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20.07.2011

10:08 Uhr

Nähe zu Murdoch-Zeitung

Cameron gerät in arge Erklärungsnot

Die Anhörung zur Abhöraffäre vor dem Ausschuss des britischen Parlaments brachte es ans Licht: Murdochs Top-Managerin Brooks traf sich oft mit dem britischen Premierminister David Cameron. Für ihn wird es nun eng.

Der britische Premier David Cameron traf sich öfter mit der Murdoch-Managerin Rebekah Brooks. Quelle: dapd

Der britische Premier David Cameron traf sich öfter mit der Murdoch-Managerin Rebekah Brooks.

LondonDie britischen Parlamentarier beschäftigen sich heute in einer außerordentlichen Sitzung mit den illegalen Recherchemethoden bei der mittlerweile eingestellten Zeitung „News of the World“ des Medienmoguls Rupert Murdoch.

Dabei wird vor allem eine Stellungnahme von Premierminister David Cameron mit Spannung erwartet. Cameron sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Der Labour-Abgeordnete Gerald Kaufman fragte: „Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?“ Oppositionsführer Ed Miliband attestierte Cameron eine „katastrophalen Einschätzungsfehler“, als er den früheren „News of the World“-Chefredakteur Andy Coulson zu seinem Regierungssprecher machte. Dieser war vor wenigen Tagen festgenommen worden.

Das Murdoch-Drama 2011

Dienstag, 5. Juli

Die britische Tageszeitung Guardian berichtet, dass das Murdoch-Boulevardblatt "News of the World" die Handy-Mailbox des entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben soll und sogar Nachrichten gelöscht haben soll. So wollten die Journalisten Platz für weitere Nachrichten schaffen und an neue Informationen rankommen. Damit sind möglicherweise Beweise gelöscht worden. Zudem entstand bei den Angehörigen der Opfer der Eindruck, das Mädchen sei noch am Leben.

Mittwoch, 6. Juli

Der Guardian veröffentlicht den nächsten Vorwurf gegen "News of the World": Journalisten des Boulevardblatts, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört, sollen auch Handy-Mailboxen von Angehörigen gefallener Soldaten angezapft haben. Zumindest fanden sich persönliche Informationen über die Hinterbliebenen der Soldaten in den Unterlagen eines Privatdetektivs, der für "News of the World" arbeitete.

Donnerstag, 7. Juli

James Murdoch, Sohn des News-Corporation-Chefs Rupert Murdoch und im Konzern für das Europa-Geschäft zuständig, verkündet die Einstellung von "News of the World". Am Wochenende werde die letzte Ausgabe erscheinen, die Anzeigenerlöse würden wohltätigen Organisationen zukommen. "News of the World" war mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien.

Freitag, 8. Juli

Andy Coulson, ehemaliger Chefredakteur von "News of the World", wird verhaftet und nach neunstündigem Verhör auf Kaution freigelassen. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Revolverblatt. Danach arbeitete er als Kommunikationschef für den britischen Premier David Cameron. Er trat von diesem Posten Anfang 2010 wegen der Abhöraffäre zurück, behauptete aber stets nichts von illegalen Recherchepraktiken gewusst zu haben.

Sonntag, 10. Juli

Die letzte Ausgabe der "News of the World" erscheint. Mit der Zeile "Thank you & Goodbye" verabschiedet sich die 200 Mann starke Redaktionsmannschaft von ihren Lesern. Die Zeitung war vor 168 Jahren gegründet worden.

Montag, 11. Juli

Die Oppositionspartei im britischen Parlament fordert Rupert Murdoch auf, seinen Antrag auf die vollständige Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB zurückzuziehen. Die Regierung schaltet das Kartellamt in der Sache ein. Es soll Murdochs Übernahmepläne prüfen. Genau das hat der Unternehmer zuvor verhindern wollen, indem er der Regierung einen Kompromissvoranschlag machte. Er wollte die BSkyB-Nachrichtensparte Sky News ausgliedern und so eine schnelle Genehmigung der Übernahme durch die Regierung erreichen. Diesen Kompromissvorschlag zog er am Montag (11. Juli) zurück und machte den Weg für ein langwieriges Kartellamtsverfahren frei.

