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22.08.2014

08:01 Uhr

Nahost-Konflikt

Deutschland will Beobachtermission für Gaza

Gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien unternimmt die Bundesregierung offenbar einen neuen Anlauf, den Gaza-Krieg zu beenden. Der Entwurf einer Uno-Resolution dürfte Israel aber an einem Punkt kaum gefallen.

Ein verletzter Mann wird in Gaza weggetragen: Im EU-Sicherheitsrat gibt es offenbar einen Resolutionsentwurf, der einer Beobachtermission vorsieht. Reuters

Ein verletzter Mann wird in Gaza weggetragen: Im EU-Sicherheitsrat gibt es offenbar einen Resolutionsentwurf, der einer Beobachtermission vorsieht.

New York/Tel AvivDeutschland, Frankreich und Großbritannien wollen eine Beobachtermission der Vereinten Nationen für den Gazastreifen initiieren. Der Entwurf für eine entsprechende Resolution zirkuliert derzeit im Uno-Sicherheitsrat, wie ein Uno-Diplomat am Donnerstag sagte. Von den beteiligten UN-Missionen war für die Initiative, von der zuerst die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtet hatte, zunächst keine Bestätigung zu bekommen.

Die Resolution soll auch eine Grenzöffnung zum Gazastreifen enthalten – bei gleichzeitiger Kontrolle des Warenverkehrs, um eine Aufrüstung der Hamas zu verhindern. Das Papier beinhaltet auch Sicherheitsgarantien für Israel. Die EU bietet an, sich im Rahmen der Resolution stärker in Gaza zu engagieren. Bei den Beobachtern soll es sich mehr um eine politische denn um eine militärische Mission handeln, es wäre also kein Blauhelm-Mandat.

Beobachtern zufolge wäre Israel durchaus aufgeschlossen gegenüber der Resolution. Parallel gibt es bereits einen Entwurf von Jordanien, der eine starke palästinensische Handschrift trägt. Unklar ist noch, ob beide konkurrierend bestehenbleiben und wann es eine Abstimmung geben könnte.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Israel bereitet sich unterdessen auf eine erneute Verschärfung des Gaza-Krieges vor und beruft 10.000 Reservisten ein. Die israelische Armee flog in der Nacht zum Freitag mehr als zehn Angriffe auf Ziele in dem Palästinensergebiet. Am Morgen gab es in mehreren Städten im Süden Israels Raketenalarm. Am Donnerstag hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben mehr als 40 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die Lage der 1,8 Millionen Menschen dort wurde immer verzweifelter.

Ziel der israelischen Luftschläge wurden nun auch Anführer der radikal-islamischen Hamas. Am frühen Donnerstagmorgen starben bei einem solchen Angriff in Rafah drei hochrangige Militärchefs der Hamas: Mohammed Abu Schimala, Raed al-Attar und Mohammed Barhum.

Kommentare (3)

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Herr Tenzin Konchuk

22.08.2014, 08:18 Uhr

Wer die sich die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland seit der UN Teilungserklärung 1947 anschaut der wird erkennen was hier gespielt wird.
Was soll ein Beobachtergremium wenn am 24.02.2014 Frau Dr. Angela Merkel den höchsten israelischen Staatsorden annimmt und wie man auch nicht mehr all zu sehr verborgenen Quellen weiß, dass alle deutschen Minister generell auch die israelische Staatsangehörigkeit besitzen.
Ist ja auch logisch wenn Deutsche Botschaften seit Neuestem die israelischen Konsularangelegenheit für Israelis gleich mit regeln. Gilt zwar nur für Länder ohne israelische Botschaft derer da viele sind, aber es verdeutlicht doch wohl was hier für eine verquerte Welt einen Pseudo Altruismus an den Tag legt der ein Dauersodbrennen nicht zu verhindern mag.

Gaza ist ein Ghetto sehr weit ähnlich dem Warschauer Ghetto. Und das was mit den Palästinensern gemacht wird ähnlelt dem was China mit den Tibetern betreibt.
Gezielter geplanter und strukturierter Völkermord unter dem raffiniertem Faktor Zeit.

Frau Handelsblatt Redaktion

22.08.2014, 08:21 Uhr

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Herr Peter Petersen

22.08.2014, 08:26 Uhr

dass alle deutschen Minister generell auch die israelische Staatsangehörigkeit....

Das kann und will ich nicht glauben.

Ansonsten ist Ihrem Kommentar wohl nichts hinzuzufügen. Ihre Aussagen könnten der Wahrheit sehr nahe kommen.

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