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31.01.2007

13:26 Uhr

Neue Bilder vom kranken Staatschef

Fidel Castro: „Das ist nicht das letzte Gefecht“

VonKlaus Ehringfeld

Kubas schwer kranker Staatschef Fidel Castro ist offenbar auf dem Wege der Besserung. Erstmals seit einem Vierteljahr zeigte das kubanische Fernsehen am Dienstag Bilder des 80-Jährigen, auf denen er deutlich gestärkt wirkt und klar artikuliert. „Das ist bei weitem noch nicht das letzte Gefecht“, sagte Castro in dem zehnminütigen Film.

MEXIKO-STADT. Die Aufnahmen entstanden nach offiziellen Angaben bei einem zweistündigen Besuch seines Freundes und venezolanischen Staatschefs Hugo Chávez am Montag in Havanna. Beide Politiker unterhalten sich auf dem Video angeregt über Weltpolitik und die jüngsten kubanisch-venezolanischen Kooperationsverträge.

Die bisher letzte Videobotschaft Castros datiert vom 29. Oktober. Damals wirkte er schwer gezeichnet, murmelte kaum verständlich ein paar Sätze in die Kamera und lief mit roboterhaften Bewegungen durch das Krankenzimmer.

Die kubanische Interimsregierung unter Raúl Castro, Fidels jüngerem Bruder, wollte mit der Veröffentlichung des Videos offenbar den Gerüchten entgegentreten, Castro sei dem Tode nahe. Mitte Januar hatte die spanische Zeitung „El País“ erstmals Details über die Krankheit und den post-operativen Zustand Castros veröffentlicht. Demnach leidet der 80-Jährige nicht an Krebs, sondern an einer Infektion des Dickdarms. Castros Zustand sei „sehr ernst“, schrieb das Blatt unter Berufung auf einen spanischen Chirurgen, der Castro im Dezember untersucht hatte. Seit Ende Juli, als Castro vorübergehend die Macht abgab, habe er mindestens drei Mal operiert werden müssen.

Auf den neuen Bildern hat Castro an Gewicht zugenommen, trägt seinen inzwischen bekannten Trainingsanzug in den kubanischen Nationalfarben blau, rot und weiß. Man sieht ihn Saft trinkend, mit Chávez diskutierend und gemeinsam eine Ausgabe der argentinischen Zeitung „Clarín“ vom 27. Januar lesend. Castro sei bei guter Laune und gut in Form, sagt Chávez auf dem Video. Castro erklärte zu seiner Erkrankung: „Das ist bei weitem noch nicht das letzte Gefecht.“

Castro ist seit dem 26. Juli aus der Öffentlichkeit verschwunden. Einen Tag später unterzog er sich einer Bauchoperation. Die Geschäfte auf der kommunistisch regierten Karibikinsel führt seither Raúl Castro gemeinsam mit anderen hohen Funktionären. Anders als vor allem von der US-Regierung vorher gesagt, hat sich auf Kuba durch die Erkrankung Castros zunächst nichts verändert.

Das öffentliche Leben geht so weiter, als sei der „Máximo líder“ noch an der Macht. Fidel Castro hat seit der Revolution 1959 fast 48 Jahre auf der Insel die Fäden gezogen. Die kubanische Führung hat mehrfach betont, dass es auch nach dem Ende der Fidel-Ära zu keiner Öffnung des Systems kommen werde. „In Kuba wird es keinen Wandel geben, sondern Kontinuität“, erklärte Vize-Präsident Carlos Lage mehrfach.

Lage hatte erst vor wenigen Tagen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas 16 Kooperationsverträge mit Venezuela unterzeichnet, durch die beide Staaten wirtschaftlich noch enger zusammenrücken. Das wichtigste Abkommen sieht vor, beide Länder innerhalb von zwei Jahren mit einem Glasfaserkabel zu verbinden. Ferner wollen die Partnerländer auch bei der Stromerzeugung, dem Stahlbau und der Erdölsuche kooperieren. Zudem ist eine engere Zusammenarbeit im Tourismus vorgesehen. Der Handelsaustausch zwischen beiden Ländern wuchs in den vergangenen fünf Jahren von 460 Millionen auf 2,64 Milliarden US-Dollar an.

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