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27.08.2014

14:21 Uhr

Naher Osten

Syrische Regimegegner erobern israelischen Posten

Seit Monaten kommt es zwischen syrischen Regimegegner und israelischen Grenzern zu Konfrontationen. Nun haben Syrer einen Grenzposten eingenommen und provozieren einer weitere Eskalation des Konflikts.

Uno-Beobachter auf den Golanhöhen: In der Pufferzone an der syrisch-israelischen Grenze ist es zu Kämpfen zwischen syrischen Rebellen und Israelis gekommen. dpa

Uno-Beobachter auf den Golanhöhen: In der Pufferzone an der syrisch-israelischen Grenze ist es zu Kämpfen zwischen syrischen Rebellen und Israelis gekommen.

DamaskusSyrische Regimegegner haben im Süden des Landes den Grenzübergang Kunaitra zu den von Israel kontrollierten Golanhöhen eingenommen. Unter den Milizen seien auch radikale islamistische Gruppen wie die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Al-Nusra-Front, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Die Milizen hätten nach heftigen Kämpfen mit Dutzenden Toten und Verletzten die syrische Armee vom Grenzübergang vertrieben. Die Rebellen hatten bereits im Juni 2013 den einzigen Übergang zu Israel kurzzeitig eingenommen.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter gehen die Gefechte in der Nähe von Kunaitra weiter. Mehrere oppositionelle Milizen hätten am Morgen verkündet, sie wollten Kunaitra und das Umland von syrischen Truppen „befreien“. Zu den Regimegegnern gehörten neben der Nusra-Front und anderen islamistischen Gruppen auch Kämpfer der gemäßigteren Freien Syrischen Armee (FSA), meldete die Nachrichtenseite Zaman al-Wasl.

Wie stehen Syriens Nachbarländer zu einem Angriff?

Libanon

Die Libanesen sind in der Frage eines Angriffs und auch über den Syrienkrieg allgemein gespalten. Die schiitische Hisbollah kämpft auf der Seite des Regimes. Einige Sunniten unterstützen die Rebellen, vorwiegend mit Geld und indem sie ihnen Unterschlupf gewähren. Der Libanon hat die Grenze nach Syrien nie geschlossen. Flüchtlinge erhalten jedoch kaum Hilfe. Sowohl die Rebellen als auch das syrische Regime haben mutmaßliche Gegner auf libanesischem Staatsgebiet nahe der Grenze angegriffen.

Irak

Die irakische Zentralregierung hat sich seit Beginn der Syrienkrise mehrfach gegen Sanktionen oder Strafaktionen ausgesprochen. Einige sunnitische Parteien und Stämme sympathisieren allerdings mit den Rebellen. Die Regierung des kurdischen Autonomiegebietes im Norden hat kurdischen Syrern, die gegen Assad kämpfen Unterstützung gewährt. Sie hat sich bisher nicht gegen den geplanten Angriff ausgesprochen.

Türkei

Die türkische Regierung ist für einen Militärschlag und bietet sogar eine Beteiligung an. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan von der islamisch-konservativen AKP hat in den zweieinhalb Jahren seit Beginn des Aufstandes in Syrien mehrfach gefordert, Assad müsse zurücktreten. Die Oppositionsparteien sind mehr oder weniger geschlossen gegen eine Beteiligung der Türkei an Militäreinsätzen gegen Syrien. Die Türkei hat etwa eine halbe Million syrische Flüchtlinge aufgenommen. Durch Angriffe und Querschläger in der Nähe der Grenze wurden türkische Bürger verletzt und getötet.

Jordanien

Der jordanische König ist ein treuer Verbündeter Washingtons und unterstützt schon deshalb den Militäreinsatz gegen Syrien. Das Königreich sehnt zudem ein Ende des Flüchtlingsstroms herbei, der für das rohstoffarme Land zu einer Belastung geworden ist. Gleichzeitig bemühen sich Abdullah II. und die Regierung aber, außerhalb der Schusslinie zu bleiben. Obwohl dieses Woche in Amman ein wichtiges Treffen westlicher und arabischer Militärs stattfand, bei dem Angriffsszenarien besprochen wurden, und die USA Kampfflugzeug nach Jordanien verlegt haben, betont die Führung, die Militäreinsätze würden nicht von Jordanien aus geführt. Das Königreich befürchtet Vergeltungsschläge der Syrer, möglicherweise mit Unterstützung des Irans.

Israel

Die israelische Regierung hat wiederholt betont, sie werde sich in den syrischen Bürgerkrieg nicht einmischen. Sie beschuldigte die Regierung in Damaskus jedoch der Giftgasangriffe und bezeichnete diese als „Verbrechen“. Justizministerin Zipi Livni sagte in der Debatte um einen möglichen Militärschlag, US-Präsident Barack Obama müsse „sehr dramatische Entscheidungen treffen“. Da Israel die syrischen Golanhöhen besetzt hält und daher von den meisten Syrern als Feind betrachtet wird, ist der jüdische Staat das einzige Nachbarland ohne syrischen Flüchtlinge. In den vergangenen Monaten hatte Israel mehrfach Ziele in Syrien angegriffen. Dabei soll es um die Zerstörung von Waffen gegangen sein, die angeblich an die libanesische Hisbollah-Miliz weitergereicht werden sollten.

Die israelische Armee griff am Mittwoch zugleich zwei Militärposten der syrischen Armee an. Dies sei als Antwort auf „fehlgeleitetes Feuer aus den innersyrischen Kämpfen“ geschehen, hieß es in einer Mitteilung des Militärs. Zuvor war ein israelischer Soldat durch einen aus Syrien abgefeuerten Schuss verletzt worden. Zudem schlugen am Mittwoch mehrere Granaten auf den Golanhöhen ein. Israel hatte das Gebiet 1967 von Syrien erobert.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Peter Schaak

27.08.2014, 16:36 Uhr

Zwar sind die beiden Behauptungen, dass Israel die syrischen Golanhöhen besetzt hält und dass der jüdische Staat das einzige Nachbarland ohne syrischen Flüchtlinge sei, zutreffend, jedoch stimmt die unterstellte Kausalität nicht.

Richtig ist: Israel nimmt keine Flüchtlinge auf, weil sich andernfalls nach Beendigung der dortigen Auseinandersetzungen die Frage nach deren Recht auf Rückkehr in ihre Heimat stellen würde. Darauf warten nämlich noch andere (rund 4,5 Millionen) Vertriebene und Geflüchtete, darunter viele in Syrien.

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