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07.12.2014

10:51 Uhr

Netzgemeinde spottet

Hollande in kasachischer Pelzmütze

Frankreichs Staatschef François Hollande wollte am Wochenende durch sein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin punkten. Statt mit Respekt, wird er nun mit Spott überhäuft.

François Hollande (l.) im traditionellen Gastgeschenk, das er von seinem kasachischen Amtskollegen Nursultan Nasarbajew erhielt. (Quelle: Screenshot Twitter)

François Hollande (l.) im traditionellen Gastgeschenk, das er von seinem kasachischen Amtskollegen Nursultan Nasarbajew erhielt.

(Quelle: Screenshot Twitter)

ParisFrankreichs unbeliebter Staatschef François Hollande wollte am Wochenende durch sein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin punkten. Doch statt Respekt zu ernten, überhäufte Frankreichs Internetgemeinde den Elysée-Chef mit Spott. Der Anlass: Bei seiner Visite in Kasachstan erhielt Hollande von seinem Gastgeber-Kollegen Nursultan Nasarbajew einen dicken Mantel samt Pelzmütze. Und auf dem Foto, das das Präsidentenbüro in Astana veröffentlichte, sieht Hollande in der kasachischen Tracht einfach drollig aus.

„Endlich ein Mantel, der ihm passt“, lautete eine Bemerkung auf Twitter. Wenn Hollande im Winter seine Freundin besuche, „dann sind eine warme Mütze und ein warmer Mantel von Vorteil“, kommentierte ein weiterer Nutzer. Nasarbajew habe eine Wette gegen seine Freunde gewonnen, er werde Hollande dazu bringen, "den Mantel seiner Frau anzuziehen", schrieb ein dritter.

Nach Einschätzung der französischen Presse war Hollande selbst nicht zum Lachen zumute. „Der Elysée ist wütend“, lautete eine Schlagzeile bei „Europe 1“. „Das Foto, das den Elysée nervt“, schrieb das „Journal du Dimanche“ auf seiner Internetseite - um wenig später eine Fotoserie zu präsentieren, auf denen Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy und Jacques Chirac ebenfalls in traditionellen Trachten und Stammeskostümen zu bestaunen sind.

Hollandes Premierminister Manuel Valls sah sich angesichts des Spottes zu einer Lektion an seine Landsleute genötigt. „Jeder sollte sich klar sein, dass der Präsident ein großes Land regiert, und dieses große Land muss von allen respektiert werden, und sein Staatschef ebenfalls“, sagte er. Er verwies auf das Treffen Hollandes mit Putin am Samstagnachmittag in Moskau, um zu versichern: Hollande „füllt seine Rolle als Staatschef vollständig aus“.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.


Von

afp

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