Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.06.2016

07:26 Uhr

Neue Ermittlungen

Polen lässt Absturzopfer von Smolensk exhumieren

Der Absturz einer polnischen Regierungsmaschine im russischen Smolensk, bei dem 2010 der damalige Präsident Kaczynski ums Leben kam, wird neu untersucht. Dem Verhältnis zwischen Polen und Russland dürfte das kaum guttun.

Das Flugzeug war 2010 beim Anflug auf Smolensk abgestürzt. AP

Trümmer der abgestürzten Regierungsmaschine

Das Flugzeug war 2010 beim Anflug auf Smolensk abgestürzt.

WarschauIn Polen sollen die Särge der Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk im Jahr 2010 geöffnet werden. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Hintergrund sind neue Ermittlungen zur Ursache des Absturzes, bei dem seinerzeit neben mehreren Regierungsmitgliedern, Militärs und dem Notenbankchef auch der damalige Präsident Lech Kaczynski und seine Frau ums Leben kamen.

Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw ist heute als Chef der Regierungspartei Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) der starke Mann in Polen. Er hat die damalige Einschätzung, dass es sich bei dem Absturz um einen Pilotenfehler gehandelt habe, nie akzeptiert.

Flugzeugabsturz von Smolensk: Kaczynski wirft Regierung Versagen vor

Flugzeugabsturz von Smolensk

Kaczynski wirft Regierung Versagen vor

Fast 100 Menschen sterben 2010 beim Absturz einer polnischen Regierungsmaschine, darunter auch der damalige Präsident. Um die Ursache ranken sich Theorien. Heute steht das Gedenken auch im Schatten des Wahlkampfs.

Vielmehr vermutet er eine Explosion an Bord des Flugzeugs. Außerdem machte Kaczynski den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, indirekt für den Absturz mitverantwortlich.

Die neuen Untersuchungen könnten auch die Beziehungen zwischen Polen und Russland weiter belasten. Die PiS hat Russland zwar nie direkt vorgeworfen, für den Absturz und den Tod des damaligen polnischen Präsidenten verantwortlich zu sein. Russland habe aber davon profitiert, lautet die Position der Partei. Außerdem warfen PiS-Funktionäre Russland vor, die Ermittlungen zu verzögern und den Polen Beweisstücke vorzuenthalten.

Die polnische Delegation flog damals nach Smolensk, um der von sowjetischen Sicherheitskräften ermordeten polnischen Offiziere und Intellektuellen zu gedenken. Rund 22.000 Polen wurden 1940 getötet. Jahrzehntelang hatte die Sowjetunion Nazi-Deutschland für das Massaker an den Polen verantwortlich gemacht.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×