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24.07.2012

20:57 Uhr

Neue Gefechte

Kämpfe greifen auf Syriens Finanzmetropole über

Auch Syriens Finanzmetropole Aleppo ist nun Schauplatz der Gefechte zwischen der Armee und den Rebellen. Indes fordern die Sicherheitskräfte die Aufständischen zur Aufgabe auf. Wer klug sei, solle sich selbst retten.

Syrische Rebellen in der Nähe der Stadt Aleppo. AFP

Syrische Rebellen in der Nähe der Stadt Aleppo.

Amman/BeirutDie Kämpfe zwischen syrischen Sicherheitskräften und Aufständischen haben die Altstadt der Finanzmetropole Aleppo erreicht. Rebellen und Soldaten lieferten sich an den Toren des UN-Weltkulturerbes Gefechte, berichteten Augenzeugen am Dienstag. In dem Gefängnis von Aleppo schlugen die Regierungstruppen nach Angaben der Aufständischen in der Nacht einen Aufstand nieder. Dabei seien 15 Insassen durch Schüsse getötet worden. Auch Damaskus wurde den Rebellen zufolge von neuen Gefechten erschüttert. In dem Bezirk Midan wurden Panzer gesichtet. Die Armee hatte den Stadtteil am Freitag von den Rebellen zurückerobert.

Die Armee forderte mit Flugblättern die Rebellen zur Aufgabe auf. "Die Waffe, die Du trägst ist eine Last für Dich geworden", hieß es auf von Hubschraubern abgeworfenen Zetteln. Es gebe keine Hoffnung auf Überleben, wenn man nicht die Waffen niederlege, lautete eine Warnung. "Der Moment der Wahrheit ist da." Die Zeit laufe ab. Wer klug sei, rette sich selbst.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

Aleppo war lange Zeit von dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad verschont geblieben. Ein Geschäftsmann berichtete nun von Kämpfen an Bab al-Hadid und Bab al-Nasr, zwei von mehreren Toren zur Altstadt. Ein Oppositioneller sagte der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, die Aufständischen versuchten die Kontrolle über das Viertel zu gewinnen, nach dem sie bereits sechs Stadtteile erobert hätten. Rebellen-Kommandeur Mustapha Abdullah erklärte, aus dem Umland strömten immer mehr Kämpfer in die Stadt. Die Regierungstruppen versuchten dies mit dem Beschuss von Zielen im Norden der Stadt zu unterbinden.

Von Deraa aus feuerten Regierungstruppen nach Berichten von Augenzeugen in die umliegenden Ortschaften, wo sie Rebellen vermuteten. In Herak seien dabei mindestens sechs Kinder und drei andere Zivilisten ums Leben gekommen, berichtete ein Aktivist der Opposition. Auf einem Internetvideo aus Herak waren verstümmelte Kinderleichen mit schwersten Verletzungen zu sehen.

„Die Welt schaut zu“: Obama warnt Syrien vor Einsatz von Chemiewaffen

„Die Welt schaut zu“

Obama warnt Syrien vor Chemiewaffeneinsatz

Damaskus bestreitet, Chemiewaffen einzusetzen. Vertrauen will der Westen darauf aber nicht.

Die Angaben aus Syrien können kaum bestätigt werden, weil die Regierung eine unabhängige Berichterstattung weitgehend unterbindet.

US-Präsident Barack Obama verurteilte derweil die Drohung Syriens, bei einem Eingreifen des Auslandes Chemiewaffen einzusetzen, und auch Russland warnte die syrische Führung vor einem Einsatz von C-Waffen. Die syrischen C-Waffen befinden sich nach israelischer Einschätzung weiter unter der Kontrolle der syrischen Regierung. Allerdings bleibe die Sorge, dass sich dies mit einer weiteren Destabilisierung der Führung ändern könne, sagte Israels Sicherheitsberater Amos Gilad im Rundfunk. Außenminister Awigdor Lieberman wiederholte die israelische Warnung vor einer Weitergabe syrischer Bio- und Chemiewaffen an die verbündeten Islamisten der Hisbollah im Libanon. "Aus unserer Sicht wäre das ein klarer Kriegsgrund", sagte Lieberman in Brüssel. "Wir würden entschlossen und ohne Zögern oder Zurückhaltung reagieren."

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