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08.01.2009

09:25 Uhr

Nahost

Raketen aus dem Libanon auf Israel

Im Nahen Osten droht eine gefährliche Zuspitzung des Gaza-Konflikts: Israel ist am 13. Tag seiner Militäroffensive erstmals wieder aus dem Libanon beschossen worden. Währenddessen setzte die israelische Armee ihre Angriffe im Gazastreifen unvermindert fort. Die Weltgemeinschaft sieht quasi tatenlos zu. Der Uno-Sicherheitsrat konnte sich abermals nicht auf eine Resolution zu der Eskalation einigen.

Protest gegen die Offensive: Ein Palästinenser verbrennt die israelische Flagge. Foto: dpa dpa

Protest gegen die Offensive: Ein Palästinenser verbrennt die israelische Flagge. Foto: dpa

HB TEL AVIV Israel ist am 13. Tag seiner Militäroffensive im Gazastreifen erstmals auch wieder mit Katjuscha-Raketen aus dem Libanon beschossen worden. Eine Rakete schlug am Morgen in das Dach eines Altersheims in der nordisraelischen Stadt Naharija ein und verletzte drei Personen leicht. Drei weitere Raketen landeten in der Umgebung und richteten nach Angaben des Rundfunks keinen Schaden an. Nach libanesischen Berichten schoss Israel fünf Mörsergranaten zurück. Die Armee bestätigte, es sei zurückgeschossen worden, machte aber keine genauere Angaben.Die Bewohner im Norden Israel wurden nach Angaben des Rundfunks aufgefordert, vorerst in der Nähe von Schutzräumen zu bleiben. Der Schulunterricht wurde für Donnerstag abgesagt. Die Bewohner des Altersheims wurden in andere Einrichtungen verlegt.

Bislang hat sich keine Gruppe zu dem Raketenangriff bekannt, der in Israel Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts weckte. Die Armee geht nach Rundfunkangaben davon aus, dass militante Palästinensergruppen die Raketen aus dem Libanon mit Einwilligung der pro-iranischen Hisbollah-Milizen abgefeuert haben. Bei den Raketentypten soll es sich um ältere Modelle handeln, die von der Hisbollah nicht benutzt werden. Die Hamas im Libanon bestritt, für den Anschlag verantwortlich zu sein.

Vor zweieinhalb Jahren hatte Israel einen Krieg im Libanon gegen die mit der radikal- islamischen Hamas sympathisierende Hisbollah-Miliz geführt. Die Hisbollah hatte damals vom südlichen Libanon aus zahlreiche Katjuscha-Raketen auf israelischen Boden abgefeuert.

Wegen der Offensive im Gazastreifen hatten die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben mit Raketenangriffen der libanesischen Hisbollah-Miliz gerechnet. Auch im Süden Israels schlugen am Morgen sechs Raketen ein. Diese wurden vom Gazastreifen aus abgefeuert.

Ungeachtet aller Bemühungen um eine Waffenruhe in Nahost setzte Israel seine schweren Angriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen fort. Kampfflugzeuge flogen nach Angaben eines Militärsprechers in der Nacht mehr als 60 Einsätze. Dabei seien unter anderem die Häuser von zwei hochrangigen Hamas-Mitgliedern in Rafah im südlichen Gazastreifen bombardiert worden. Darüber hinaus sei eine Moschee angegriffen worden, die als Waffenlager und Treffpunkt für Hamas-Militante gedient haben soll. Zu den Zielen hätten weiterhin 15 Raketenabschussrampen gehört, von denen aus Raketen auf Israel abgefeuert worden seien. Im Gegenzug schlug nach Angaben der Armee nur eine Mörsergranate bis zum Donnerstagmorgen auf israelischem Boden ein.

Israel will dennoch heute zwei hochrangige Regierungsmitarbeiter nach Kairo zu Gesprächen über eine Waffenruhe schicken. Israel macht eine Waffenruhe unter anderem von einem Ende des Beschusses aus dem Gazastreifen sowie einem Stopp des Waffenschmuggels über die ägyptische Grenze nach Gaza abhängig.

Der Uno-Sicherheitsrat konnte sich bisher nicht auf eine Resolution zum Krieg im Gazastreifen einigen. Die arabischen Staaten wollen eine verbindliche Entschließung, die eine sofortige Waffenruhe und den Rückzug der israelischen Truppen verlangt. Die USA, Großbritannien und Frankreich streben dagegen eine nicht-bindende Stellungnahme an. Der Sicherheitsrat will die Verhandlungen am Nachmittag fortsetzen. Nach Angaben des ägyptischen Uno-Botschafters haben sich Vertreter Israels, der palästinensischen Autonomiebehörde und der Fatah zu Gesprächen über eine Feuerpause bereit erklärt.

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