäter Mohamed Merah erschießt in einer Mordserie insgesamt sieben Menschen. Unter ihnen waren drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Augenzeugen berichten, der Täter habe mit einer Minikamera gefilmt und sei geflohen. Bevor der Mann nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet wurde, hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger und Mudschaheddin (Gotteskrieger) bezeichnet.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt und bereits in dem Zusammenhang Drohungen und eine Klage erhalten.

Sowohl Montel als auch Barbier hofften vor der Wahl auf die Stimmen der einst einflussreichen konservativen Partei UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Deren Kandidat war nach der ersten Wahlrunde in der vergangenen Woche aus dem Rennen ausgeschieden. Die Niederlage hatte neue Spaltungen in der Partei offenbart. So konnte sich die UMP nicht darauf einigen, ob sie den Wählern in Doubs raten solle, in der zweiten Runde den Sozialisten Barbier zu unterstützen. Während die Sozialisten regieren, hält die rechtsextreme Front National von Marine Le Pen aktuell drei Sitze im französischen Parlament. Zudem konnte die Partei die Anzahl ihrer Sitze im Europäischen Parlament von drei auf 24 steigern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×