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14.12.2015

17:49 Uhr

Nahost-Konflikt

Zwei Drittel der Palästinenser für bewaffneten Aufstand

Statt Verhandlungen mit Israel zu führen, befürworten zwei Drittel der Palästinenser laut einer Umfrage einen bewaffneten Aufstand. Seit Wochen gibt es wieder vermehrt Anschläge in den Palästinensergebieten und Israel.

Seit rund zehn Wochen eskaliert die Gewalt in den Palästinensergebieten und Israel. ap

Anschlag in Israel

Seit rund zehn Wochen eskaliert die Gewalt in den Palästinensergebieten und Israel.

RamallahZwei Drittel aller Palästinenser sind gegenwärtig der Ansicht, dass ein bewaffneter Aufstand ihrem Streben nach einem unabhängigen Staat mehr nutzen würde als von ihrer Führung geführte Verhandlungen mit Israel.

Wie am Montag veröffentlichte Umfrageergebnisse des Meinungsforschungsinstituts PSR belegen, „denken 66 Prozent der Befragten (71 Prozent im Gazastreifen und 63 Prozent im Westjordanland), dass es der palästinensischen Sache mehr nutzt, wenn die aktuellen Unruhen in eine bewaffnete Intifada münden, während Verhandlungen nichts mehr bringen“.

Seit zehn Wochen sind die Palästinensergebiete und Israel Schauplatz anhaltender Gewalt, bei der zusammengerechnet bereits 136 Menschen starben. Die Ereignisse führten dazu, dass sich inzwischen im Gazastreifen - obwohl dieser binnen sechs Jahren drei Kriege durchlitt - mit 53 Prozent mehr Menschen sicher fühlen als im Westjordanland, wo nur 29 Prozent der Befragten erklärten, sie fühlten sich sicher.

US-Finanzhilfen für Israel und die Palästinensergebiete

USA - Palästinas wichtigste Geldquelle

Die USA gehören seit Jahren zu den wichtigsten Geldgebern der Palästinenser. Wegen der Gefahr, dass die Mittel in die Hände von Terroristen fallen, wird die Freigabe der Mittel streng geprüft. Israel wird jedes Jahr mit noch kräftigeren Finanzhilfen aus Washington unterstützt. Eine Übersicht:

Wie viel Geld fließt nach Gaza?

Seit 2008 betrugen die Finanzhilfen der USA für den Gazastreifen und das Westjordanland jedes Jahr durchschnittlich 400 Millionen Dollar. Im laufenden Haushaltsjahr stellte Washington 440 Millionen Dollar (330 Mio Euro) bereit. Das Geld fließt an die Hilfsorganisation USAID und als direkte Budgethilfe an die Palästinensische Autonomiebehörde.

Wer bekommt die Hilfe?

USAID nutzt ihren Anteil nach Angaben des US-Rechnungshofes, um die Palästinenser mit Trinkwasser zu versorgen und Krankenhäuser zu modernisieren. Außerdem werden damit Schulen gebaut oder renoviert und mit Material ausgestattet. Auch der Privatsektor wird unterstützt. 70 Millionen Dollar der Finanzhilfen sind nach Angaben des US-Außenministeriums für die Unterstützung palästinensischer Sicherheitskräfte und

Helfen die USA der Zivilbevölkerung?

Die USA sind zudem der größte Geldgeber für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA. Für das laufende Haushaltsjahr wurden 250 Millionen Dollar (187 Mio. Euro) bereitgestellt. Das Hilfswerk versorgt Flüchtlinge unter anderem mit Essen, Unterkünften und Medikamenten.

Wie unterstützen USA Israel?

Israel ist der größte Empfänger von US-Finanzhilfen seit dem Zweiten Weltkrieg. Fast das gesamte Geld dient der Unterstützung des Militärs. Dank der Hilfe der USA gehören die israelischen Streitkräfte zu den höchstentwickelten der Welt.

Wie viel Geld bekommt Israel?

Bisher haben die USA das Land mit 121 Milliarden Dollar (90,6 Mrd. Euro) unterstützt. Für das laufende Haushaltsjahr sind 3,1 Milliarden Dollar vorgesehen sowie 502 Millionen Dollar (376 Mio. Euro) für die israelische Raketenabwehr. Für das kommende Jahr soll diese Summe noch aufgestockt werden.

Warum bekommt Israel so viel Hilfe?

Dank einer breiten Unterstützung im Kongress genießt Israel beim Empfang dieser Mittel einmalige Vorteile. So wird das Geld seit Jahren bereits in den ersten 30 Tagen des in den USA am 1. Oktober beginnenden Haushaltsjahres zur Verfügung gestellt. Außerdem kann das Land einen bedeutenden Teil der Finanzhilfen - derzeit rund ein Viertel - zur Beschaffung von Waffensystemen und anderen militärischen Mitteln im Inland verwenden, was sonst unüblich ist.

„Das gesamte Alltagsleben ist inzwischen in Ostjerusalem und dem Westjordanland besonderen Härten unterworfen, aber die Menschen scheinen bereit, diesen Preis zu bezahlen, und befürworten die Gewalttaten“, erklärte PSR-Chef Chalil Schikaki, der mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung seit 15 Jahren alle drei Monate das politische Klima in beiden Palästinensergebieten misst.

Diesmal waren 1270 Erwachsene an öffentlichen Orten befragt worden; die Fehlertoleranz gab PSR mit drei Prozent an. Eine der Ursachen für die gewaltbereite Stimmung ist demnach, dass angesichts des fortschreitenden Ausbaus israelischer Siedlungen in den besetzten Gebieten inzwischen nur noch 34 Prozent der Palästinenser glauben, dass eine Zweistaatenlösung zu verwirklichen wäre.

Von

afp

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