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18.07.2014

11:17 Uhr

Nahost-Konflikt

Netanjahu zu Ausweitung der Bodenoffensive bereit

Bei der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen sind etwa 20 Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet worden. Israels Premier Netanjahu droht mit einer Ausweitung des Einsatzes. Die Türkei übt scharfe Kritik

Eskalationen am Gaza-Streifen

Netanjahu besteht auf Bodenoffensive gegen Hamas

Eskalationen am Gaza-Streifen: Netanjahu besteht auf Bodenoffensive gegen Hamas

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JerusalemIsrael ist nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereit, die Bodenoffensive im Gazastreifen erheblich auszuweiten. Er habe angeordnet, dass sich die Armee entsprechend darauf vorbereite. Netanjahu äußerte sich vor Beratungen mit Regierungsmitgliedern, die über den Einsatz entscheiden.

Die Streitkräfte setzen bei ihrer Anfang vergangener Woche begonnenen Offensive in dem Küstenstreifen Panzer, Artillerie und Infanterie-Soldaten ein. Erklärtes Ziel ist es, Tunnel zu zerstören, die Hamas-Extremisten für Angriffe auf den jüdischen Staat benutzen wollen. Israel will die im Gazastreifen herrschenden Islamisten nach eigener Darstellung aber nicht stürzen.

Etwa 20 Palästinenser wurden nach Angaben der Rettungsbehörden in Gaza seit dem Beginn der Offensive gegen die radikal-islamische Hamas am Donnerstagabend getötet. Darunter seien auch Kinder. Erstmals seit Anfang der Offensive in dem Palästinensergebiet vor elf Tagen kam auch ein israelischer Soldat ums Leben. Die Armee teilte am Freitag mit, er sei bei Kämpfen im Norden des Gazastreifens getötet worden.

Israel will mit der Bodenoffensive nach eigenen Angaben den ständigen Raketenbeschuss seines Staatsgebietes unterbinden. „Das Ziel ist es, eine Realität zu schaffen, in der israelische Bürger in Sicherheit und ohne willkürlichen Terror zu leben“, teilte die Armee am Freitag mit. Für den Raketenbeschuss Israels sind militante Palästinensergruppen im Gazastreifen verantwortlich.

Israelische Militäreinsätze im Gazastreifen

28. Juni 2006

Drei Tage nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit durch ein palästinensisches Kommando startet die israelische Armee die erfolglose Operation „Sommerregen“. Frei kommt Schalit erst im Oktober 2011 im Austausch für 1027 Gefangene.

Quelle: AFP

1. bis 7. November 2006

Beim Einsatz „Herbstwolken“ im Norden des Gazastreifens werden 56 Palästinenser getötet, die Hälfte Zivilisten. Am 26. November beendet die Armee eine fünfmonatige Offensive, bei der insgesamt mehr als 400 Palästinenser starben.

15. Juni 2007

Die radikalislamische Hamas übernimmt nach einwöchigen Kämpfen mit den Milizen der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Macht im Gazastreifen. Die Fatah kontrollierte seither nur noch das Westjordanland. Im September erklärt Israel den Gazastreifen zur „feindlichen Einheit“.

27. Februar bis 3. März 2008

Nach dem Tod eines Israeli bei einem palästinensischen Raketenangriff startet Israel den Militäreinsatz „Heißer Winter“, bei dem mehr als 120 Palästinenser getötet werden. Im Juni wird nach monatelanger Gewalt schließlich eine Waffenruhe vereinbart.

27. Dezember 2008

Wegen anhaltenden Raketenbeschusses startet Israel die Großoffensive „Gegossenes Blei“, bei der nach massiven Luftangriffen auch Bodentruppen im Gazastreifen zum Einsatz kommen. Bis zum Waffenstillstand am 18. Januar 2009 sterben 1400 Palästinenser und 13 Israelis.

31. Mai 2010

Die israelische Armee stürmt das Schiff „Mavi Marmara“, das trotz israelischer Warnungen mit anderen Booten Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen will. Zehn türkische Aktivisten sterben.

