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25.07.2014

01:41 Uhr

Nahost-Konflikt

15 Tote nach Beschuss von Uno-Schule in Gaza

Die von den Vereinten Nationen betriebene Schule im Gazastreifen wurde von Geschossen getroffen. Durch den Beschuss starben 15 Menschen. Aber weder Israel noch die Palästinenser wollen es gewesen sein.

Blutspuren im Innenhof der Uno-Schule in Gaza, die von Geschossen getroffen wurde. AFP

Blutspuren im Innenhof der Uno-Schule in Gaza, die von Geschossen getroffen wurde.

GazaBeim Beschuss einer von den Vereinten Nationen betriebenen Schule im Gazastreifen sind am Donnerstag mehrere Menschen getötet worden. "Es gab viele Tote, darunter Frauen und Kinder und UN-Mitarbeiter", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mindestens 15 Todesopfern und machten Israel verantwortlich. Ein israelischer Armeesprecher dagegen bezeichnete palästinensische Granaten oder Raketen als "mögliche" Ursache.

Bei dem Angriff auf die Schule bei Beit Hanun wurden nach Angaben der Rettungskräfte mehr als 200 Menschen verletzt, die zusammen mit anderen Palästinensern in dem Gebäude Zuflucht vor israelischen Angriffen gesucht hatten. Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) erhob indirekt Vorwürfe gegen die israelischen Streitkräfte. Ob diese tatsächlich für den Beschuss verantwortlich waren, blieb zunächst unklar.

Der israelische Armeesprecher Peter Lerner sagte, mehrere von der militanten Palästinenserorganisation Hamas im Laufe des Tages abgeschossene Raketen und Mörsergranaten seien im Umfeld von Beit Hanun niedergegangen. "Wir wissen nicht, was diese Tragödie verursacht hat", fügte er hinzu.

Forderungen der Hamas und Israels für eine Waffenruhe

Härterer Schlagabtausch

Israel und die militanten Palästinenser im Gazastreifen liefern sich einen immer härteren Schlagabtausch. Beide Seiten haben Bedingungen für eine neue Waffenruhe genannt. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, hat fünf Forderungen aufgestellt:

Erste Forderung

Ende der Blockade des Gazastreifens

Zweite Forderung

Ende der israelischen Militäroperationen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen

Vierte Forderung

Israel soll Sabotageversuche des Versöhnungspakts zwischen Hamas und der gemäßigten Fatah stoppen

Dritte Forderung

Israel soll alle Palästinenser freilassen, die vor drei Jahren im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren und dann wieder festgenommen wurden

Fünfte Forderung

Israel soll die Arbeit der neuen palästinensischen Einheitsregierung von Fatah und Hamas nicht stören. Die Palästinenserbehörde soll nicht daran gehindert werden, Gehälter an rund 42.000 Angestellte der Hamas im Gazastreifen auszuzahlen.

Israels Forderung

Israel fordert als Bedingung für ein Ende seiner Angriffe im Gazastreifen einen Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte und eine Wiederherstellung der Ruhe.

Ein AFP-Reporter entdeckte zwei Stunden nach dem Einschlag einen Krater im Hof der Schule im Norden des Gazastreifens. In der Leichenhalle des nahe gelegenen Ortes Dschabalija sah ein AFP-Reporter mindestens neun Leichen, darunter eine Mutter mit ihrem Säugling.

UNRWA-Sprecher Chris Gunness sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass die Schule eigentlich hätte geräumt werden sollen. "Wir haben fast den ganzen Tag versucht, eine Feuerpause auszuhandeln, damit die Zivilisten, insbesondere unser UN-Personal, da wegkommen", sagte Gunness. "Dem wurde nicht zugestimmt. Die Konsequenzen sind tragisch." Dagegen sagte Armeesprecher Lerner, es sei einer vierstündigen Feuerpause zugestimmt worden, um die Evakuierung der Schule zu ermöglichen. Nach Angaben von Gunness war die israelische Armee extra über die genaue Lage der Schule informiert worden, um Treffer zu vermeiden.

Nach Angaben der palästinensischen Rettungskräfte kamen bei den Luftangriffen der israelischen Armee im Gazastreifen am Donnerstag insgesamt 98 Menschen ums Leben, unter ihnen mehrere Kinder. Am 17. Tag der Militäroffensive erhöhte sich damit die Zahl der in dem schmalen Küstengebiet getöteten Palästinenser auf 798. Auf israelischer Seiten wurden 32 Soldaten sowie drei Zivilisten getötet. Mehr als hunderttausend Einwohner des Gazastreifens haben in UN-Einrichtungen Zuflucht vor den Kämpfen gesucht.

