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22.07.2014

13:08 Uhr

Nahost-Konflikt

Deutsche Familie in Gaza getötet

Mehr als 600 Menschen wurden bei den israelischen Angriffen im Gazastreifen bereits getötet. Unter den Opfern ist auch ein Deutsch-Palästinenser mit seiner Frau und fünf Kindern.

Bei einem Luftangriff auf ein Gebäude ist in der Stadt Gaza eine siebenköpfige Familie aus Deutschland getötet worden. Reuters

Bei einem Luftangriff auf ein Gebäude ist in der Stadt Gaza eine siebenköpfige Familie aus Deutschland getötet worden.

GazaBei den israelischen Angriffen im Gazastreifen ist auch eine siebenköpfige deutsch-palästinensische Familie getötet worden. „Wir müssen aufgrund mehrfacher Hinweise davon ausgehen, dass es sich bei den Toten um diese Familie handelt“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Dienstag in Berlin. Offiziell bestätigt wird der Tod von Deutschen im Ausland in der Regel erst, wenn ein deutscher Beamter oder Diplomat die Toten gesehen hat.

Nach palästinensischen Angaben handelt es sich bei den Toten um den 53-jährigen Ibrahim al-Kilani aus Beit Lahia im nördlichen Teil des Gazastreifens sowie seine 47-jährige Frau Taghrid und fünf Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren. Die Familie sei am Montagabend bei einem Luftangriff auf ein Gebäude in der Stadt Gaza getötet worden. Insgesamt gab es bei den Angriffen bereits mehr als 600 Tote.

Der Neffe Raed al-Kilani sagte, der Ingenieur sei vor 20 Jahre nach Deutschland gezogen. Er habe dort an der Universität Siegen studiert und in Hessen gelebt. Seine erste, geschiedene Frau sei Deutsche. Al-Kilani habe mit ihr zwei Kinder, die noch in Deutschland lebten. In der Zeit in Deutschland habe er die Staatsangehörigkeit für sich und dann auch seine Angehörigen erworben. Vor 13 Jahren sei er in seine Heimat zurückgezogen. Zuvor hatte es geheißen, Al-Kilani habe 20 Jahre lang in Deutschland gelebt.

Raketen verschiedener Reichweite im Gazastreifen

Insgesamt 10.000 Raketen

Militante Palästinenser im Gazastreifen sind nach Informationen der israelischen Armee im Besitz von etwa 10.000 Raketen mit verschiedenen Reichweiten. Die Geschosse lagerten in unterirdischen Tunneln oder seien in Wohngebäuden, Schulen und Kindergärten untergebracht. Damit sollen Angriffe erschwert und verhindert werden. Eines der Ziele der israelischen Bodenoffensive ist es, unterirdische Raketenabschussrampen in dem Palästinensergebiet zu zerstören.

Iranische Fadschr-Raketen

Bei dem Hamas-Arsenal handelt sich den Informationen zufolge vor allem um iranische Fadschr-Raketen, die eine Reichweite von etwa 80 Kilometern hätten.

Mittelschtreckenraketen

Weitere Raketen können aber auch den Norden Israels erreichen: Nach Militärinformationen befinden sich im Gazastreifen auch mehrere hundert Mittelstreckenraketen vom Typ M-302. Diese würden in Syrien gefertigt und flögen bis zu 160 Kilometer weit.

Schmuggel im Auftrag des Irans

Im Auftrag des Irans würden die Raketen in den Gazastreifen verschifft oder über den Sinai geschmuggelt. Erst im März hatten israelische Einheiten vor Sudan ein Schiff gestoppt, das offenbar Raketen vom Typ M-302 geladen hatte.

Raketenangriff in Tel Aviv

Nach eigenen Angaben hat die Hamas seit Beginn des Schlagabtauschs mit Israel den Großraum Tel Aviv täglich mit Raketen des Typs M-75 angegriffen.

Den Angaben zufolge hatte die deutsch-palästinensische Familie versucht, den Warnungen der israelischen Armee zu folgen und vor den Bombardements zu fliehen. Vor der israelischen Bodenoffensive am Donnerstag verließ die Familie das Haus in Beit Lahia und ging in das Gaza-Viertel Sadschaija.

Vor den tödlichen Angriffen auf Sadschaija floh die Familie dann weiter nach Westen, weil sie sich dort sicherer wähnte. Der Bruder der Ehefrau, Ahmed Derbas, sprach von einem „Massaker“ an der Familie. „Die israelische Armee kennt keine Gnade“, sagte er mit Tränen in den Augen. Ein israelischer Militärsprecher sagte, man prüfe den Vorfall.

Von

dpa

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