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06.07.2014

16:17 Uhr

Nahost-Konflikt

Behörden verdächtigen Israelis im Mordfall

Der Verdacht dürfte die Spannungen zwischen Israelis und Palästinenser noch weiter verschärfen: Nach dem Mord an einem palästinensischen Jugendlichen sind Israelis als mutmaßliche Täter festgenommen worden.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu mahnt zu Beginn der sonntäglichen Kabinettssitzung: „Wir müssen in solchen Momenten verantwortungsvoll und mit kühlem Kopf handeln“. dpa

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu mahnt zu Beginn der sonntäglichen Kabinettssitzung: „Wir müssen in solchen Momenten verantwortungsvoll und mit kühlem Kopf handeln“.

Umm el Fahm / JerusalemNach dem Mord an einem 16-jährigen palästinensischen Jugendlichen sind Israelis als Verdächtige festgenommen worden. Dies teilte ein israelischer Beamter am Sonntag mit. Der Angriff auf Mohammed Abu Chdeir habe wahrscheinlich „nationalistische“ Motive, hieß es am Sonntag aus israelischen Ermittlerkreisen.

Die israelische Zeitung „Haaretz“ meldete auf ihrer Website, dass es sich dabei um sechs Tatverdächtige handelt, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Da die Ermittlungen noch andauerten, könne sich die Zahl der Festgenommenen aber noch ändern, hieß es laut der Nachrichtenagentur Reuters aus Sicherheitskreisen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 16-Jährige möglicherweise aus Vergeltung für den Tod dreier jüdischer Jugendlicher im Westjordanland ermordet worden sei.

Mohammed Abu Chdeir war am Mittwochmorgen verschleppt worden. Kurz darauf wurde seine Leiche am westlichen Stadtrand von Jerusalem im Wald gefunden. Laut am Samstag von palästinensischer Seite veröffentlichten Autopsie-Ergebnissen wurde der Junge offenbar bei lebendigem Leib verbrannt.

Palästinenser hatten von Anfang an vermutet, dass extremistische Israelis den Jungen aus Rache für den Mord an drei israelischen Jugendlichen getötet hatten. Die israelische Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst auch kriminelle oder persönliche Hintergründe für die Tötung Abu Chdeirs geprüft.

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Nach dem Fund seiner Leiche am Mittwoch waren Unruhen ausgebrochen. Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern haben sich inzwischen auch auf arabische Ortschaften in Israel ausgeweitet. In mehreren Städten im Norden des Landes gab es am Wochenende gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Auch der Fall eines bei seiner Festnahme offenbar brutal misshandelten Jugendlichen heizte das Klima weiter an.

In einem halben Dutzend von arabischen Israelis bewohnten Orten wurden aus Protest gegen die Ermordung eines palästinensischen Jugendlichen in Ost-Jerusalem Straßen blockiert, Steine und Brandflaschen geworfen. Die Polizei meldete insbesondere Zusammenstöße in den Städten Taibeh, Tira, Kalansua und Nazareth. Laut Sprecherin Luba Samri wurden seit Freitagabend 35 Palästinenser und arabische Israelis festgenommen, fast die Hälfte unter ihnen Jugendliche. Allein 22 Festnahmen erfolgten in Nazareth.

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