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02.02.2012

20:54 Uhr

Neue Bafin-Chefin

König fordert scharfe Regulierung der Schattenbanken

Die neue Bafin-Präsidentin gibt ihre Visitenkarte ab: Elke König fordert eine stärkere Kontrolle riskanter Hedge-Fonds-Geschäfte. Den deutschen Banken attestiert sie genug Widerstandskraft in der Euro-Schuldenkrise.

Bafin-Chefin Elke König und ihr Vorgänger Jochen Sanio bei der Amtsübergabe Ende Januar. dapd

Bafin-Chefin Elke König und ihr Vorgänger Jochen Sanio bei der Amtsübergabe Ende Januar.

FrankfurtDie neue Präsidentin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, hat ihren Kurs abgesteckt. Die Bafin werde unter ihrer Ägide ihre Schlagkraft bewahren und sich international für eine Regulierung mit Augenmaß einsetzen. Die Finanzaufsicht stehe für eine Regulierung, an der sich die Finanzindustrie orientieren können, sagte König heute Abend anlässlich des Neujahrsempfangs der Behörde. Die schärferen Eigenkapitalvorschriften nach Basel und weitere Kapitalzuschläge für systemrelevante Banken würden nur für scheinbare Sicherheit sorgen, solange der Schattenbankensektor nicht ebenfalls angemessen reguliert werde. Welche Ansteckungsgefahren hier für den regulierten Markt schlummern, habe die Finanzmarktkrise gezeigt. Nötig seien weltweit geltende Standards für die vielen Ausprägungen der Hedge Fonds, aber auch für Geldmarktfonds und die Wertpapierleihe. „Wir sollten den Erfindergeist der Finanzindustrie im Blick halten“, empfahl König.

Die deutschen Banken werden nach ihrer Auffassung die notwendigen Kapitalpolster aufbauen können, um der Euro-Schuldenkrise zu widerstehen. „Aus den Plänen, die uns die Institute vorgelegt haben, geht hervor, dass es ihnen gelingen sollte, die von der (EU-Bankenaufsicht) EBA empfohlene Kapitalisierung aus eigener Kraft zu erreichen“, sagte König. Die EBA fordert von den größten 70 europäischen Geldhäusern eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent, die sie bis Ende Juni erreichen müssen. Sechs deutschen Banken fehlen insgesamt gut 13 Milliarden Euro, der Commerzbank allein 5,3 Milliarden.

Die EBA-Aufseher wollen die Pläne in der kommenden Woche auf ihre Plausibilität überprüfen. Die ehemalige Versicherungs-Managerin König, die am 1. Januar ihr Amt angetreten hatte, verteidigte die Praxis der meisten Banken, Risiken abzubauen, um die Anforderungen zu erfüllen, statt neues Kapital aufzunehmen. „Und letztlich werden sich einige Institute von der einen oder anderen Last befreien, was zu begrüßen ist“, sagte sie. Es sei gut, dass Banken sich im Zuge dessen von nicht-strategischen Geschäften - etwa Positionen im Handelsbuch - trennen wollten. „Schließlich sind Krisen das Ergebnis von Übertreibungen. Banken tun daher gut daran, ihr Geschäftsportfolio zu konsolidieren.“ Nur ein exzessiver Abbau von Risiken - wie sie etwa in Krediten stecken - wäre gefährlich für die Kreditversorgung der Unternehmen. „Doch eine Kreditklemme erleben wir derzeit nicht“, sagte König. Es bestehe kein Grund zur Sorge, dass Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken zusammen weniger Kredite vergäben.

Versicherer sollten nach Auffassung Königs nicht über einen Kamm mit Banken geschoren werden. Erkenntnisse aus dem Bankensektor ließen sich nicht 1:1 auf den Versicherungssektor übernehmen. Der US-Riese AIG sei nicht durch das originäre Versicherungsgeschäft in Schwierigkeiten gekommen, sondern durch das Finanzgarantiegeschäft der Gruppe. „Im klassischen Versicherungsgeschäft kann ich ein systemisches Risiko, das mit dem des Bankengeschäfts vergleichbar wäre, nicht erkennen, so König.

Die neuen Eigenkapitalregeln für Versicherer nach Solvency II sollen und müssten verbessert werden. Noch immer sei das Regelwerk zu komplex, kritisierte König. Gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen müsse der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

 

Kommentare (7)

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whisky

02.02.2012, 21:29 Uhr

Wann war noch mal die Pleite der Lehman-Brothers-Bank? September 2008! Und etwa ein Jahr vorher hab ich meine paar Belegschaftsaktien verkauft, weil ich - durch Foristen und durch die nachdenkseiten.de immer unsicherer wurde. So hab ich mir 60% Verlust erspart.
Und wieso wird erst jetzt die Regulierung der Schattenbanken gefordert?
Vielleicht, weil der 2008 von Frau Merkel in Deutschland eingestzte Chef der "Kommision zur Regulierung der Finanzmärkte" ein International Advisor der Bank Goldman Sachs ist?

Mazi

02.02.2012, 21:42 Uhr

Die Frau hat keine Ahnung.

Angel

02.02.2012, 22:18 Uhr

Lieber Mazi,

woher nimmst Du Deine Erfahrung? Meinst Du Wissen oder Gefühl. Vormachen kann man ihr jedenfalls nichts. Ob ihr Urteil gerecht und angemessen ist, ist eine andere Frage. Für die Position bringt sie die richtige Psychologie mit.

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