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22.05.2012

15:13 Uhr

Nahost

Syriens Regime heizt Situation im Libanon an

Die Angst vor einem Flächenbrand in Nahost lähmt den Westen im Umgang mit Syrien. Die Sorge ist groß, dass der Libanon demnächst ein weiterer Kriegsschauplatz werden könnte. Das Land ist ein Pulverfass.

Verbrannte Motorräder im der libanesischen Hauptstadt Beirut. dapd

Verbrannte Motorräder im der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Beirut/IstanbulSeit dem Beginn der Proteste gegen sein Regime droht Syriens Präsident Baschar al-Assad mit einem „Flächenbrand“. Jetzt sieht es so aus, als würde sich sein Schreckensszenario bewahrheiten.

Im benachbarten Libanon liefern sich Sunniten Straßenschlachten mit Alawiten und anderen Anhängern des syrischen Regimes. Brennende Reifen und Artillerie-Angriffe rufen bei den bürgerkriegsgeschädigten Libanesen Erinnerungen an die dunkelsten Kapitel der Geschichte ihres Landes hervor.

Infrastruktur: Saudi-Arabien modernisiert sich

Industrie

Elf neue Industriestädte sollten ab 2012 und in den kommenden Jahren entstehen. Allein die 14 Millionen Quadratmeter große King Abdullah Economic City kostet 86 Milliarden Dollar und soll einen Hafen so groß wie Rotterdam bekommen. Das soll Hunderttausende Jobs bringen, denn die Arbeitslosigkeit bei den 20- bis 25-Jährigen liegt bei 40 Prozent.

Wohnungsbau

67 Milliarden Dollar sind für Bauprojekte vorgesehen. Allein 500 000 neue Häuser sollen errichtet werden. Neuer günstiger Wohnraum soll die Wohnungsnot beenden.

Gesundheit

19 Prozent des Staatshaushalts sollten ab 2012 in den Gesundheitssektor fließen. Für 65 Milliarden Dollar werden seitdem 121 Spezial-Kliniken gebaut und 66 Krankenhäuser modernisiert. Die Zahl der Krankenhausbetten sollte dabei von 54 000 in 2012 auf 97 500 im Jahr 2014 steigen.

Autoindustrie

Die Experten von „Business Monitor International“ haben errechnet, dass der Autoabsatz in Saudi-Arabien allein 2011 um zehn Prozent auf 688 900 Fahrzeuge zugelegt hat. Die Nachfrage soll künftig nicht mehr allein durch Importe gedeckt werden. Bis 2020 soll eine heimische Autoindustrie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 650000 Fahrzeugen aufgebaut werden.

Bildung

Für vier Milliarden Dollar wurde die Princess Nora Bint Abdul Rahman Universität in Riad für 60 000 Studentinnen gebaut. Zuvor war schon die King Abdullah University for Science & Technology gegründet worden. Für weitere Milliarden sind andere große Unis in Planung. Zudem sollen Schulen und Kindergärten massiv ausgebaut werden.

Verkehr

38 Milliarden Dollar sollten von 2012 an allein bis 2014 in den Ausbau des Schienennetzes und in Straßen gesteckt werden. Ganz neue Eisenbahnlinien sollen auch künftig entstehen, Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen vor allem für Rohstofftransporte gebaut werden. Weitere 11,3 Milliarden Dollar kostet aktuell der Flughafenausbau.

Energie

Der Strombedarf wächst rapide. Um den Energiehunger dauerhaft stillen zu können, müssen künftig 40 Prozent des bisher zur Stromgewinnung eingesetzten Öls eingespart werden. Dazu sollen 16 Atomkraftwerke durch die französische Areva und die saudische Bin Laden Group im Wert von über 100 Milliarden Dollar gebaut werden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollen binnen zehn Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden.

Öl und Gas

Dieser Sektor nimmt sich mit aktuell geplanten Investitionen von 37 Milliarden Dollar fast schon bescheiden aus. Allein 25 Milliarden verschlingen zwei neue Raffinerien für Saudi Aramco in Jubail und Yanbu.

Zwar betont die libanesische Regierung, sie wolle sich im Syrien-Konflikt weiterhin um eine neutrale Position bemühen. Doch die blutige Revolution im Nachbarland, die schon Tausende von Flüchtlingen über die Grenze getrieben hat, ist eine ernste Gefahr für das Pulverfass Libanon. Denn die libanesischen Sunniten sympathisieren mehrheitlich mit den syrischen Revolutionären, die zum Großteil sunnitische Muslime sind.

Die militante libanesische Schiiten-Bewegung Hisbollah, die der aktuellen Regierung in Beirut angehört, steht dagegen auf der Seite von Assad. Angeblich soll sie dem bedrängten syrischen Präsidenten sogar Kämpfer geschickt haben, die bei der Unterdrückung der Protestbewegung helfen sollen.

Chalid Dhaher sitzt für die Fraktion der Zukunftsbewegung des sunnitischen Ex-Ministerpräsidenten Saad Hariri im libanesischen Parlament. Er ist überzeugt, dass die Gewalt, die in den vergangenen Tagen Beirut und die nördliche Stadt Tripoli erfasst hat, von Damaskus bewusst gesteuert wurde. In einem Interview mit der Nachrichtenwebsite „Now Lebanon“ erklärt er: „Das angeschlagene syrische Regime versucht mit allen Mitteln, die negativen Auswirkungen des Zusammenbruchs seines Regimes in den Libanon zu exportieren.“

Kommentare (2)

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OhMannOhMann

22.05.2012, 15:37 Uhr

Da sind nicht nur die Freunde der syrischen Regierung im Libanon.

Ein weiteres Pfund für die syrische Regierung sind die "Freunde" der Türkei, sprich Kurden, die sicher nicht undankbar wären, wenn Assad ihnen Hilfe zukommen liesse.

Der Westen zündelt halt, während er auf dem Pulverfass sitzt.

Für ihn gilt: Der Krug geht so lange zum Brunnen, biss er bricht.

Warten wir es ab.

Thomas-Melber-Stuttgart

22.05.2012, 15:54 Uhr

Herr Assad hat nicht mit einem "Flächenbrand" gedroht, sondern vor ihm gewarnt.

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