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19.01.2009

14:25 Uhr

Nahost

Gaza: Kurzarbeit für Schmuggler

VonMichael Backfisch

Der Schwarzhandel im Tunnelsystem zwischen Ägypten und dem Gazastreifen läuft nur noch auf Sparflamme. Hält die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas an, erwarten die unterirdischen Kuriere wieder mehr Arbeit. Doch genau das will Israel unbedingt unterbinden.

Israels hat einige Tunnel an der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen zerstört. Foto ap ap

Israels hat einige Tunnel an der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen zerstört. Foto ap

RAFAH. In diesen Tagen hat Walid wenig zu tun. Der 23-jährige Mann mit dem dunklen Vollbart sitzt in einem Restaurant im ägyptischen Rafah - einem Städtchen nur wenige Hundert Meter von der Grenze zum Gazastreifen entfernt - und trinkt mit seinen Freunden Kaffee. Draußen gehen junge Mädchen mit Kopftuch und Abbaya, dem traditionellen schwarzen Umhang, vorbei. Alte Mercedes- und Peugeot-Modelle aus den 70er-Jahren tuckern über die Straßen. Ein paar kleine Läden mit Lebensmitteln, eine Schreinerei, Olivenbäume und ein bisschen Viehzucht: Mehr hat Rafah derzeit nicht zu bieten.

"Seit dem Krieg sind die wichtigen Geschäfte hier fast zum Erliegen gekommen", klagt Walid und zeigt zum nahe gelegenen Gazastreifen. Die Bomben, die Israel dort abgeworfen hat, sie haben teilweise auch seinen Arbeitsplatz zerstört.

Der Mann verdiente sein Geld als Kurier in einem der rund 1 400 Tunnel zwischen Rafah und dem Gazastreifen. "Wir haben alles nach drüben geschafft von Reis, Bohnen, Medikamenten bis hin zu Baby-Windeln", erzählt er, "an Festtagen wurde schon mal eine ganze Hammelherde durchgeschleust."

Und Waffen? Walid führt seinen Zeigefinger zum Mund. In Rafah gibt dies keiner offen zu, doch jeder weiß, dass auch Sprengstoff und Munition, Mörser und Gewehre unterirdisch an die radikal-islamische Hamas geliefert wurden.

Seit etwa drei Wochen, seit Beginn der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen, arbeitet Walid nicht mehr. "Zu gefährlich", sagt er. Doch er schiebt hinterher: "Sobald der Krieg wirklich vorbei ist, kehren wir in die Tunnel zurück."

Am Wochenende sieht es so aus, als ob dieser Zeitpunkt näher rückt. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert verkündet am Samstag einen einseitigen Waffenstillstand im Krieg gegen die Hamas. Doch die Waffenruhe hält zunächst nur wenige Stunden. Die Radikalislamisten schießen erneut Raketen auf Israel, bevor auch sie am Sonntag eine Feuerpause ausrufen - unter der Bedingung, dass Israel seine Truppen aus dem Gazastreifen abzieht.

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