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19.12.2013

10:41 Uhr

Nahost-Konflikt

Gewalt flammt wieder auf

Israelis und die Palästinenser reden seit der Vermittlung von US-Außenminister Kerry miteinander – dennoch kommt es zu Gewalt. Im Westjordanland erschossen Israelis nun mehrere Palästinenser. Dies könnte Folgen haben.

Palästinenser betrauern den toten Nafea Saadi, der nach israelischen Angaben ein mutmaßlicher islamistischer Extremist war und bei der Operation der israelischen Soldaten am Mittwoch umkam. ap

Palästinenser betrauern den toten Nafea Saadi, der nach israelischen Angaben ein mutmaßlicher islamistischer Extremist war und bei der Operation der israelischen Soldaten am Mittwoch umkam.

Tel Aviv/ RamallahIsraelische Sicherheitskräfte haben bei der Festnahme von zwei Palästinensern zwei Menschen erschossen und mindestens acht weitere verletzt. Israelis wurden nach Angaben des Militärs vom Donnerstag nicht verletzt.

Der neuerliche Gewaltausbruch dürfte die im Juli begonnenen und auf mindestens neun Monate angelegten Friedensgespräche beider Seiten weiter belasten. Die Verhandlungen treten ohnehin auf der Stelle und viele Israelis und Palästinenser halten sie für aussichtslos.

Im Flüchtlingslager Dschenin im Norden des Westjordanlandes hätten israelische Einsatzkräfte in Zivilkleidung und in Fahrzeugen mit palästinensischen Nummernschildern am Abend zuvor den Sohn eines inhaftierten Anführers der radikalislamischen Hamas festnehmen wollen, berichteten palästinensische und israelische Medien. Dabei seien sie auf Widerstand gestoßen und hätten die Armee zur Verstärkung gerufen.

Hürden auf dem Weg zum Nahost-Frieden

Siedler

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem gibt es im Westjordanland 125 von Israel genehmigte Siedlungen. Hinzu kommen etwa 100 „wilde“ Siedlungen, die nach israelischem Recht zwar illegal sind, aber dennoch vom Staat unterstützt werden. Mit dem Siedlungsbau hat sich Israel immer wieder über das Völkerrecht hinweggesetzt.

Grenzen

Die Palästinenser wollen ihren Staat in den 1967 von Israel besetzten Gebieten Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem einrichten. Aus dem Gazastreifen hat sich Israel bereits 2005 zurückgezogen. Israel will aber seine großen Siedlungsblöcke im Westjordanland ebenso behalten wie eine Militärpräsenz im Jordantal an der Grenze zu Jordanien. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat seine Bereitschaft zum Gebietsaustausch signalisiert.

Jerusalem

Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders heftig umstritten. Jerusalem gilt den Muslimen als drittheiligste Stätte. Israel beharrt darauf, Jerusalem sei seine „ewige und unteilbare“ Hauptstadt. Dagegen beanspruchen die Palästinenser den von Israel annektierten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Dort liegt aber die Klagemauer, der heiligste Ort für Juden.

Sicherheit

Bei Selbstmordanschlägen palästinensischer Terroristen sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Israelis getötet worden. Die radikalislamische Hamas schoss aus dem Gazastreifen Tausende Kleinraketen auf israelische Grenzstädte. Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei.

Flüchtlinge

Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNRWA in den Palästinensergebieten sowie in Israels Nachbarländern etwa 5,3 Millionen registrierte Palästinenser, unter ihnen 4,9 Millionen Flüchtlinge und deren Nachkommen. Sie sollen nach dem Willen Israels kein Recht auf Rückkehr nach Israel erhalten. Die Palästinenser beharren offiziell auf ihrem „Rückkehrrecht“ nach Israel, was die Juden dort zur Minderheit machen würde.

Wasser

Schon seit Jahrzehnten wird vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist.

Bei einem heftigen Schusswechsel seien ein 22-jähriger Palästinenser getötet und ein weiterer schwer verletzt worden. Anschließend hätten etwa 100 Palästinenser die Israelis mit Granaten, Brandsätzen und Steinen angegriffen. Die Soldaten erwiderten nach Angaben des Militärs das Feuer und verletzten sieben weitere Menschen.

Bei einem zweiten Zwischenfall in der palästinensischen Stadt Kalkilia, die im Westjordanland unmittelbar an der Grenze zu Israel liegt, wurde ein weiterer Mann getötet. Der 28-Jährige habe mit einer Pistole auf die nach palästinensischen Angaben ebenfalls Zivilkleidung tragenden Israelis gefeuert und sei daraufhin erschossen worden. Ein Militärsprecher bestätigte, dass die Israelis einen Hinterhalt gelegt und einen Palästinenser erschossen hätten.

Palästinensischen Berichten zufolge handelte es sich bei dem Getöteten um ein Mitglied der Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas, mit denen Israel normalerweise eng zusammenarbeitet.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Brasil

19.12.2013, 11:22 Uhr

Und....?
Ueber die seit fast zwei Wochen anhaltenden Unruhen in der EU, insbesondere neuestens in Italien, darf wohl nicht geschrieben werden?
Darueber hinaus gibt es noch eine interessante Meldung, die dem deutschen Publikum vorenthalten wird aus Brasilien!
Die brasilinaische Regierung hat kurzfristig entschieden, fast 40 neue Kampfflugzeuge fuer fast 4 Milliarden nicht in den USA zu kaufen, sondern in Schweden bei SAAB! Der Grund ist das Abhoeren der NSA, auch in Brasilien!
Daran koennte sich der FDJ Dummstrumpf aus der Uckermark orientieren und nicht nur vaekalisierte Sprechblasen von sich geben!

Treudoof

19.12.2013, 13:06 Uhr

Schlimme Folgen? Noch schlimmer als Dachau oder der feige auf das Blech prügelnde SA Lyriker mit Hang zum Leugnen?
Es gibt keine Lösung, Massensterben oder Kooperation.
Mal ehrlich, was würden Sie denn machen? Sich und die Gören töten lassen? Widerstandslos? Gilt für beide, nur der Verursacher für den gilt das nicht, stattdessen drischt der markige Sprüche...

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