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19.01.2009

07:17 Uhr

Nahost-Konflikt

Waffen in Gaza schweigen

VonPierre Heumann

Drei Wochen nach Beginn des Krieges gegen die Hamas hat die israelische Armee am Sonntagabend mit dem Abzug einzelner Truppenteile aus dem Gazastreifen begonnen. An strategisch wichtigen Stellen will sie jedoch bis auf weiteres bleiben. "Wir können uns nicht auf einen Zeitplan für einen Abzug festlegen bevor wir wissen, ob die Waffenruhe Bestand hat," sagte Regierungssprecher Mark Regev. Er erteilte damit entsprechenden Forderungen der Vereinten Nationen eine Abfuhr.

Palästinensische Frauen sitzen im Gazastreifen in Häusertrümmern. Foto: ap ap

Palästinensische Frauen sitzen im Gazastreifen in Häusertrümmern. Foto: ap

TEL AVIV. Die Entspannung ist das Resultat der Waffenruhe, zu der sich die radikal-islamische Hamas und Israel bereit erklärt hatten. Die Hamas stellt jedoch Bedingungen und setzt Israel unter Druck, seine Truppen innerhalb einer Woche aus dem Gazastreifen abzuziehen. Gespräche zwischen den Kampfparteien hat es nicht gegeben - stattdessen aber rege Reisediplomatie.

Am Sonntag traf sich im ägyptischen Scharm el Scheich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, dem britische Premier Gordon Brown, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem Gastgeber des Krisengipfels, dem ägyptische Präsident Husni Mubarak. Mubarak forderte, Israel solle die Blockade des Gazastreifens aufheben. Merkel, Sarkozy und Brown reisten im Anschluss weiter nach Jerusalem. Hier wollten sie mit Premier Ehud Olmert über eine dauerhafte Waffenruhe diskutieren. Gleichzeitig wollte Olmert bei ihnen um Verständnis für weitere Schritte im Gazastreifen werben.

Zuvor hatten die Außenministerinnen Israels und der USA eine Kooperation bei der Unterbindung des Waffenschmuggels zwischen Teheran und Gaza beschlossen. Dabei geht es um den Einsatz von technischer Ausrüstung zum Aufspüren von Schmuggelwaffen sowie eine engere Geheimdienstzusammenarbeit, um die Hamas nicht weiter zu stärken. Zudem könnten auch Schiffe der Nato eingesetzt werden.

Einen ersten Schritt zur Entspannung hatte am Samstagabend Olmert getan. Israel habe die gesteckten Ziele in Gaza erreicht. Die Hamas sei wesentlich geschwächt. Deshalb sei er zu einer Waffenruhe bereit. Gleichzeitig kündigte er jedoch an, israelische Truppen in Gaza zu belassen. Würden Soldaten oder Zivilisten angegriffen, behalte sich Israel Gegenschläge vor. Die Armee habe bereits Pläne für eine neue Phase militärischer Angriffe ausgearbeitet.

Nachdem die Hamas am Sonntag zunächst weiter Raketen auf Israel abgefeuert hatte, verkündete sie später ebenfalls einen Waffenstillstand. Es sei der ruhigste Tag seit langem gewesen, sagte ein Bewohner des südlichen Israels. Das Angebot der Hamas gilt für eine Woche. Sollte Israel die Bedingungen nicht erfüllen, würde sie sich nicht mehr daran gebunden fühlen.

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