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22.10.2015

06:24 Uhr

Netanjahu besucht Merkel

Der Zündler und die Diplomatin

Angesichts des Holocausts wiederholt die Kanzlerin: Israels Sicherheit gehört zur deutschen Staatsraison. Sie fühlt Verantwortung für die Zukunft des Landes – und findet gerade deshalb klare Worte gegenüber Netanjahu.

Netanjahu zu Gast bei Merkel

“Hitler war für den Holocaust verantwortlich, niemand sollte das leugnen“

Netanjahu zu Gast bei Merkel: “Hitler war für den Holocaust verantwortlich, niemand sollte das leugnen“

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BerlinEs ist keine Botschaft der Entspannung, die Benjamin Netanjahu zum Besuch bei Angela Merkel mit nach Berlin gebracht hat. Mitten in der neuen Gewaltwelle in seinem Land und ausgerechnet kurz vor seinem Besuch bei Merkel schob Netanjahu den Palästinensern quasi die Schuld am Holocaust in die Schuhe, dem von Deutschen organisierten Mord an Millionen von Juden.

Beim gemeinsamen öffentlichen Auftritt lässt Merkel am Mittwochabend dann keine Zweifel, was sie von derartiger Geschichtsinterpretation hält: nichts. Deutschland kenne die „Verantwortung der Nationalsozialisten für den Zivilisationsbruch der Shoa“, sagt die Kanzlerin und setzt hinzu: „Wir sehen keinen Grund, unser Bild der Geschichte zu verändern.“

Netanjahus Äußerungen vor einem Internationalen Zionistenkongress in Jerusalem am Vortag waren erst am Morgen bekannt geworden, kurz vor seinem Abflug zu dem zweitägigen Besuch in Berlin. Vor Hunderten Delegierten hatte er gesagt, der damalige palästinensische Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, habe NS-Diktator Adolf Hitler Anfang der 1940er Jahre zur systematischen Vernichtung der Juden gedrängt. Hitler selbst habe zunächst nur eine Vertreibung und keinen Massenmord an den Juden geplant.

Zahl der Juden in Europa

Juden in Europa

Wie viele Menschen jüdischen Glaubens leben in den europäischen Staaten? Das Institute for Jewish Policy Research hat Einwohnerstatistiken ausgewertet – und die Zahlen im Internet veröffentlicht.

Quelle: www.jpr.org.uk/map

Portugal

In Portugal leben laut Institute for Jewish Policy Research rund 1000 Juden. Gesamtbevölkerung: etwa 10,602 Millionen.

Spanien

Unter den rund 46,464 Millionen Einwohnern Spaniens leben rund 18.000 Menschen mit jüdischem Glauben.

Frankreich

In Frankreich leben rund 65,821 Millionen Menschen. Etwa 600.000 von ihnen sind Juden.

Italien

In Italien leben etwa 37.000 Juden, Gesamtbevölkerung: rund 60,783 Millionen.

Großbritannien

Von den rund 60,46 Millionen Einwohnern Großbritanniens sind etwa 360.000 jüdischen Glaubens.

Irland

Etwa 4,581 Millionen Menschen leben auf der irischen Insel, darunter rund 1.600 Menschen jüdischen Glaubens.

Deutschland

In Deutschland leben rund 250.000 Juden. Die Gesamtbevölkerung liegt derzeit bei rund 80,767 Millionen Einwohnern.

Niederlande

Die Niederlande haben etwa 16,83 Millionen Einwohner, rund 50.000 davon sind Juden.

Belgien

Von den rund 11,1 Millionen Einwohnern Belgiens sind etwa 40.000 Menschen jüdischen Glaubens.

Polen

Schätzungsweise 7500 Juden leben in Polen, die Gesamteinwohnerzahl beträgt rund 38,49 Millionen.

Russland

Russland hat rund 143,6 Millionen Einwohner. Jüdischen Glaubens sind etwa 380.000 Menschen.

Ukraine

Von den rund 45,426 Millionen Einwohnern der Ukraine gibt es etwa 130.000 Juden.

Weißrussland

In Weißrussland leben rund 9,457 Millionen Menschen. Etwa 23.000 von ihnen sind jüdischen Glaubens.

Norwegen

Von den rund 5,156 Millionen Menschen in Norwegen gehören etwa 2.000 dem jüdischen Glauben an.

Schweden

Knapp 9,645 Millionen Einwohner hat Schweden. Rund 25.000 von ihnen sind Juden.

Finnland

Rund 1.800 Menschen jüdischen Glaubens leben in Finnland. Gesamtbevölkerung: 5,43 Millionen.

Türkei

Die Türkei hat rund 76,668 Millionen Einwohner. Die Zahl der Menschen jüdischen Glaubens liegt bei etwa 21.000.

Griechenland

Von den rund 10,815 Millionen Einwohnern Griechenlands gehören etwa 6.000 dem jüdischen Glauben an.

Das ist Netanjahus Botschaft: Nicht die Politik seiner rechtsgerichteten Regierung sei mit an der Gewaltwelle in Israel Schuld, sondern die angebliche Hetze und Aufstachelung der Palästinenserführung um Präsident Mahmud Abbas.

Seite an Seite mit Merkel betont Netanjahu am Abend in Berlin dann zwar, niemand solle die Verantwortung Hitlers für den Holocaust leugnen. Doch er fügt auch hinzu: Abbas müsse sich schon fragen lassen, warum die Palästinenser den Mufti „als Ikone“ hochhalten würden. „Das ist ein Kriegsverbrecher. Er wird in den Schulen glorifiziert als Vater der Nation“, wettert der Ministerpräsident.

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