Israelische Bodeneinsätze im Gazastreifen

Juni 2006

Die Armee startet eine Bodenoffensive zur Befreiung des kurz zuvor entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Die Aktion trägt den Namen „Sommerregen“: Truppen dringen in den südlichen Gazastreifen ein, bombardieren unter anderem Brücken und ein Elektrizitätswerk. Die Lage im Nahen Osten insgesamt verschärft sich in der Folgezeit. Im Juli kommt es zum Libanon-Krieg. Schalit ist erst im Oktober 2011 wieder frei - im Gegenzug werden mehrere hundert palästinensische Gefangene ausgetauscht.

November 2006

Das Militär geht mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen militante Gruppen vor, die Israel mit Raketen beschießen. Zu schweren Auseinandersetzungen kommt es vor allem in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ruft den UN-Sicherheitsrat zum sofortigen Eingreifen auf. Bis zum Ende der sechstägigen Operation werden nach Angaben der israelischen Streitkräfte 60 radikale Palästinenser getötet.

Januar 2009

Nach Luftangriffen auf Hamas-Einrichtungen vom Dezember beginnt Israel die Bodenoffensive. Ziel der Operation „Gegossenes Blei“ ist es, den Raketenbeschuss von Grenzorten aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Vom 27. Dezember bis zum 3. Januar schlagen mehr als 450 Raketen auf israelischem Boden ein. Am 18. Januar tritt eine temporäre Waffenruhe in Kraft. Bis dahin sterben palästinensischen Quellen zufolge mindestens 1310 Palästinenser. Israel meldet zehn getötete Soldaten und drei getötete Zivilisten.

Der britische Außenminister Philip Hammond sagte am Donnerstag während seiner Vermittlungsbemühungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo, dass Israel wegen der steigenden Zahl getöteter Zivilisten im Gazastreifen in den westlichen Staaten zunehmend Sympathien verliere. Zugleich forderte er die Hamas auf, einem Waffenstillstand ohne Vorbedingungen zuzustimmen.

Auch US-Außenminister John Kerry hält sich derzeit im Nahen Osten auf, um Israel und die Hamas von einem Ende der Kämpfe zu überzeugen. Die von Kerry geführten Gespräche verliefen aber "sehr kompliziert", sagte die stellvertretende Sprecherin des US-Außenministeriums, Marie Harf. Bislang haben seine Bemühungen noch zu keinem Ergebnis geführt.

Unterdessen kam es auch im Westjordanland wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitsdienste erschoss ein Soldat dabei einen 25-jährigen Palästinenser. Der Vorfall ereignete sich in Kalandija zwischen Jerusalem und Ramallah. Eine Armeesprecherin sagte, mehrere tausend protestierende Palästinenser hätten israelische Soldaten mit brennenden Autoreifen und Brandflaschen angegriffen. Erst am Montag hatte ein Israeli im Westjordanland einen Palästinenser erschossen, eine Woche zuvor hatte ein Soldat einen jungen Araber nahe Hebron getötet.

Von

afp

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

25.07.2014, 12:10 Uhr

Lt. div. Meldungen soll es keine Schule, sondern eine Lagerstätte für Raketen gewesen sein. Wieder kämpft Deutschland wieder gegen Juden und finanziert die Raketen!

Herr Ha Ho

25.07.2014, 13:45 Uhr

So ein Quatsch... Quellenangabe Ihrer diversen Meldungen. Verbreiten hier doch keinen Stuß! Mord bleibt Mord egal ob von Juden, Palästinensern, Nazis oder sonst wem verursacht. Nichts anderes passiert dort gerade!

Frau Ich Kritisch

25.07.2014, 20:20 Uhr

der Gaza-Streifen ist mit seinen Zäunen und Mauern drumrum ein riesieges KZ
Im Moment werden wieder mal möglichst viele darin zu Tode geängstigt, gejagt, verletzt und ermordet

Manchmal denke ich Israel hätte jetzt gerne die entsorgten Chemiewaffen aus Syrien...
Das was dort gemacht wird ist Völkermord - die Menschen in diesem KZ haben keine Chance auf ein normales Leben - auch nicht in den Zeiten in denen Israel sie nicht bombadiert

Es wird immer wieder mal wasser und/oder Strom abgestellt
Den Menschen wird es verweigert sich jenseits der Grenze um Arbeit zu bemühen, oder einfach nur spazieren zu gehen. Der Zugang zu Baustoffen, Benzin etc wird begrenzt

Israel hat nicht nur viel von Hitlers Regime gelernt - Nein, sie versuchen es zu übertreffen!

Hallo, ihr Menschen in Israel versucht es doch einmal mit Güte und Toleranz, mit Nächstenliebe und Akzeptanz - Helft den anderen, damit sie besser leben können, dann haben alle eine Chance auf Frieden und Wohlstand

und hört vor allem auf andere Menschen wegen ihrer Religion zu hassen - Gerade Eure Nation musste doch vor 80 Jahren erleben wie schlecht so etwas ist.

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