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19.01.2009

16:26 Uhr

Nahost

Israel will bis morgen aus Gaza abziehen

VonPierre Heumann

Mit dem Abzug will Israel dem neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama, der morgen sein Amt antritt, ein Geschenk machen, heißt es in Jerusalem. Einen Neustart für Gaza verspricht auch der saudische König Abdullah. Er stellte gestern eine Mrd. Dollar in Aussicht, um Gaza neu aufzubauen. Abdullah strebt eine aktive Rolle in Nahost an.

Der saudische König Abdullah strebt nach mehr Einfluss im Nahen Osten. Foto: rtr Reuters

Der saudische König Abdullah strebt nach mehr Einfluss im Nahen Osten. Foto: rtr

KUWAIT-STADT. Mit der Hilfe will er nicht nur dem iranischen Einfluss auf die radikal-islamische Hamas entgegenwirken. Er hat Israel aufgefordert, die von ihm bereits vor mehreren Jahren lancierte Friedensinitiative anzunehmen. Danach solle sich Israel aus allen Gebieten zurückziehen, die es seit 1967 besetzt hält. Als Gegenleistung würden alle arabischen Staaten diplomatische Beziehungen mit Israel aufnehmen.

Inzwischen ziehen Palästinenser und Israelis eine Bilanz des Kriegs. Der Waffenstillstand ist seit Sonntag in Kraft, aber noch brüchig. Sie hätten immer noch „sehr viele“ Raketen auf Lager, heißt es bei den Hamas-Brigaden. Sobald sie abgeschossen werden, sei die Armee wieder im Gazastreifen, drohen Politiker in Jerusalem. Die Truppen bleiben bis auf weiteres an der Grenze zum Gazastreifen stationiert. Gestern hatte Israel seine Präsenz in Gaza stark reduziert, nachdem auch die Hamas eine Waffenruhe verkündet hatte. Bereits am Samstag abend hatte Premier Ehud Olmert ein Ende der israelischen Angriffe auf Gaza angekündigt.

Nach dem Ende des mehr als dreiwöchigen Kriegs haben sich viele Palästinenser wieder in ihre Häuser gewagt. Viele sind jedoch zerstört. In Israel macht sich derweil Siegesstimmung breit. Politiker sind mehrheitlich der Meinung, dass die israelische Armee das Abschreckungspotenzial wieder hergestellt habe. Der Hamas sei eine deutliche Lektion erteilt worden. „Wir haben den Mythos zerstört, wonach man Terrororganisationen nicht davon abhalten könne, unsere Zivilbevölkerung mit Raketen zu beschießen,“ sagt Dan Schueftan von der Universität Haifa. Die Armee erntet auch in Pressekommentaren viel Lob. Sie sei bedeutend besser vorbereitet gewesen als während des zweiten Libanonkriegs. Zudem habe die Koordination zwischen Politik und Armee besser funktioniert.

Andere Kommentare weisen hingegen darauf hin, dass eines der Hauptprobleme für einen längerfristigen Waffenstillstand vorläufig ungelöst sei: Die Unterbindung des Waffenschmuggels nach Gaza. Israel und die USA haben zwar eine Absichtserklärung unterschrieben, wonach eine Zusammenarbeit ihrer Geheimdienste den Schmugglern zwischen Teheran und Gaza das Handwerk legen soll. Doch Ägypten weigert sich, internationale Beobachter an seiner Grenze zu stationieren, wo immer noch mehrere Dutzend Schmugglertunnels aktiv sind. Beobachter in Jerusalem zweifeln an der Fähigkeit Ägyptens, effizient gegen den illegalen Handel vorzugehen.

Während des dreiwöchigen Feldzugs gegen das Hamasregime in Gaza, der am 27. Dezember begonnen hatte, kamen rund 1300 Palästinenser ums Leben.

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