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28.04.2011

17:34 Uhr

Neue Erkenntnisse

IAEA wirft Syrien heimlichen Reaktorbau vor

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hat Syrien heimlich an einem Atomreaktor gebaut. Israel habe vor fünf Jahren einen Reaktor im Bau zerstört. Syrien hatte dies immer bestritten.

Die syrische Regierung unter Baschar al-Assad bestreitet, dass sie an einem Atomreaktor gebaut hat. Quelle: ap

Die syrische Regierung unter Baschar al-Assad bestreitet, dass sie an einem Atomreaktor gebaut hat.

ParisSyrien hat nach Angaben der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) heimlich an einem Atomreaktor gebaut.

Damit stellte die IAEA am Donnerstag erstmals eindeutig fest, dass Syrien atomare Bestrebungen verfolgte.

Ein vor fünf Jahren von israelischen Flugzeugen zerstörtes Ziel „war ein Reaktor im Bau“, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano. Syrien hatte bestritten, dass das bombardierte Gebäude für atomare Zwecke vorgesehen war. Frühere IAEA-Berichte hatten bereits nahe gelegt, dass es sich bei dem Gebäude um einen Reaktor gehandelt haben könnte.

„Das Gebäude, das ... von Israel zerstört wurde, war ein im Bau befindlicher Atomreaktor“, sagte Amano bei einer Pressekonferenz in Paris zur nuklearen Katastrophe in Fukushima. Dort hatte er sich mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über die Aufräumarbeiten in Japan beraten.

Israel hatte sich nie zu dem Luftangriff geäußert oder je bestätigt, den Einsatz geflogen zu haben. Der US-Geheimdienst hatte die IAEA informiert, dass es sich bei dem Gebäude um einen Atommeiler handele, der kurz vor seiner Fertigstellung sei. In diesem hätte Plutonium hergestellt werden können. Das spaltbare Material wird für den Bau von Atomsprengköpfen genutzt.

Wie die wichtigsten Länder der Welt zu Syrien stehen

Deutschland

Politiker aus Berlin gaben sich im lange geschmähten Syrien in letzter Zeit die Klinke in die Hand. Auch Außenminister Guido Weserwelle war im Mai 2010 dort. Syrien sei für eine konstruktive Nahost-Lösung ein „unerlässlicher“ Partner, sagte der Außenminister damals und bot Unterstützung bei Modernisierung und Reformen an. Jetzt setzt sich die Bundesregierung - wie schon im Falle Libyens - für Sanktionen gegen Syrien ein, sollte die Führung ihre Gewalt gegen friedliche Demonstranten nicht beenden. Eine Militärintervention lehnt Deutschland klar ab.

Frankreich

Präsident Nicolas Sarkozy hatte seit Jahren versucht, Assad hoffähig zu machen, und den Syrer noch im Dezember 2010 mit Pomp im Élyséepalast empfangen. Über Syrien wollte Sarkozy politischen Einfluss in Nahost gewinnen. Mit der Gewalt in Syrien kündigte sich Ende März der Bruch an. Frankreich stehe wie in Libyen an der Seite der friedlich demonstrierenden Bevölkerung, betont Sarkozy nun und tritt für UN-Sanktionen gegen Syrien ein. Die syrische Botschafterin in Paris, Lamia Chakkour, wurde einbestellt.

Großbritannien

Großbritannien hat sich mit seiner Forderung nach Sanktionen gegen Syrien verbal mit den USA an die Spitze der internationalen Front gegen Assad gesetzt. Dabei waren die Beziehungen zu Damaskus bisher vergleichsweise gut. Der britische Außenminister William Hague muss sich sogar Vorwürfe anhören, er behandele Assad, der früher in London Medizin studiert hatte, zu milde. Jetzt sieht Hague Syrien am Scheideweg. Der Ton aus der Downing Street wird schärfer. Es sei aber „noch nicht zu spät“ für Assad, die brutalen Repressionen seines Volkes zu beenden.

USA

Washington hatte noch vor den Europäern Syrien Sanktionen angedroht und seine Bürger zur Ausreise aus Syrien aufgerufen. In der Praxis zeigen die USA aber keinen großen Elan. Ein militärisches Eingreifen wie in Libyen steht außer Frage. Traditionell stehen die USA wie ihr enger Partner Israel dem Assad-Regime feindlich gegenüber. Die Annäherungen europäischer Länder an Damaskus vor den aktuellen Unruhen sah Washington wegen Syriens enger Bande zum Iran eher skeptisch.

Russland

Wie schon in der Libyen-Krise lehnt Russland auch in Syrien ein militärisches Eingreifen von außen ab. Im Weltsicherheitsrat blockiert Russland eine Intervention mit seinem Veto. Auch Sanktionen steht Russland skeptisch gegenüber. Zwar kritisiert auch Moskau die Gewalt gegen Zivilisten. Allerdings gilt Syrien als guter Kunde für russische Waffen. In der syrischen Hafenstadt Tartus betreibt Moskau den einzigen Stützpunkt der russischen Marine außerhalb der früheren Sowjetunion. Traditionell hofft Russland - wie bei der Nichteinmischung im Irak - darauf, nach Krisen am Ende kräftiger im Öl- und Gassektor mitzumischen.

China

Die Volksrepublik lehnt grundsätzlich eine Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder ab. Chinas Staatsmedien heben besonders die Verteidigungsreden der syrischen Vertreter bei den Vereinten Nationen und Äußerungen des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon hervor, dass nur Dialog und Reformen den Frieden in Syrien herstellen könnten. In der Regel lehnt China zwar Sanktionen oder militärische Interventionen ab, hat sie aber in der Vergangenheit wie im Falle Libyens trotz Vetorechts durch Stimmenthaltung wiederholt geduldet.

Israel

Der jüdische Staat sieht die Unruhen im syrischen Nachbarland mit Sorge. Es herrscht dort zwar ein feindliches Regime, aber die Grenze ist seit Jahren völlig ruhig. Es wird befürchtet, dies könnte sich mit einem Sturz des Assad-Clans ändern, besonders wenn islamistische Kräfte an die Macht kommen sollten. Offiziell will Israel sich gegenwärtig nicht zu möglichen Sanktionen gegen Syrien äußern. In der Vergangenheit hat sich der jüdische Staat jedoch gegen Waffenlieferungen an den feindlichen Nachbarstaat ausgesprochen.

Syrien bestreitet geheime Atomaktivitäten. Die Weigerung des Landes vor vier Jahren, IAEA-Inspektoren auf das bombardierte Gelände zu lassen, nährten Spekulationen, dass Syrien etwas zu verbergen habe. Als verdächtig wurde auch eingeschätzt, dass die Regierung das Gelände planieren und neu bebauen ließ.

Nach einem Besuch im Jahre 2008 kamen die Inspektoren der IAEA zu dem Schluss, dass Größe und Struktur des Gebäudes dem eines Atomreaktors glichen. Auf dem Gelände wurden auch Graphit- und Uraniumpartikel gefunden, die auf Atomaktivitäten schließen ließen.

Die IAEA bemüht sich darum, Zugang zu weiteren Geländen zu erhalten, auf denen mutmaßlich geheime Atomaktivitäten stattfinden.

Doch die Regierung in Damaskus zeigte sich bislang wenig kooperativ und verwies darauf, dass es sich bei den fraglichen Stätten um Militärgelände handele.

 

Von

dapd

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