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08.01.2009

15:54 Uhr

Nahost

Uno stoppt Hilfe für Gaza

Die Vereinten Nationen haben die Hilfslieferungen für die Palästinenser im Gazastreifen ausgesetzt. Hintergrund sind schwere Vorwürfe gegen Israel: Israelische Soldaten sollen Uno-Mitarbeiter während der Waffenruhe beschossen haben und dabei zwei Uno-Mitarbeiter getötet haben. Der Stopp der Konvois in das Kriegsgebiet verschärft die Notlage der palästinensischen Zivilbevölkerung weiter.

Lastwagen mit Hilfsgütern der Uno. Nach dem Tod zweier Uno-Mitarbeiter haben die Vereinten Nationen die Hilfslieferungen in den Gaza-Streifen eingestellt. Foto: ap ap

Lastwagen mit Hilfsgütern der Uno. Nach dem Tod zweier Uno-Mitarbeiter haben die Vereinten Nationen die Hilfslieferungen in den Gaza-Streifen eingestellt. Foto: ap

HB GAZA/NAHARIJA. Etwa 750 000 Menschen im Gazastreifen werden von der Uno mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern versorgt. Die seit zwei Wochen anhaltenden Gefechte zwischen der israelischen Armee und der radikal-islamischen Hamas haben bislang mehr als 700 Menschen das Leben gekostet.

Nach UN-Angaben tötete eine israelische Panzergranate zwei palästinensische Gabelstaplerfahrer in einem Konvoi der Hilfsorganisation UNRWA. Zudem berichteten Ärzte von Angriffen der Armee auf von den Uno betriebene Schulen im Gazastreifen. Dabei seien mehr als 45 Palästinenser ums Leben gekommen. „Die UNRWA hat entschieden, alle ihre Operationen im Gazastreifen zu stoppen, weil ihre Einrichtungen und Mitarbeiter immer mehr Angriffen ausgesetzt sind“, sagte ein UNRWA-Sprecher in Gaza.

Das Rote Kreuz (IKRK) kritisierte Israel in ungewöhnlich scharfer Form: Nach einem Angriff auf Gazas Stadtteil Seitun habe die Armee tagelang palästinensischen Sanitätern und IKRK-Vertretern den Zugang zu den Verletzten verwehrt. In einem Haus seien dort schließlich vier hungernde Kinder bei ihrer toten Mutter und mindestens elf weitere Leichen gefunden worden. Die IKRK sprach von einem Verstoß gegen die völkerrechtlichen Pflicht, Verwundeten zu helfen. Israels Armee erklärte, sie arbeite mit Hilfsorganisationen zusammen und greife Zivilisten nicht absichtlich an.

Die internationalen Bemühungen, der Gewalt ein Ende zu setzen, gingen indes weiter. Die USA, Frankreich und Großbritannien an einer verbindlichen UN-Resolution für eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt. Die drei Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats hätten ihren Widerstand dagegen aufgegeben, sagten westliche Diplomaten in New York. Ziel sei eine Vereinbarung, die einen sofortigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas, ein Vorgehen gegen den Waffenschmuggel und eine Öffnung der Grenzen umfasse. Die drei Staaten verfügen wie Russland und China über ein Veto-Recht im Rat. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter. Auch Ägypten und Frankreich haben einen Waffenstillstandsplan vorgelegt.

Erstmals seit Beginn der Offensive schlugen Raketen aus dem Libanon in Nordisrael ein. Eine der mindestens drei Raketen durchschlug das Dach eines Altersheims in Naharija und verletzte zwei Menschen. Israel reagierte mit kurzem Artillerie-Feuer. Berichte über Opfer im Libanon lagen nicht vor. Die libanesische und israelische Regierung erklärten übereinstimmend, der Angriff sei vermutlich ein Einzelfall und gehe wohl nicht von der radikal-islamischen Hisbollah aus. Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah hatten sich 2006 schwere Gefechte geliefert. Damals waren etwa 4000 Raketen auf Nordisrael niedergegangen. Der jüngste Angriff sei möglicherweise von Palästinensern im Libanon ausgegangen, sagte der israelische Minister Rafi Eitan.

Im Süden Israels schlugen erneut mehr als ein Dutzend Raketen der Hamas ein, während die Luftwaffe Ziele im Gazastreifen bombardierte. Bewohner von Gaza berichteten von den bislang schwersten Bombardierungen im Osten der Stadt. Zudem bewegten sich israelische Panzern im Süden des Küstenstreifens auf Chan Junis zu.

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