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21.08.2016

14:26 Uhr

Nahost

Jordanien – eine tickende Zeitbombe

Die Konflikte in Syrien und Irak destabilisieren Jordanien. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Konjunktur schwächt sich ab. Experten fürchten eine Radikalisierung. Das wäre fatal, weil Jordanien der Anti-IS-Koalition angehört.

Das Wirtschaftswachstum in Jordanien schwächt sich ab, während die Arbeitslosigkeit steigt. Vor allem für junge Menschen sind die Perspektiven schlecht. Reuters

Laden in Jordanien

Das Wirtschaftswachstum in Jordanien schwächt sich ab, während die Arbeitslosigkeit steigt. Vor allem für junge Menschen sind die Perspektiven schlecht.

DhibanSabri Maschaaleh fühlt sich betrogen. Er studierte Psychologie und strebte eine Stelle im öffentlichen Dienst an – für jordanische Hochschulabsolventen ein typischer Werdegang. Doch nach vier Jahren Suche ist der 29-Jährige noch immer arbeitslos. Im Frühjahr demonstrierte er mit anderen jungen Männern für Arbeit, jeden Tag hielten sie am Kreisverkehr ihrer kleinen, abgelegenen Heimatstadt Dhiban Sit-Ins ab. Doch als dann Regierungstruppen im Juni ihr Zelt einrissen, schwand Maschaalehs letzte Hoffnung.

Für Dhibans Zukunft sieht er nun schwarz: „Dhiban ist inzwischen ein fruchtbarer Boden für radikale Gedanken, Drogenprobleme und Kriminelle“, sagt er.

Die steigende Jugendarbeitslosigkeit infolge der Konflikte im benachbarten Syrien und Irak ist inzwischen Jordaniens größtes Problem. Zwar grassiert sie überall im Nahen Osten, wo überdurchschnittlich viele junge Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen und die Wirtschaft in unruhigen Zeiten stagniert. Doch vor allem die Situation in Jordanien beobachten viele genauer. Denn die prowestliche Monarchie ist Teil der US-geführten Militärkoalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat, die Teile Syriens und des Iraks kontrolliert und auch in Jordanien tausende Anhänger gewann.

Eine Destabilisierung Jordaniens, etwa durch wirtschaftliche Probleme, würde die Verbündeten des Königreichs alarmieren. „Wir können nicht riskieren, dass das Arbeitslosenproblem zum Radikalisierungsproblem wird“, sagt der Ökonom Omar Rassas, der mit einem Expertenteam eine neue Arbeitsmarktstrategie entwickeln soll. „Das ist eine tickende Zeitbombe.“

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