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12.08.2016

15:04 Uhr

Nadeschda Sawtschenko

Kampfpilotin, Gefangene – und bald Präsidentin?

Die Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko wagt im Ostukraine-Konflikt einen Tabubruch: Sie fordert Verhandlungen mit den Separatistenführern. Ihr politische Aktivitäten haben ein fernes Ziel: das Präsidentenamt.

Die provokante Geradlinigkeit der 35-Jährigen kommt in der Bevölkerung an: Nadeschda Sawtschenko kommt in einer Umfrage auf hohe Sympathiewerte. AFP; Files; Francois Guillot

Kampfpilotin und Abgeordnete Sawtschenko

Die provokante Geradlinigkeit der 35-Jährigen kommt in der Bevölkerung an: Nadeschda Sawtschenko kommt in einer Umfrage auf hohe Sympathiewerte.

KiewBarfuß und mit zornigem Blick: Ungebrochen kehrt die ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko nach rund 700 Tagen in russischer Haft Ende Mai in ihre Heimat zurück. Triumphal wird sie in Kiew nach einem spektakulären Austausch gegen zwei Russen empfangen. Die Bilder der „ukrainischen Jeanne d'Arc“, wie Medien sie in Anlehnung an Frankreichs Nationalheldin nennen, gehen um die Welt.

Doch schnell wird klar: Sawtschenko entspricht nicht dem von der Führung in Kiew verbreiteten Bild der bescheidenen Soldatin. In der ukrainischen Innenpolitik agiert sie fast im Dauer-Kampfmodus, wie einst an der Front im Krisengebiet Donbass.

Vor allem im Krieg gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine schlägt Sawtschenko brisante Töne an. Noch vor zwei Jahren kämpfte die Soldatin im Rang eines Oberleutnants selbst gegen Aufständische. Doch sie wurde gefangen genommen und in einem umstrittenen Prozess in Russland wegen Beihilfe zum Mord zu 22 Jahren Haft verurteilt.

Ukraine-Krise: Poroschenkos Truppen in höchster Gefechtsbereitschaft

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Der Streit zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau eskaliert: Russlands Präsident Wladimir Putin wirft der Ukraine „Terror“ und „Sabotage“ auf der Krim vor – die Ukraine versetzt ihre Truppen in Kampfbereitschaft.

Und nun dies: „Wir Ukrainer müssen uns versöhnen, in den Gebieten Luhansk und Donezk leben Ukrainer wie hier“, sagt Sawtschenko dem Radiosender Era. Sie sei zum Treffen mit den Separatistenführern Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki bereit. Die Aussagen senden Schockwellen in die vom Krieg traumatisierte Bevölkerung.

Schnell rumort es auch in der Politik. Nationalistische Kreise und vor allem Mitarbeiter von Präsident Petro Poroschenko, der sich von Sawtschenkos Austausch persönliche Sympathiepunkte erhofft hat, fordern eine Klarstellung von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Sawtschenko besitzt ein Parlamentsmandat der Vaterlandspartei von Timoschenko, die das Feuer auszutreten versucht.

„Verhandlungen mit Terroristen haben noch nie zu positiven Folgen geführt“, meint die Parteichefin zu einem möglichen Treffen ihrer Abgeordneten mit Sachartschenko und Plotnizki. Doch es ist zu spät: Sawtschenkos Tabubruch zieht längst Kreise – und sie erhält Unterstützung von unerwarteter Seite. Frontsoldaten machen ihr in Videobotschaften Mut. „Lass dich nicht beeinflussen. Wir zählen auf dich“, heißt es darin unter anderem.

Ukraine über Putins Vorwürfe: „Vorwand für weitere militärische Drohungen“

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Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Vorwürfe Russlands über einen bewaffneten Überfall auf die Krim zurückgewiesen. Putin hatte gegenüber der Ukraine einen bedrohlichen Ton angeschlagen.

In den vergangenen Tagen war die Ostukraine wieder stärker in den internationalen Fokus gerückt. Nach Vorwürfen aus Russland, ukrainische Spezialkräfte hätten einen Angriff auf der annektierten Halbinsel Krim geplant, hatte die Ukraine ihre Truppen an der Grenze in höchste Gefechtsbereitschaft versetzt. Russlands Präsident Wladimir Putin warf dem Nachbarland vor, einen Weg des Terrors statt des Friedens einzuschlagen.

Trotz der gewachsenen Spannungen mit Russland gab es nach Angaben der ukrainischen Armee keine Zunahme der Kämpfe mit prorussischen Separatisten. Die Zahl der abgefeuerten Geschosse sei in den vergangenen Tagen „auf ziemlich gleichem Niveau“ geblieben, sagte Militärsprecher Alexander Motusjanyk am Freitag. Leider werde die vereinbarte Waffenruhe von den illegalen Gruppen nicht eingehalten.

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