April 2011

Bei einem neuen Gewaltausbruch werden 150 Geschosse auf Südisrael gefeuert; 20 Palästinenser sterben bei nachfolgenden Luftangriffen.

August 2011

Anschläge nahe des südisraelischen Badeorts Eilat mit acht israelischen Todesopfern lösen im und um den Gazastreifen eine Welle der Gewalt aus, in der 26 Palästinenser und ein Israeli umkommen.

März 2012

Israelischen Luftangriffe töten 25 Palästinenser, darunter 14 bewaffnete Kämpfer. Aus dem Gazastreifen werden über 250 Geschosse auf Israel abgefeuert.

Juni 2012

Gezielt werden zwei Kämpfer des Islamischen Dschihad getötet; es folgen einwöchige Luftangriffe mit 15 toten Palästinensern, während 152 Raketen in Südisrael einschlagen und fünf Israelis verletzen.

Oktober 2012

Bei militärischen Reaktionen auf 120 Raketenangriffe sterben 15 Palästinenser.

14. bis 21. November 2012

Mit der gezielten Tötung des Hamas-Kommandeurs Ahmed Dschaabari in Gaza-Stadt beginnt die israelische Militäroperation „Säule der Verteidigung“. Während der achttägigen Operation sterben bei hunderten Luftangriffen und massivem Raketenbeschuss 177 Palästinenser und sechs Israelis, in der großen Mehrzahl Zivilisten. Ägypten vermittelt einen Waffenstillstand, der 2013 zu relativer Ruhe führt.

Anfang 2014

Im ersten Quartal nimmt der Raketenbeschuss durch Islamisten, die mit der Hamas rivalisieren, wieder zu. Bei Luftangriffen sterben vier Palästinenser.

Ab Mitte Juni nehmen nach der Entführung von drei israelischen Jugendlichen und nachfolgenden breiten Militäroperationen im Westjordanland gegen die Hamas auch in Gaza Raketenbeschuss und Luftangriffe massiv zu.

Ab 8. Juli 2014

Israel startet die Operation „Schutzrand“ mit dem Ziel, den Raketenbeschuss dauerhaft zu stoppen. 40.000 Reservisten werden mobilisiert, um je nach Entwicklung eine Bodenoffensive zu starten.

Innerhalb der ersten 40 Stunden wurden mehr als 430 Ziele von israelischer Luftwaffe und Marine angegriffen; 39 Palästinenser werden getötet und über 300 verletzt. Im gleichen Zeitraum feuern Islamisten 143 Raketen auf Israel ab, von denen 61 im Flug durch Abwehrgeschütze zerstört werden. Mehr als 50 Raketen zielen auf israelische Städte, darunter Jerusalem und Tel Aviv.

Darüber hinaus will die Armee in dem kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer ein weit verzweigtes Tunnelsystem zerstören. Durch einige der mehreren Hundert Tunnel sollen beispielsweise Waffen und Munition aus Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Durch andere Tunnel haben militante Palästinenser immer wieder versucht, nach Israel einzudringen, um dort Anschläge zu verüben. Darüber hinaus suchen palästinensische Kämpfer in dem Tunnelsystem Schutz vor israelischen Luftangriffen. Israel hatte zehn Tage lang Ziele im Gazastreifen aus der Luft und von der See aus beschossen, bevor es die Bodenoffensive startete. Dabei setzt die Armee jetzt auch Kampfpanzer ein

Einigung auf Waffenruhe fehlgeschlagen

Zuvor war eine Einigung mit der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas über eine Waffenruhe fehlgeschlagen. Bei einer Dringlichkeitssitzung wollte die israelische Regierung am Freitag über das weitere Vorgehen entscheiden. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas äußerte sich nach einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur „Wafa“ zutiefst besorgt über die jüngste Entwicklung. Die Bodenoffensive werde die Bemühungen um eine Waffenruhe weiter erschweren, sagte Abbas in Kairo.

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