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16.12.2013

12:20 Uhr

Nahost

Spannungen nach Tod von Soldaten an israelisch-libanesischer Grenze

Tödlicher Zwischenfall an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon: Ein israelischer Soldat wird offenbar vom Nachbarland aus erschossen, Israel feuert zurück, will aber eine Eskalation nach eigenen Worten vermeiden.

Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA bestätigte, dass ein libanesischer Scharfschütze am späten Sonntagabend in der Nähe des Grenzübergangs Rosch Nakura das Feuer eröffnet hatte. AFP

Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA bestätigte, dass ein libanesischer Scharfschütze am späten Sonntagabend in der Nähe des Grenzübergangs Rosch Nakura das Feuer eröffnet hatte.

JerusalemEin Schusswechsel zwischen libanesischen und israelischen Soldaten an der gemeinsamen Grenze hat zu Spannungen zwischen den beiden Staaten geführt. Ein israelischer Soldat wurde nach Militärangaben getötet, seine Kameraden schossen zurück. Die Armee sprach von einer „empörenden Verletzung der Souveränität Israels“, erklärte aber, eine weitere Eskalation vermeiden zu wollen. Seit dem einen Monat andauernden Libanonkrieg 2006 war es in der Grenzregion relativ ruhig gewesen.

Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA bestätigte, dass ein libanesischer Scharfschütze am späten Sonntagabend in der Nähe des Grenzübergangs Rosch Nakura das Feuer eröffnet hatte. Warum, wurde aber nicht bekannt. Die radikalislamische Hisbollah, die in dem Krieg 2006 gegen Israel gekämpft hatte, schien in den Zwischenfall nicht verwickelt gewesen zu sein.

Nur wenige Stunden später feuerte das israelische Militär in der Nähe auf zwei libanesische Soldaten, nachdem es „verdächtige Bewegungen“ entlang der Grenze bemerkt habe, sagte Sprecherin Libby Weiss. Ob die Soldaten dabei verletzt wurden, blieb zunächst unklar.

Den tödlichen Angriff auf den israelischen Soldaten zuvor verurteilte das Militär des Landes scharf. Eine „Aggression gegen den Staat Israel“ werde nicht toleriert, sagte Sprecher Peter Lerner. Er fügte aber hinzu: „Wir haben kein Interesse an einer weiteren Eskalation.“

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Während die Friedensverhandlungen im Nahen Osten stocken, arbeiten Israel und die Palästinenser an einer anderen Front zusammen. Für Hunderte Millionen Dollar soll das Tote Meer vor der Austrocknung bewahrt werden.

Die UN sollen sich nun mit dem Zwischenfall befassen. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, er würde sich mit Vertretern der UN-Friedenstruppe im Libanon (Unifil) treffen und eine Erklärung verlangen, ob der Soldat alleine oder auf Befehl des Militärs gehandelt habe und wie der Libanon solche Vorfälle in Zukunft vermeiden werde. Unifil-Sprecher Andrea Tenenti sagte, die Vereinten Nationen seien über einen „schwerwiegenden Vorfall entlang der Blauen Linie“ informiert worden. Dabei handelt es sich um die von den UN gezogene Demarkationslinie zwischen Israel und dem Libanon. Unifil stehe in Kontakt zu den Armeen beider Länder.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte mit, beide Seiten würden mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten, „um die Fakten zu klären“. Er forderte die Nachbarländer zur Zurückhaltung auf.

Der letzte folgenschwere Vorfall in der Gegend ereignete sich 2010, als ein ranghoher israelischer Offizier von einem libanesischen Scharfschützen getötet wurde. Israelische Soldaten hatten zuvor versucht, einen Baum an der Grenze zu fällen. Israel reagierte mit Artilleriebeschuss, durch das zwei libanesische Soldaten und ein Journalist ums Leben kamen.

Der Krieg 2006 war ausgebrochen, nachdem Hisbollah-Kämpfer die Grenze zu Israel überquert und zwei Soldaten verschleppt hatten. Bei den darauffolgenden Kämpfen kamen 1200 Libanesen und 160 Israelis ums Leben.

Von

ap

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.12.2013, 13:15 Uhr

Ich gehe mal von folgendem Umstand aus:
die Palästinenser (Libanesen) wie auch die Israelis möchten dauerhaften und echten Frieden haben.
Einige wenige Mächtige oder Wirtschaftsverbände der Waffenlobby möchten das, aus wirtschaftlichen Gründen, aber nicht. Es geht um Krisenherde zu erhalten oder gar neues (in diesem Fall ist es ja nicht neu!) schaffen.
Dann wird nur noch ein "Auslöser" für neue Unruhen gesucht und gefunden. Ein israelischer Soldat wird "geopfert" (ich weiss nicht wie ich es sonst benennen soll) damit die Gewalt wieder neu Entfacht und beide Seiten sich an die Gurgel geht und ein entstandener Friedensprozess aufgehalten oder gar ganz im Keim erstickt wird.
Ich möchte hier auch keine Geschichtskunde abhalten, aber bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im 12 Jahrhundert (soll keine Schuldzuweisung oder sonstiges sein) haben die verschiedenen Ethnien friedlich gelebt, in ein und der selben Statt Jerusalem...

Samweis

16.12.2013, 21:31 Uhr

"aber bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im 12 Jahrhundert haben die verschiedenen Ethnien friedlich gelebt,"

"Wirtschaftsverbände der Waffenlobby möchten das, aus wirtschaftlichen Gründen, aber nicht."

Meine Güte - wozu der Hass gegen "die böse Wirtschaft" doch so führt... Da die Wirtschaft Ursache allen Übels ist, gehe ich also davon aus, dass das Ende des friedlichen Zusammenlebens durch die Gründung eines Wirtschaftsverbandes im 12 Jahrhundert herbeigeführt worden ist?

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