Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.10.2015

12:16 Uhr

Neue Flüchtlingsrouten

Westeuropa? Dort lang!

Chaos auf dem Balkan: Ungarn hat die nächste Grenze Richtung EU dicht gemacht, dafür öffnet Kroatien seine Tore zu Serbien für Tausende von Flüchtlingen. So ändert sich die Fluchtroute die Menschen und ihre Schlepper erneut.

BerkasovoSie kampieren im knöcheltiefen Matsch, harren im Regen und Wind aus, in der Hoffnung weiter zu dürfen – weiter Richtung Westen. Doch die Lage der Flüchtlinge, die über die Balkanroute kommen, wird immer verzweifelter. Denn entlang der alten Route – über Slowenien – geht es erst mal nicht weiter.

Der Balkan ist eine der wichtigsten Routen der Flüchtlinge von Syrien nach Westeuropa. Zuerst führte der Weg der Menschen auf ihrem Weg nach Österreich, Deutschland oder Schweden vor allem über Ungarn. Doch das EU-Land mit der konservativen Regierung unter Viktor Orbán hat die Grenzen dicht gemacht und einen Grenzzaun errichtet – zuletzt am Samstag die Grenze zu Kroatien. Und so ändern sich die Routen der Menschen wieder einmal. Andere osteuropäische Staaten öffnen dafür ihre Grenzen – wenigstens zeitweise. Denn laut Schätzungen des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sitzen 10.000 Flüchtlinge auf der Balkanroute fest.

Das Asylgesetz-Reformpaket

Sichere Herkunftsländer

Albanien, Kosovo und Montenegro werden nach drei anderen Balkan-Staaten als weitere „sichere Herkunftsländer“ eingestuft, um Asylbewerber von dort schneller in ihre Heimat zurückzuschicken. Schutzsuchende aus diesen Ländern sollen bis zum Abschluss des Asylverfahrens in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben.

Aufenthalt in der Erstaufnahme

Asylbewerber müssen insgesamt länger (bis zu sechs statt bis zu drei Monate) in den Erstaufnahmestellen wohnen und sollen dort möglichst nur Sachleistungen bekommen. Geld soll künftig nur noch höchstens einen Monat im Voraus ausgezahlt werden.

Ausreisepflicht

Abgelehnte Asylbewerber, die ausreisen müssen, dieser Pflicht aber nicht fristgerecht nachkommen, bekommen nur noch eingeschränkte Leistungen.

Bleiberecht

Asylbewerber mit guten Aussichten auf ein Bleiberecht erhalten Zugang zu Integrationskursen.

Neue Unterkünfte

Der Abbau bürokratischer Hürden soll die Einrichtung neuer Asylunterkünfte erleichtern.

Krankenversicherung

Der Bund schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Länder auf freiwilliger Basis eine Gesundheitskarte einführen können, mit der Asylbewerber direkt zum Arzt gehen können.

Flüchtlinge als Ärzte

Asylsuchende mit Arztausbildung können die Erlaubnis bekommen, bei der medizinischen Versorgung in Flüchtlingsunterkünften zu helfen.

Im Oktober reisten pro Tag durchschnittlich 5.100 Menschen aus der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und jetzt Slowenien weiter nach Österreich und Deutschland, wie das kroatische Innenministerium am Montag in Zagreb mitteilte.

Flüchtlinge in Deutschland: An den Grenzen der Hilfen

Flüchtlinge in Deutschland

Premium An den Grenzen der Hilfen

Im Eiltempo wollen Bund und Länder Maßnahmen beschließen, die den Flüchtlingsstrom bremsen. Die Grünen haben verfassungsrechtliche Bedenken, und selbst die Arbeitgeber wundern sich über die harschen Forderungen der CSU.

Auch aus Afrika kommen weiter viele Menschen über Libyen in die EU. Allein am vergangenen Wochenende haben die italienische Marine und Küstenwache 1.300 Menschen aus dem Meer gerettet, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Montag berichtete. Acht Menschen konnten nur noch tot geborgen werden. Bis zum 15. Oktober hatten in diesem Jahr laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) 137.000 Menschen Italien auf dem Seeweg erreicht. Zum Vergleich: in Griechenland kamen bislang 473.000 Flüchtlinge und Migranten an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×