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16.02.2015

16:52 Uhr

Nazibilder und Reparationen

Die griechischen Polterer

VonKevin Knitterscheidt

In den Verhandlungen über die Fortführung des griechischen Hilfsprogramms zeigt sich die Syriza-Regierung wenig diplomatisch. Statt auf Kompromisse setzen Tsipras und Co. bisher vor allem auf krachende Statements.

Bisher ist die neue griechische Führung vor allem durch scharfe Rhetorik aufgefallen. dpa

Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis

Bisher ist die neue griechische Führung vor allem durch scharfe Rhetorik aufgefallen.

DüsseldorfHeute verhandeln die Finanzminister der Euro-Gruppe erneut über die Zukunft Griechenlands. Im Vorfeld haben der griechische Premier Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis viel Porzellan zerschlagen – zuletzt, als Varoufakis am vergangenen Mittwoch die Euro-Finanzminister auflaufen ließ und eine in sechs Stunden mühsam ausgehandelte Erklärung am Ende doch nicht unterzeichnen wollte. Schließlich stand ein entnervter Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem vor den Kameras und musste statt einer Einigung das Scheitern der Verhandlungen verkünden.

Die Episode ist symptomatisch für das Verhalten der neuen griechischen Regierung: Es scheint, als ließen die Syriza-Politiker keine Gelegenheit aus, um sich als polternde Rebellen gegen eine aus ihrer Sicht unmenschliche Europapolitik zu inszenieren, für die sie besonders Deutschland verantwortlich machen.

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Das fängt an bei dem nonkonformistischen Verzicht auf die Krawatte, mit dem sich Tsipras und Varoufakis schon optisch von ihren europäischen Kollegen abheben. Und es geht weiter bei den markigen Sprüchen der beiden, die in Berlin eher als Beleidigung denn als erfrischende Einwände verstanden werden dürften. So überzeichnete Varoufakis schon vor der Wahl die Sparmaßnahmen der Troika etwa als „fiskalisches Waterboarding“, als Folter also, bei dem das Ertränken des Opfers simuliert wird. Tsipras sprach gar von einem drohenden „sozialen Holocaust“ in Griechenland, sollte das Sparprogramm nicht beendet werden.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk zeigt sich Finanzminister Wolfgang Schäuble verärgert über das Verhalten der Griechen: „Das Problem ist ja nicht, entgegen diesen Beschimpfungen, dass irgendjemand Griechenland etwas Böses tut. Das Problem ist, dass Griechenland seit langem über seine Verhältnisse gelebt hat und dass niemand mehr ohne die Garantie anderer Griechenland Geld leihen möchte. Das ist das Problem.“ Dabei seien die Maßnahmen der Troika entscheidend für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit gewesen.

Erst in der letzten Woche wurde Schäuble erneut Opfer griechischer Häme. Die linke Tageszeitung „I Avgi“ („Die Morgenröte“), die Tsipras‘ Syriza-Partei nahesteht, druckte eine Karikatur, die den deutschen Finanzminister als KZ-Aufseher zeigt. Unter der Überschrift „Die Verhandlung hat begonnen“ legte ihm die Zeitung folgende Worte in den Mund: „Wir bestehen darauf, Seife aus eurem Fett zu machen. Wir diskutieren nur über Düngemittel aus eurer Asche.“

Kommentare (14)

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16.02.2015, 17:23 Uhr

Also, ich bin dafür, die griechischen Verhaltensweisen und Beleidigungen so zu beantworten, indem die BRD-Regierung der griechischen ein Hilfedarlehen über 100 € zusagt, mit der Auflage, dies schön einzuteilen und die wichtigsten Probleme damit zuerst anzugehen. Freundlich grinsen dabei ist natürlich umsonst.

Herr Richard H. Holzhütter

16.02.2015, 17:27 Uhr

Es wäre ein Festtag für Europa wenn es zum Grexit kommt ! Wenn dann noch die dubiosen Herrn Junker und Dragie den Hut nehmen kann Europa Neu AUFGESTELLT WERDEN --Ohne das Monstrum EU sondern ein Europa der Vaterländer mit integeren Politikern die Verträge einhalten und sich ihren Völkern verpflichtet fühlen!

Herr Henry Wuttke

16.02.2015, 17:28 Uhr

Zurecht poltern Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis und hüpfen wie das Rumpelstielchen.
Brüssel zwingt den EU-Ländern diktatorisch auf, wie die Wirtschaft laufen soll. Aufgrund der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit, in den einzelnen EU-Ländern, kann das Vorhaben „Friedliche EU-Projekt“ nicht aufgehen. Die Politik wird niemals über den ökonomischen Gesetzmäßigkeiten stehen.
Seit der Einführung der Gemeinschaftswährung muss der Euro pausenlos subventioniert werden, ähnlich einem Schneeballsystem. Fließen keine Euronen, so stürzt das gesamte Lügengebäude ein. So sieht die Wahrheit aus. Hier wird auch keine Rücksicht auf die verarmende Bevölkerung genommen. Griechenland hat in der Vergangenheit gelogen und betrogen was das Zeug hält. Griechenland und auch andere EU-Staaten sind nicht gleichwertig im Wirtschaftswachstum und in der Wettbewerbsfähigkeit und passen von daher überhaupt nicht zur Gemeinschaftswährung.
Die unterschiedlichen Mentalitäten der Bevölkerungen und die geographische Lage sind noch nicht einmal berücksichtigt. Griechenland kann nach meiner Einschätzung nur mit einer eigenen Währung z.B. der Drachme genügend wettbewerbsfähig werden. Egal wie die Kompromisse aussehen werden, Griechenland wird früher oder später die Gemeinschaftswährung verlassen.

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