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14.07.2014

17:43 Uhr

Nahost-Konflikt

Krisendiplomatie soll Gewalt in Gaza stoppen

Trotz vieler Toter in Gaza und häufigem Raketenalarm in Israel - eine Waffenruhe im jüngsten Nahost-Konflikt ist nicht in Sicht. Westliche und arabische Politiker verstärken jetzt ihre Vermittlungsbemühungen.

Fronten sind verhärtet

Krise in Nahost geht weiter

Fronten sind verhärtet: Krise in Nahost geht weiter

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New York/Tel Aviv/ GazaNach einer Woche der Gewalt im Nahen Osten mit mindestens 176 Toten im Gazastreifen sucht die internationale Diplomatie nach Auswegen aus der Krise. Die Arabische Liga wollte bei einem Außenministertreffen am Montagabend in Kairo ein Verfahren auf den Weg bringen, um die Palästinenser unter den Schutz der Vereinten Nationen (UN) zu stellen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reiste am Nachmittag in die Region. Die militant-islamische Hamas schickte erstmals eine Drohne nach Israel - sie wurde unweit der südlichen Stadt Aschdod von einem Abwehrsystem abgefangen und zerstört.

Am sechsten Tag der israelischen Offensive griffen die Luftstreitkräfte erneut Ziele der Hamas im Gazastreifen an. Nach Angaben des Leiters der Rettungsdienste in Gaza, Aschraf al-Kidra, wurden bisher insgesamt 176 Menschen getötet. Bei einem knappen Drittel der getöteten Palästinenser handelt es sich um Frauen und Kinder. Dies geht aus einer namentlichen Opferliste hervor, die Al-Kidra am Montag veröffentlichte. 1280 Menschen wurden verletzt.

Forderungen der Hamas und Israels für eine Waffenruhe

Härterer Schlagabtausch

Israel und die militanten Palästinenser im Gazastreifen liefern sich einen immer härteren Schlagabtausch. Beide Seiten haben Bedingungen für eine neue Waffenruhe genannt. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, hat fünf Forderungen aufgestellt:

Erste Forderung

Ende der Blockade des Gazastreifens

Zweite Forderung

Ende der israelischen Militäroperationen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen

Vierte Forderung

Israel soll Sabotageversuche des Versöhnungspakts zwischen Hamas und der gemäßigten Fatah stoppen

Dritte Forderung

Israel soll alle Palästinenser freilassen, die vor drei Jahren im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren und dann wieder festgenommen wurden

Fünfte Forderung

Israel soll die Arbeit der neuen palästinensischen Einheitsregierung von Fatah und Hamas nicht stören. Die Palästinenserbehörde soll nicht daran gehindert werden, Gehälter an rund 42.000 Angestellte der Hamas im Gazastreifen auszuzahlen.

Israels Forderung

Israel fordert als Bedingung für ein Ende seiner Angriffe im Gazastreifen einen Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte und eine Wiederherstellung der Ruhe.

Die Hamas und mit ihr verbündete Milizen schossen seit Beginn des jüngsten Konflikts 1030 Raketen auf Israel ab. Allein am Montag waren es über 70, wie ein Militärsprecher bestätigte. Am Nachmittag heulten in der Metropole Tel Aviv wieder die Sirenen. Kurz darauf waren dumpfe Detonationen zu hören, die Abschussgeräusche des Abwehrsystems „Eisenkuppel“. Dieses fängt die meisten Raketen über bewohntem Gebiet ab - ihm haben es die Israelis zu verdanken, dass sie bislang keine Todesopfer zu beklagen haben.

Die israelische Armee schoss nach eigenen Angaben erstmals eine Drohne ab, die von Palästinensern aus dem Gazastreifen nach Israel geschickt wurde. Das unbemannte Fluggerät sei mit dem Abwehrsystem Patriot abgefangen und in der Luft zerstört worden, teilte die israelische Armee mit. Der israelische Militärsprecher Arye Shalicar sagte, es sei unklar, um welches Modell es sich bei der abgeschossenen Drohne handele - ein aus dem Iran eingeschmuggeltes Fluggerät oder eine Eigenproduktion der Hamas.

Er bestätigte Befürchtungen, wonach die Hamas Fluggeräte mit Kameras ausrüsten oder mit Sprengstoff bestücken könnte. Die Hamas feierte die schiere Entsendung der Drohne als propagandistischen Erfolg. Ohne Belege vorzuweisen, behauptete sie, das Fluggerät hätte das israelische Verteidigungsministerium erreicht.

Kommentare (3)

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Herr Kurt Siegel

14.07.2014, 10:37 Uhr

Wann werden die beiden Kriesparteien endlich vernünftig und sehen ein, das nur Deeskalation mittels direkter und ernst gemeinter Gespräche hilft, endlich Ruhe in die Region zu bringen.

Leider hat keine der Parteien derzeit wohl ein wirkliches Interesse, dass Frieden eintritt; die Hamas will partout Israel als Staat nicht anerkennen und Israel setzt ohne Unterlass seine Siedlungspolitik in der Westbank fort. So kommt nie Frieden und die Bevölkerung auf beiden Seiten leidet massiv.

Hamas muß endlich Realpolitik betreiben und Israel anerkennen, auf der anderen Seite muß Israel die Westbank vollständig verlassen und die geräumten Siedlungen an die Palestinenser übergeben.

Jetzt ist die Zeit zum Dialog gekommen, denn in naher Zukunft wird es noch weiter reichende Raketen (evtl. sogar atomar) geben und irgend ein Wirrkopf wird diese Raketen auch abschießen.

Schade um die tolle Region, aber ultra orthodoxe Juden und die palestinensischen Hassprediger werden diese Gespräche zu verhindern wissen.

Frau Marie Schöneburg

14.07.2014, 10:57 Uhr

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Frau Annette Bollmohr

14.07.2014, 11:40 Uhr

"Leider hat keine der Parteien derzeit wohl ein wirkliches Interesse, dass Frieden eintritt; die Hamas will partout Israel als Staat nicht anerkennen und Israel setzt ohne Unterlass seine Siedlungspolitik in der Westbank fort. So kommt nie Frieden und die Bevölkerung auf beiden Seiten leidet massiv."

Exakt. Die Zivilbevölkerung, also eigentlich fast alle Menschen in der Region, haben schon lange mehr als genug von dem ganzen Terror. Sie wollen einfach endlich in Ruhe leben können.

Leider haben sich aber nun mal (wie eigentlich immer in solchen Situationen) auf beiden Seiten rücksichtslose Scharfmacher (ultraorthodoxe Juden und palestinensische Hassprediger) durchgesetzt. Und da deren Macht – und um nichts anderes geht es, das Wohl ihrer Bevölkerung ist denen vollkommen egal - sich gerade aus dem Terror speist, mit dem sie die ganze Region überziehen, ist es naiv, zu glauben, dass Verhandlungen ausgerechnet zwischen denjenigen, die letztlich für den Terror verantwortlich sind, irgendeine langfristige Wirkung zeigen werden.

Eine nachhaltige Lösung für die Menschen der Region – also die Zivilbevölkerung – ist wohl nur durch Umgehung bzw. Ausschaltung des Einflusses der bisherigen „Führer“ zu erreichen.
Nämlich die Schaffung von Möglichkeit zum direkten, intensiven Austausch - gerade auch in Alltagsfragen - zwischen der Bevölkerung beider Seiten, damit im direkten Kontakt langsam, aber stetig Vertrauen aufgebaut werden kann.

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