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06.08.2014

09:57 Uhr

Nahost

Saudi-Arabien gibt dem Libanon eine Milliarde Millitärhilfe

Das saudi-arabische Königshaus unterstützt den Kampf gegen Dschihadisten an der Grenze zu Syrien und gewährt dem Libanon eine Milliarde Dollar Militärhilfe. Doch das Land ist ein Pulverfass.

Saudi-arabische Soldaten während eines Marsches: Das Königreich unterstützt die libanesische Regierung im Anti-Terrorkampf. dpa

Saudi-arabische Soldaten während eines Marsches: Das Königreich unterstützt die libanesische Regierung im Anti-Terrorkampf.

BeirutSaudi-Arabien hat der libanesischen Armee eine Milliarde Dollar (748 Millionen Euro) für den Kampf gegen Dschihadisten an der Grenze zu Syrien zukommen lassen. Das gab der ehemalige libanesische Regierungschef Saad Hariri am Mittwoch im Palast des saudi-arabischen Königs Abdallah in Dschiddah bekannt. Saudi-Arabien finanziert bereits ein Paket mit französischen Rüstungsgütern und Waffen im Wert von umgerechnet 2,2 Milliarden Euro.

Bei den anhaltenden Kämpfen zwischen der libanesischen Armee und Dschihadisten an der Grenze zu Syrien wurden seit Samstag 16 Soldaten getötet und mehr als 80 weitere verletzt. 22 Soldaten wurden noch vermisst, möglicherweise wurden sie als Geiseln verschleppt, wie Sicherheitskräfte mitteilten. Die dschihadistischen Kämpfer nahmen demnach auch 20 Polizisten gefangen, von denen drei am Dienstag wieder freigelassen wurden.

Infrastruktur: Saudi-Arabien modernisiert sich

Industrie

Elf neue Industriestädte sollten ab 2012 und in den kommenden Jahren entstehen. Allein die 14 Millionen Quadratmeter große King Abdullah Economic City kostet 86 Milliarden Dollar und soll einen Hafen so groß wie Rotterdam bekommen. Das soll Hunderttausende Jobs bringen, denn die Arbeitslosigkeit bei den 20- bis 25-Jährigen liegt bei 40 Prozent.

Wohnungsbau

67 Milliarden Dollar sind für Bauprojekte vorgesehen. Allein 500 000 neue Häuser sollen errichtet werden. Neuer günstiger Wohnraum soll die Wohnungsnot beenden.

Gesundheit

19 Prozent des Staatshaushalts sollten ab 2012 in den Gesundheitssektor fließen. Für 65 Milliarden Dollar werden seitdem 121 Spezial-Kliniken gebaut und 66 Krankenhäuser modernisiert. Die Zahl der Krankenhausbetten sollte dabei von 54 000 in 2012 auf 97 500 im Jahr 2014 steigen.

Autoindustrie

Die Experten von „Business Monitor International“ haben errechnet, dass der Autoabsatz in Saudi-Arabien allein 2011 um zehn Prozent auf 688 900 Fahrzeuge zugelegt hat. Die Nachfrage soll künftig nicht mehr allein durch Importe gedeckt werden. Bis 2020 soll eine heimische Autoindustrie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 650000 Fahrzeugen aufgebaut werden.

Bildung

Für vier Milliarden Dollar wurde die Princess Nora Bint Abdul Rahman Universität in Riad für 60 000 Studentinnen gebaut. Zuvor war schon die King Abdullah University for Science & Technology gegründet worden. Für weitere Milliarden sind andere große Unis in Planung. Zudem sollen Schulen und Kindergärten massiv ausgebaut werden.

Verkehr

38 Milliarden Dollar sollten von 2012 an allein bis 2014 in den Ausbau des Schienennetzes und in Straßen gesteckt werden. Ganz neue Eisenbahnlinien sollen auch künftig entstehen, Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen vor allem für Rohstofftransporte gebaut werden. Weitere 11,3 Milliarden Dollar kostet aktuell der Flughafenausbau.

Energie

Der Strombedarf wächst rapide. Um den Energiehunger dauerhaft stillen zu können, müssen künftig 40 Prozent des bisher zur Stromgewinnung eingesetzten Öls eingespart werden. Dazu sollen 16 Atomkraftwerke durch die französische Areva und die saudische Bin Laden Group im Wert von über 100 Milliarden Dollar gebaut werden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollen binnen zehn Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden.

Öl und Gas

Dieser Sektor nimmt sich mit aktuell geplanten Investitionen von 37 Milliarden Dollar fast schon bescheiden aus. Allein 25 Milliarden verschlingen zwei neue Raffinerien für Saudi Aramco in Jubail und Yanbu.

Nach Armeeangaben hatten bewaffnete Gruppen am Samstag in der Region Arsal im östlichen Libanon Polizei- und Armeeposten angegriffen, nachdem die Streitkräfte einen syrischen Kommandeur der islamistischen Rebellengruppe Al-Nusra-Front festgenommen hatten. Bei den Gefechten wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch dutzende Dschihadisten und drei Zivilisten getötet.

Der Libanon versucht zwar, sich aus dem Konflikt im Nachbarland herauszuhalten. Jedoch gibt es infolge des Bürgerkriegs auch unter den libanesischen Volksgruppen starke Spannungen, die immer wieder in offene Gewalt umschlagen. Zur Verschärfung der Spannungen hat auch beigetragen, dass die libanesische Hisbollah seit dem Frühjahr 2013 offen an der Seite der syrischen Regierungstruppen kämpft. Etwa eine Million syrische Flüchtlinge halten sich im Libanon auf.

Von

afp

Kommentare (2)

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G. Nampf

06.08.2014, 12:01 Uhr

Soso, die Saudis helfen beim Kampf gegen Djihadisten, die sie selbst erst groß gemacht haben.

Denn es sind die Saudis, die überall in der Welt den Boden für islamischen Extremismus (Finanzierng von Koranschulen, etc.) bereiten.

Und unsere Polit-Nachtwächter verkaufen eifrig Waffen a nach Saudi-Arabien und Katar. Und der deutscheDurchschnitts-Michel fährt weiter Auto, auch wenn ein anderes Verkehrsmittel (und seien es zwei Füße!) genauso gut wäre.

G. Nampf

06.08.2014, 15:14 Uhr

@Der Zahlmeister

"Was haben Sie gegen ..."

War das Ironie? Falls nicht: Saudi-Arabien und Katar helfen islamischan Extermisten aller Art, indem sie (s.o.) die Lehre des radikalen Islam in aller Welt fördern, finanziert durch die Öl-Einnahmen.

Also: nix Verbündete. Feinde!

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