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06.05.2013

08:53 Uhr

Nahost-Konflikt

Israel nach Luftangriffen in Alarmbereitschaft

Der Nahost-Konflikt spitzt sich zu: Israel will alles tun, um ein Aufrüsten der Hisbollah zu verhindern. Was die Luftangriffe vom Wochenende erklärt. Die israelische Bevölkerung steht vollkommen hinter den Militärs.

Das israelische Militär entlang der Grenze ist wachsam. Reuters

Das israelische Militär entlang der Grenze ist wachsam.

Tel AvivIn Israel herrscht nach dem Luftangriff im syrischen Nachbarland aus Sorge vor einer Reaktion erhöhte Alarmbereitschaft. Die Armeeeinheiten entlang der Grenze seien zu größter Wachsamkeit aufgerufen, meldete der israelische Rundfunk am Montag. Der Luftraum im Norden Israels ist bis Donnerstag für zivile Flugzeuge gesperrt.

Israelische Kampfjets hatten in der Nacht zum Sonntag nach Medienberichten ein militärisches Entwicklungszentrum nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. Israel hat dies allerdings bislang nicht offiziell bestätigt. Nach Informationen der „New York Times“ sind bei dem Angriff Dutzende syrische Elitesoldaten getötet worden, die nahe dem Präsidentenpalast stationiert waren.

Die Reaktion aus Damaskus ließ nicht lange auf sich warten: Israel leiste mit seinen Angriffen auf Syrien den Rebellen direkte militärische Hilfe, erklärte das Außenministerium nach einem Bericht des amtlichen Fernsehens. Allerdings rechnen israelische Militärs nicht mit einem syrischen Gegenangriff – weil das Regime von Baschar al-Assad zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt sei. Dennoch stelle die Armee sich auf eine mögliche Reaktion der libanesischen Hisbollah und sogar des Irans ein. Der Angriff galt nach Medienberichten einer Lieferung iranischer Raketen des Typs Fateh-110 an die mit Israel verfeindete Hisbollah.

Die beiden Einsätze am Freitag und Sonntag zielten dem Vernehmen nach auf iranische Raketen mit großer Reichweite, die für die libanesische Hisbollah bestimmt waren. Denn die islamistischen Kämpfer könnten die Waffen bei künftigen Konflikten auch auf israelische Städte richten. Schon jetzt verfügt die Hisbollah nach israelischen Schätzungen über 60.000 weitere Raketen.

Zwar könnte die Miliz ihr Arsenal schon heute einsetzen. In Israel geht aber die Sorge um, dass die Hisbollah dann zuschlagen könnte, wenn die Luftwaffe iranische Atomanlagen angreift. Der Abgeordnete Ofer Schelach von der mitregierenden liberalen Partei Jesch Atid sagt, es gebe klare Richtlinien, nach denen die Hisbollah nicht grundlegend aufrüsten dürfe. „Wir werden alles tun, um das zu verhindern.”

Auch der Iran darf nach Ansicht der Regierung in Jerusalem eine Schwelle nicht überschreiten. Sie ist dann erreicht, wenn die Islamische Republik genügend Uran mit einem Reinheitsgrad von 20 Prozent hat, um schnell eine Atombombe bauen zu können. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht den Iran noch nicht dort, hat aber vorausgesagt, dass das Land wohl Mitte des Jahres so weit sein könnte. Die Regierung in Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln.

Nach Ansicht des früheren Militärgeheimdienstchefs Amos Jadlin sind die israelischen Angriffe auf Syrien ein klares Signal an den Iran, dass Netanjahu nicht blufft. Der Iran teste die Entschlossenheit von Israel und der USA. „Und bei Syrien sieht er, dass zumindest manche der Akteure die roten Linien ernst nehmen”, sagte Jadlin im Hörfunk der Streitkräfte und spielte damit offensichtlich auf die bisherige Zurückhaltung von US-Präsident Barack Obama an.

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