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21.03.2006

20:15 Uhr

Neue Festnahmen

Opposition in Weißrussland protestiert weiter

Die weißrussische Opposition will trotz weiterer Festnahmen ihre Proteste gegen die Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko ausweiten. Das kündigte Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch am Dienstagabend vor tausenden Anhängern im Stadtzentrum von Minsk an.

Der weißrussische Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch wird von Anhängern umringt. Foto :ap

Der weißrussische Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch wird von Anhängern umringt. Foto :ap

HB MINSK. Der weißrussische Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch hat seine Anhänger zur Fortsetzung der Proteste gegen das Ergebnis der umstrittenen Präsidentschaftswahl aufgefordert. Für Samstag kündigte er eine Massenkundgebung gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko an. „Wir werden hier bis zum 25. bleiben und am 25. werden wir uns versammeln, um für unsere Zukunft zu kämpfen“, sagte Milinkewitsch den ausharrrenden Demonstranten in Minsk. Die Proteste gegen das Wahlergegnis hatten sich am Dienstag allerdings abgeschwächt.

Nach Schätzungen aus Oppositionskreisen hat die Polizei bislang etwa 100 Teilnehmer der von den Behörden nicht genehmigten Kundgebung festgenommen. Der Vorsitzende der Vereinten Bürgerpartei, Anatoli Lebedko, wurde als erster prominenter Oppositionspolitiker wegen Teilnahme an den Protesten zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt.

Der bei der Wahl vom Sonntag ebenfalls unterlegene Kandidat Alexander Kosulin forderte am Abend die demokratischen Kräfte auf, dem Lukaschenko-Regime eine eigene Regierung entgegenzustellen. In Oppositionskreisen kursierten Gerüchte, die in den Straßen um den Oktoberplatz stationierten Polizeieinheiten könnten in der Nacht zum Mittwoch das Zeltlager der Demonstranten auf dem Oktoberplatz räumen und die Teilnehmer festnehmen. „Die Staatsmacht lässt uns ein, zwei Tage gewähren, um dann durchzugreifen“, sagte der unterlegene Präsidentschaftskandidat Milinkewitsch. Jeder Teilnehmer der Proteste müsse zur Verantwortung gezogen werden, forderte ein Sprecher des Innenministeriums nach Angaben der Nachrichtenagentur Belapan. Aus dem Ausland gab es erneut Forderungen nach Sanktionen gegen das Regime Lukaschenkos.

Das nach dem Vorbild der Orangenen Revolution in der Ukraine errichtete Lager wuchs bis zum Dienstagnachmittag auf 20 Zelte an, die von 300 meist jugendlichen Oppositionellen geschützt wurden. Ähnlich wie in Kiew versorgten Sympathisanten die Jugendlichen mit Essen. An den Vorabenden hatten sich jeweils etwa 10 000 Menschen versammelt. Sie protestierten gegen den Wahlsieg Lukaschenkos, der 82,6 Prozent der Stimmen für sich in Anspruch nahm, und forderten Neuwahlen.

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