Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2006

09:22 Uhr

Nahost

Palästinenser wählen neues Parlament

Erstmals seit zehn Jahren wählen die Palästinenser seit dem Morgen ein neues Parlament. Die regierende Fatah-Partei dürfte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der radikalen Hamas liefern. Deren Chefideologe hat nun durchblicken lassen, dass er gegen eine Koalition nichts einzuwenden hätte.

Palästinensische Wählerinnen auf dem Weg in ein Wahllokal in Gaza-Stadt. Foto: AP

Palästinensische Wählerinnen auf dem Weg in ein Wahllokal in Gaza-Stadt. Foto: AP

HB RAMALLAH. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen öffneten am Morgen im Westjordanland, im Gaza-Streifen und in Ost-Jerusalem die Wahllokale. Tausende von schwer bewaffneten Polizisten sichern die Urnen. „Wir erwarten keine Gewalt, aber wir haben Befehl, Gewalt gegen jeden einzusetzen, der versucht die Wahl zu stören“, sagte der Polizist Ibrahim Mahmud in Ramallah. Die wichtigsten Extremistengruppen haben angekündigt, die Wahl nicht stören zu wollen.

Auch die Hamas war mit tausenden Anhängern vor Ort, um die Wähler in letzter Minute für sich zu gewinnen. „Wir kommen, um einen Wechsel einzuleiten, ein Wechsel zum Positiven. Wir wollen die amtierende Regierung ändern“, sagte der 23-jährige Hamas-Unterstützer Baher al-Rajes.

„Nicht jeder Hamas-Wähler ist ein Terrorist“: Handelsblatt-Korrespondent Pierre Heumann erklärt, warum die radikal-islamische Bewebung bei den Palästinensern so gut ankommt.



Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hatte am Dienstag noch einmal zur Beteiligung an der Abstimmung aufgerufen. „Diese Wahl ist ein Schritt auf dem Weg zur Freiheit, um unsere Unabhängigkeit und unseren eigenen Staat zu erreichen“, erklärte er im Fernsehen. Abbas verspricht sich von der Teilnahme der Hamas eine Einbindung und Mäßigung der bewaffneten Gruppe.

Die israelischen Sicherheitskräfte haben sich aus den palästinensischen Ballungsräumen im Westjordanland zurückgezogen. So sollen mögliche Anschuldigungen vermieden werden, die Truppen würden die Bewegungsfreiheit der Palästinenser und damit die Wahl beeinträchtigen. Israel hat das Gebiet 1967 besetzt.

Wahlberechtigt sind rund 1,4 Millionen Palästinenser. Die etwa 1000 Wahllokale im Westjordanland, dem Gaza-Streifen und dem arabischen Ostteil Jerusalems sollen um 18 Uhr deutscher Zeit schließen. Für die 132 Parlamentssitze kandidieren mehr als 400 Bewerber. Rund 900 ausländische Wahlbeobachter sind vor Ort.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×