Dienstag, 12. Juli

Murdoch kündigt einen großzügigen Rückkauf von News-Corporation-Aktien an, um den Kursverfall zu stoppen. Ursprünglich wollte er nur 1,8 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgegeben, jetzt erhöht er die Summe auf fünf Milliarden Dollar. Unterdessen erhöht auch die britische Regierung den Druck auf den Unternehmer und kündigt an: Man werde sich in einer Parlamentsabstimmung am Mittwoch dem Antrag der Opposition anschließen und so Murdoch nahebringen, seine BSkyB-Pläne aufzugeben.

Mittwoch, 13. Juli

Murdoch zieht seinen Antrag auf die Komplettübernahme von BSkyB zurück und kommt der Abstimmung im Parlament zuvor.

Für Mittwoch, 13. Juli

Das britische Parlament hat Murdoch und seinen Sohn James vorgeladen, um am Dienstag über den Abhörskandal bei News of the World vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die beiden Murdochs haben ihr Kommen zugesagt. Zuvor hatten sie sich geweigert, auf freiwilliger Basis vor dem Ausschuss zu reden.

Donnerstag, 14. Juli

Das FBI nimmt Ermittlungen gegen News Corporation auf. Der Verdacht: Journalisten der News-Corporation-Zeitung "News of the World" sollen auch die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben.

Freitag, 15. Juli

Die Murdoch-Spitzenmanagerin Rebekah Brooks tritt zurück. Brooks war zuletzt Chefin der britischen News-Corporation-Zeitungssparte News International. Sie war Chefredakteurin von "News of the World", als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm.

Freitag, 15. Juli

Nicht nur Rebekah Brooks, sondern auch der Murdoch-Spitzenmanager Les Hinton hat seinen Rücktritt erklärt. Hinton war News-Corp-Europachef, als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm. Zuletzt war er Chef des Dow-Jones-Verlages, der auch zu News Corp. gehört.

Samstag, 16. Juli

Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Rupert Murdoch selbst hat sich in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war.

Sonntag, 17. Juli

Die Polizei nimmt Rebekah Brooks wegen Korruptionsverdachts fest. Sie gilt als enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch und war bis 2003 Chefredakteurin der eingestellten Skandalzeitung „News of the World“. Brooks hatte sich vor der Affäre vor allem durch ihre exzellenten Kontakte in die Politik ausgezeichnet. Sie konnte zwölf Stunden später wieder gehen.

Sonntag, 17. Juli

Nach Brooks Festnahme hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Abend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen.

Montag, 18. Juli

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Zusätzlich unter Druck geriet Cameron am Dienstag, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden.

Murdoch und sein Sohn James entschuldigten sich bei einem historischen Auftritt vor britischen Parlamentariern für Vergehen im Abhör- und Korruptionsskandal. Persönliche Verantwortung übernahmen sie bei der Anhörung am Dienstag in London aber nicht. Die fraglichen Entscheidungen seien nicht vom Top-Management getroffen worden.

Tätlicher Angriff auf Murdoch bei Parlamentsauftritt

Video: Tätlicher Angriff auf Murdoch bei Parlamentsauftritt

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Der Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments wirft Murdoch inzwischen die Behinderung von Ermittlungen vor. Der britische Ableger des Medienimperiums habe bewusst versucht, die verschiedenen Ermittlungsverfahren in der Affäre zu vereiteln, heißt es in einem am Mittwoch in London veröffentlichen Bericht. Außerdem stellte der Ausschuss „Versäumnisse“ bei Scotland Yard fest. Die ersten Ermittlungen in den Jahren 2005 und 2006 seien „sehr mangelhaft“ gewesen. Scotland-Yard-Vize John Yates, der am Montag den Rücktritt eingereicht hatte, habe sich „ernsthafte Fehleinschätzungen“ geleistet.

Besonders schwere Vorwürfe erhob der überparteiliche Ausschuss gegen Yates' Vorgänger Andy Hayman, der für die ersten Ermittlung verantwortlich gewesen war. Der frühere Vizechef von Scotland Yard habe „bewusst“ Tatsachen verdunkelt. Hayman hatte nach seinem Abgang bei der Polizei als Kolumnist für das Murdoch-Blatt „The Times“ gearbeitet.

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