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21.11.2014

14:49 Uhr

Neue EU-Pläne

Anzahl von Plastiktüten soll sinken

Plastiktüten sind schlecht für die Umwelt, ihr Gebrauch soll in Zukunft begrenzt werden. Die EU-Botschafter haben nun neue Pläne verabschiedet, um europaweit die Plastiktüten zurückzudrängen. Kein kleines Ziel.

Eine Plastiktüte liegt am Straßenrand in Berlin. Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten eindämmen. dpa

Eine Plastiktüte liegt am Straßenrand in Berlin. Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten eindämmen.

BrüsselDie Pläne zur Begrenzung von Plastiktüten haben die Rückendeckung der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die EU-Botschafter stimmten am Freitag in Brüssel geschlossen für das Vorhaben, wie Diplomaten berichteten. Um den Verbrauch von Einwegtüten zu begrenzen, sollen die Staaten entweder Gebühren oder Steuern auf die Beutel erheben oder konkrete Ziele zur Verminderung beschließen. Auch nationale Verbote wären möglich.

Profitieren soll von den Plänen vor allem die Umwelt: Es dauert Hunderte von Jahren bis die Beutel sich in der Natur zersetzen. Insbesondere Meerestiere leiden darunter, winzige Teile können über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper gelangen.

Europaweit soll der Verbrauch leichter Plastiktüten bis Ende 2025 auf 40 Beutel pro Bürger sinken - das ist eine Minderung um knapp 80 Prozent im Vergleich zu 2010. Hauchdünne Gemüse- und Obsttüten und stabile Mehrfachtüten sind nicht betroffen.

Der Kampf gegen die Plastiktüten

Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?

Plastiktüten sind für ihr Gewicht ganz schön stabil. Doch was Verbraucher freut, kann der Umwelt schaden. Hunderte Jahre kann es dauern, bis die praktischen Tragetüten sich in der Natur zersetzen. Kleinteile werden von Seetieren wie Fischen und Vögeln gefressen.

Wie viele Tüten werden denn pro Jahr genutzt?

Nach Zahlen aus dem Jahr 2010 kommen jedes Jahr etwas weniger als 100 Milliarden Plastiktüten in Europa in Umlauf. Das entspricht 198 Tüten pro Jahr und Bürger, die meisten davon Einwegtüten. Deutschland steht laut Handelsverband Deutschland (HDE) gut da. Das sei auch dem durch den grünen Punkt bereits weit verbreiteten Recyclingsystem zu verdanken. In Deutschland liege der Verbrauch bei jährlich 76 Tüten pro Kopf, die EU-Kommission spricht mit Blick auf das Jahr 2010 von 64 Einwegtüten.

Diese Zahlen sollen also sinken?

Genau. Nach derzeitigem Stand soll jeder EU-Bürger Ende 2019 nur noch 90 Einwegtüten verbrauchen pro Jahr, Ende 2025 nur noch 40 Tüten. Ganz dünne Tüten, die es etwa an der Gemüsetheke gibt, wären aber ebenso wie stabile Mehrfachtüten nicht betroffen. Genauso gut könnte es Abgabegebühren geben oder Steuern für den Einzelhandel. Die Regierungen hätten die Wahl - Hauptsache, die Tüte wäre nicht mehr kostenlos. Auch andere Maßnahmen mit ähnlicher Wirkung wären möglich.

Was halten Umweltschützer davon?

„Das bedeutet für die Verbraucher und Verbraucherinnen und insbesondere den Einzelhandel eine Neuausrichtung zu bewussterem und ökologischerem Konsum“, meint Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Die Umweltschutzorganisation European Environmental Bureau (EEB) ist zwar grundsätzlich ebenfalls erfreut. Allerdings hätte sich die Organisation auch ein Verbot spezieller neuartiger Tüten gewünscht. Diese geben aus Sicht von Kritikern vor, biologisch abbaubar zu sein, obwohl sie es nicht sind. Dies soll nun aber die EU-Kommission erst einmal untersuchen.

Was sagt die Plastikindustrie?

Der Branchenverband Plastics Europe argumentiert, man unterstütze zwar eine Gebühr für alle Taschen, egal aus welchem Material. Doch die Möglichkeit nationaler Verbote könne zu Handelshemmnissen in Europa führen. Das bemängelt übrigens auch die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Pläne waren im Grundsatz bereits Anfang der Woche von Unterhändlern der EU-Staaten und des Europaparlaments vereinbart worden. Nachdem die EU-Botschafter nun das Vorhaben abgesegnet haben, ist am Montagabend der Umweltausschuss des Parlaments am Zug. Ein Ja dort kann aber als sicher gelten, weil viele Abgeordnete gegen die Tüten vorgehen wollen. Danach stehen noch formale Bestätigungen durch das Plenum und die EU-Minister an. Bis zum Frühjahr dürfte dies alles geschehen sein.

In Deutschland werden schon heute wenig Tüten genutzt. So verbrauchte nach Angaben der EU-Kommission im Jahr 2010 jeder Deutsche im Durchschnitt 64 Einwegtüten. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt lag bei 176 Einwegtüten.

Einige kleinere Hürden müssen die Pläne derweil noch nehmen. Am Montag soll der Umweltausschuss des Europaparlaments darüber abstimmen, ein Ja wird aber erwartet. Danach steht noch die formelle Annahme durch die Minister der EU-Staaten und das Plenum des Europaparlaments an. Dies alles dürfte bis zum Frühjahr geschehen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Frau Margrit Steer

21.11.2014, 15:39 Uhr

Dazu muß man sich nicht wieder wochen-oder monatelang mit beschftigen, das geht doch gaz einfach. So eine Tüte kostet in Zukunft in jedem Laden 2 € und dann wird sich das ganz schnell eindämmen

G. Nampf

21.11.2014, 16:01 Uhr

@Margrit Steer

"Dazu muß ..."

Absolut richtig. Aber Sie müsen das einmal so sehen:

Die EU-Laienspieltruppe muß so einen Mumpitz betreiben, denn sonst kommt heraus, daß (mindestens) die Hälfte von denen überflüssig ist ;-)

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