Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2006

18:07 Uhr

Neue Bluttaten

Irakische Selbstmordanschläge töten 120 Menschen

Die folgenschwersten Selbstmordanschläge im Irak seit vier Monaten haben 120 Menschen in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt.

HB KERBELA. Der erste Anschlag ereignete sich am Donnerstag in der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela. Nur Stunden später sprengte sich in der vor allem von Sunniten bewohnten Stadt Ramadi ebenfalls ein Attentäter in die Luft. Die Anschläge dürften die Spannungen zwischen den religiösen Gruppen im Irak weiter verstärken. In Bagdad und Nadschaf kamen insgesamt sieben US-Soldaten bei Anschlägen ums Leben. Damit dürften sich Hoffnungen auf ein Nachlassen der Gewalt im neuen Jahr nur wenige Wochen nach den Parlamentswahlen von Mitte Dezember vorerst zerschlagen haben.

Bereits am Mittwoch waren bei offenbar koordinierten Attentaten im ganzen Land mindestens 58 Menschen getötet worden. In den fünf Tagen des neuen Jahres wurden bei Anschlägen damit mehr als 225 Menschen getötet und 280 verletzt.

Am Donnerstag zündete in Kerbela ein Attentäter seinen Sprengstoffgürtel der Polizei in einer belebten Straße unweit des Imam-Hussein-Schreins, einem der wichtigsten Orte für Schiiten in der Stadt rund 110 Kilometer südwestlich von Bagdad.

Der Attentäter habe etwa sieben bis acht Kilogramm TNT-Sprengstoff gezündet. Es gilt als sicher, dass der Anschlag gegen die moslemische Glaubensgruppe der Schiiten gerichtet war. Bei der Explosion wurden mindestens 51 Menschen getötet und 138 verletzt. Erst vor zwei Tagen war die Stadt Schauplatz von Gewalt, nachdem es dort fast ein Jahr lang relativ ruhig geblieben war.

Auf Fernsehbildern aus Kerbela waren Blutlachen in den Straßen zu sehen. Am Boden lagen Trümmer. Passanten luden Verletzte in Autos und auf Lastwagen, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Eine in schwarz gekleidete Frau weinte und drückte ihr verletztes Baby an sich. Im März 2004 waren in der Stadt bei koordinierten Selbstmordanschlägen während eines religiösen Festes mehr als 90 Menschen getötet worden. Dahinter vermuten die Behörden den Chef der Al-Kaida-Gruppe im Irak, den Sunniten Abu Mussab al-Sarkaui.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×