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10.03.2016

14:40 Uhr

Nato-Einsatz im Mittelmeer

Flüchtlingszustrom aus der Türkei hält an

Seit Montag versucht die Nato, Schleusern im Mittelmeer das Handwerk zu legen. Doch bisher ist von dem Einsatz nichts zu spüren: Pro Tag kommen unvermindert Tausende Migranten auf den griechischen Inseln an.

Rund 35 Flüchtlinge aus Afghanistan sitzen auf dem Seenotrettungskreuzer Minden auf dem Vorschiff nach ihrer Rettung. Die Flüchtlinge werden in den Hafen von Mitilini gebracht. dpa

Flüchtlinge auf der Insel Lesbos

Rund 35 Flüchtlinge aus Afghanistan sitzen auf dem Seenotrettungskreuzer Minden auf dem Vorschiff nach ihrer Rettung. Die Flüchtlinge werden in den Hafen von Mitilini gebracht.

Athen/PiräusDer Nato-Einsatz zur Kontrolle der Schleuseraktivitäten in der Ägäis hat noch nicht zu einem merklichen Rückgang des Flüchtlingszustroms aus der Türkei geführt. Wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Donnerstag mitteilte, kamen am Mittwoch 3340 Migranten auf den griechischen Inseln in der Ostägäis an. Zuvor hatte der Sprecher des griechischen Krisenstabs für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, die Zahl auf 2073 beziffert. Die Nato hat bislang keine Angaben gemacht. Der Einsatz läuft in vollem Umfang seit Montag.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) waren vom 1. bis zum 7. März auf den Inseln an den einzelnen Tagen 609, 2162, 2569, 332, 630, 2480 und 728 Migranten angekommen. Bis Donnerstagmorgen stieg die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland nach Angaben des Athener Krisenstabes auf insgesamt 41.973.

Die auf den Inseln eintreffenden Flüchtlinge werden mit Fähren zur Hafenstadt Piräus auf dem griechischen Festland gebracht. Auf Anfrage von Reportern sagten Flüchtlinge am Donnerstag, sie wollen weiter nach Nordgriechenland, um anschließend nach Deutschland oder Schweden weiterzureisen.

Einige der Migranten wussten nicht, dass die Westbalkanroute bereits seit Mittwoch faktisch geschlossen ist. „Das hat man uns auf der Insel (Chios) nicht gesagt“, sagte eine Frau aus Syrien im griechischen Fernsehen (ERT).

Andere sagten, sie wüssten „sehr wohl“ von der Schließung der Grenze. Ihnen bliebe nichts anderes übrig, als die Reise gen Norden „auf gut Glück“ fortzusetzen. „So Gott will werden wir es schaffen“, sagte ein junger Mann aus Afghanistan dem griechischen Fernsehsender Skai.

Flüchtlingspolitik: Der EU-Türkei-Aktionsplan

Vereinbarungen für weniger Flüchtlinge

Die Türkei soll der EU dabei helfen, dass weniger Flüchtlinge nach Westeuropa kommen. Das Land ist nämlich für viele Migranten ein wichtiges Transitland. Bereits im November wurden dafür die folgenden Punkte vereinbart.

Grenzschutz

Um die illegale Einreise von Flüchtlingen in die EU zu stoppen, soll die Türkei ihre Seegrenzen zu Griechenland besser sichern. Zudem soll das Land stärker gegen Schleuser vorgehen, die die Flüchtlinge über die Ägäis bringen.

Leben in der Türkei

Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Türkei sollen verbessert werden, damit diese gar nicht erst nach Europa weiterreisen. Dabei geht es etwa um eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildungschancen für Kinder. In einem ersten Schritt hat die Türkei bereits ein Arbeitsverbot für Flüchtlinge gekippt. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) leben in der Türkei mittlerweile allein 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge.

Geld

Für die Versorgung der Flüchtlinge haben die EU-Staaten der Türkei drei Milliarden Euro zugesagt.

Politische Zugeständnisse

Die EU hat der Türkei zugesagt, die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und einen möglichen EU-Beitritt zu beschleunigen. (Quelle: dpa)

Von

dpa

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