Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2010

10:51 Uhr

Nato

Bündnis bereitet seinen Rückzug vor

VonEric Bonse

Die Nato bereitet ihren Rückzug aus Afghanistan vor. Die Militärexperten des Bündnisses haben damit begonnen, detaillierte Pläne für die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung auszuarbeiten.

Die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte rückt in den Vordergrund der Strategie. ap

Die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte rückt in den Vordergrund der Strategie.

HB BRÜSSEL. Das sagte Nato-Sprecher James Appathurai in Brüssel. Die Nato wolle einen Übergabeplan „für jeden Distrikt und jede Provinz“ erarbeiten. Auf der Afghanistan-Konferenz in London werde man über ein Rahmenabkommen diskutieren. Ob darin auch Fristen für den Abzug enthalten sein werden, ließ Appathurai offen.

Für die Nato steht in Afghanistan viel auf dem Spiel. Sie leitet die Schutztruppe Isaf und wird vor allem von den USA gedrängt, mehr für die Stabilisierung des Landes zu tun. Ein Scheitern des Isaf-Einsatzes würde auf das Bündnis zurückfallen und Fragen nach dem militärischen Nutzen der Nato aufwerfen. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bemüht sich daher seit Wochen bei den Alliierten um zusätzliche Truppen. Insgesamt geht es um 7 000 Mann, die die 30 000 neuen US-Soldaten unterstützen sollen.

Gleichzeitig schmiedet Rasmussen Pläne für den „Übergang“, wie der Rückzug im Nato-Jargon genannt wird. So wurde die Zielvorgabe für den Aufbau der afghanischen Armee von 134 000 auf 171 600 Soldaten im Oktober 2011 erhöht. Die afghanische Polizei soll im selben Zeitraum auf 134 000 Mann ausgebaut werden. Allerdings hat die Nato bisher nicht genug Ausbilder, um die neuen Sollstärken zu sichern.

Bisher sind die afghanischen Sicherheitskräfte nicht einmal in der Lage, das Regierungsviertel in Kabul zu schützen. Vor einer Woche griffen Taliban mehrere Regierungsgebäude an; die Attacke konnte erst nach Stunden abgewehrt werden. Dennoch lobte der Nato-Oberbefehlshaber für Europa, James Stavridis, das „effiziente“ Vorgehen der afghanischen Armee. Die Sicherheitskräfte hätten Fortschritte gemacht; allerdings blieben sie auf Isaf-Unterstützung angewiesen.

Gestern traf sich der Nato-Militärausschuss in Brüssel, um über das weitere Vorgehen in Afghanistan zu beraten. Zu dem Treffen wurden auch Isaf-Kommandeur Stanley McCrystal und der Chef der pakistanischen Armee, Ashfaq Pervez Kiyani, erwartet. Unterdessen ernannte Nato-Generalsekretär Rasmussen den britischen Diplomaten Mark Sedwill zum neuen Nato-Beauftragten für Afghanistan. Der 45-Jährige soll die Zusammenarbeit mit der Regierung in Kabul stärken und den Wiederaufbau fördern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×