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14.01.2009

10:52 Uhr

Nahost-Konflikt

Streitkräfte bombardieren 60 Ziele im Gazastreifen

Die israelischen Streitkräfte haben am Mittwoch rund 60 Ziele im Gazastreifen bombardiert. Kampfjets und Hubschrauber nahmen Waffenarsenale, Schmugglertunnel aber auch einen Friedhof unter Feuer. Unterdessen wurden aus dem Libanon drei Raketen auf den Norden Israels abgefeuert - was die Angst vor einer Ausweitung des Konflikts verstärkte.

In Gaza-Stadt liegen ganze Straßenzüge in Schutt und Asche. Foto: Reuters Reuters

In Gaza-Stadt liegen ganze Straßenzüge in Schutt und Asche. Foto: Reuters

HB GAZA. Israelische Panzer schossen im Morgengrauen im Gazastreifen erneut auf Wohngebiete, über denen dichter weißer Rauch hing. Die Artillerie feuerte zudem acht Granaten in das Gebiet im Libanon, aus dem die Raketen auf Israel abgefeuert worden waren. Verletzt wurde niemand.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe hielten weiter an: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon brach zu einer mehrtägigen Reise in den Nahen Osten auf. Er flog von New York aus zunächst nach Kairo, wo er mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak über eine gemeinsame Friedensinitiative mit Frankreich sprechen wollte. Vorgesehen sind in dem Plan eine Feuerpause und schließlich ein Waffenstillstand. Ban will zudem Jordanien, Israel, das Westjordanland, die Türkei, den Libanon, Syrien and Kuwait besuchen.

Kurz vor seiner Abreise erhielt Ban die Rückendeckung des Uno-Sicherheitsrats. Nach Angaben des französischen Uno-Botschafters Jean-Maurice Ripert unterstützen alle 15 Mitglieder das Vorhaben, einen Waffenstillstand zu erreichen und Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen. Ägypten hat bereits getrennt mit Vertretern der Hamas und Israels verhandelt. Eine für den heutigen Mittwoch geplante Reise des israelischen Chefunterhändler Amos Gilad wurde von der Regierung jedoch verschoben. Die Voraussetzungen seien noch nicht gegeben, hieß es aus Kreisen des Verteidigungsministeriums.

Die Raketen aus dem Libanon stellten den zweiten derartigen Schlagabtausch seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen am 27. Dezember dar. Schon am Donnerstag vergangener Woche schlugen vier Raketen in dem Gebiet ein. Auch danach feuerte die israelische Artillerie. Die Raketen wurden vermutlich von im Libanon lebenden palästinensischen Gruppen abgeschossen. Sie schlugen auf offenem Feld nahe der Ortschaft Kirjat Schmone ein.

Die Kämpfe im Gazastreifen gingen unterdessen weiter. Unter den 60 bombardierten Zielen seien 35 Schmugglertunnel an der ägyptischen Grenze gewesen, teilten die Streitkräfte mit. Nach palästinensischen Angaben wurde der Friedhof Scheich Radwan in Gaza bei einem Luftangriff getroffen. Zahlreiche Gräber seien zerstört und Leichen exhumiert worden.

Ein Kampfflugzeug feuerte auch eine Rakete auf das alte Rathaus der Stadt, das in den vergangenen Jahren als Gerichtsgebäude genutzt wurde. Nach Angaben von Zeugen wurde das Gebäude zerstört und viele Geschäfte auf dem Markt in der Umgebung schwer beschädigt. Bislang wurden nach palästinensischen Angaben 940 Menschen getötet, mindestens die Hälfte von ihnen Zivilpersonen. Vier Palästinenser wurden bei Kämpfen in der Nacht zum Mittwoch getötet. Auf israelischer Seite ließen seit Beginn der Offensive neun Soldaten ihr Leben, vier Zivilpersonen fielen Raketen zum Opfer.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat Israel zu extremer Vorsicht beim Einsatz von Phosphorgranaten aufgefordert. Dies verstoße nicht gegen internationales Recht, sagte IKRK-Waffenexperte Peter Herby in Genf. Es sei nicht ungewöhnlich, Phosphor zur Erzeugung von Rauch anzuwenden oder um Ziele zu erleuchten. Die Granaten können jedoch leicht Brände entfachen und ihre Verwendung in Wohngebieten ist umstritten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte Israel zuvor beschuldigt, Phosphor einzusetzen und warnt vor extremen Bränden und Verletzungen bei Zivilpersonen. Israel nimmt zur Verwendung der Munition nicht Stellung.

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