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20.08.2012

11:12 Uhr

Nationalistischer Rausch

Chinesen zertrümmern japanische Läden

VonFinn Mayer-Kuckuk

In China brandet Wut über angebliche Arroganz der Japaner im Umgang mit umstrittenen Inseln auf. Parolen werden skandiert, Toyota-Autos demoliert. Es ist der nächste Höhepunkt der chinesisch-japanischen Antipathie.

Chinesische Demonstranten bei einer Protestaktion. AFP

Chinesische Demonstranten bei einer Protestaktion.

PekingIn China steigt das nationale Fieber. Im ganzen Land versammelten sich Demonstranten vor Einrichtungen, die sie als japanisch wahrnehmen, und skandierten Parolen gegen des Nachbarland. Sie zertrümmerten Schaufensterscheiben. In der südchinesischen Stadt Shenzhen demolierten sie einen Polizeiwagen der Marke Toyota. Schätzungen zufolge waren dort rund 2000 Randalierer auf der Straße.

Nachdem private Aktivisten aus Hongkong auf den umstrittenen Senkaku-Inseln (chinesisch: Diaoyu) gelandet sind und Fahnen geschwenkt haben, nahm die japanische Küstenwache die Männer wegen Grenzverletzungen fest. Das verärgerte die chinesische Öffentlichkeit, denn nach Verständnis der Regierung in Peking gehören die Felsen zur Volksrepublik - die japanischen Behörden haben nach ihrer Ansicht kein Recht, chinesische Bürger von dort zu vertreiben.

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Zusätzlichen Zorn entfachte die Gegenreaktion japanischer Nationalisten, die sich ebenfalls auf die Inseln übersetzen ließen und dort ihrerseits japanische Flaggen schwenkten.

Auch vor der japanischen Botschaft in Peking fanden sich einige Dutzend Demonstranten ein. Einer hielt ein Transparent hoch: „Gebt mir Kanonen und Pistolen und lasst mich die Diaoyu-Inseln befreien!“ Der Mann zeigte sich vor allem verärgert über die Haltung seiner eigenen Regierung: „China ist jetzt ein starkes Land. Die Regierung hätte viel härter gegen Japan vorgehen müssen“, sagt er. Die Polizei schützt die Botschaft derzeit und hat den Bürgersteig vor dem Gebäude abgeriegelt.

Viele Chinesen neigen derzeit zu verstärktem Nationalismus. Zwar hat ihr Land derzeit so viel internationalen Einfluss wie noch nie in der jüngeren Geschichte und ist allseits als wichtige Wirtschaftsmacht respektiert. Doch die Schande der jahrzehntelangen Bedeutungslosigkeit ist vielen stolzen Bürgern immer noch bewusst. Sie wittern daher überall Ungerechtigkeit und Verschwörungen gegen China.

Kommentare (18)

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Pro-D

20.08.2012, 11:29 Uhr


+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Numismatiker

20.08.2012, 11:44 Uhr

Glaubt irgendjemand wirklich, daß die Gewaltaktionen spontan aus dem Volk kommen?

China ist und bleibt eine kommunistische Gewaltdiktatur, in der nichts ohne die Billigung der Staatsmacht geschieht.

Chris

20.08.2012, 12:04 Uhr

Mein chinesischer Arzt rechnet mit einem Krieg in Asien. Es gärt im Volk und das Volk empfindet seine Regierung als zu schwach.
Nicht unterschätzen sollte man auch, daß es bisher von Japans Seite keine Entschuldigung gab. Es war schrecklich, was die Japaner den einfachen Menschen angetan haben. Laut der Erzählung meiner Freundin wurden den Frauen in ihrem Dorf die Fingernägel heruntergerissen. Sie wurden gezwungen Unmengen von Wasser zu trinken, und dann sprangen die japanischen Soldaten auf die Bäuche bis sie platzten. Ein schrecklicher qualvoller Tod. Glaubt wirklich jemand, daß das vergessen wird. Ihr wird immer schlecht, wenn sie etwas hört oder sieht was mit Japan zutun hat.

Grüße

Chris

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