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01.01.2006

15:21 Uhr

Neue Geiselnahme

Entführer im Jemen schlagen wieder zu

Nur einen Tag nach der Freilassung von Ex-Staatssekretär Jürgen Chrobog und seiner Familie wird aus dem Jemen eine neue Entführung gemeldet: Fünf italienische Urlauber wurden in der ostjemenitischen Provinz Marib von Mitgliedern des Al-Saidi-Stammes gekidnappt - die drei Frauen unter ihnen aber nach wenigen Stunden wieder frei gelassen.

Ak-47, AK-74, alte Musketen: Waffen sind im Jemen Teil des Alltags. Foto: dpa dpa

Ak-47, AK-74, alte Musketen: Waffen sind im Jemen Teil des Alltags. Foto: dpa

HB ADEN. Die Entführer ließen nach Angaben aus Sicherheitskreisen drei weibliche Geiseln frei. Zwei Italiener befänden sich weiterhin in der Hand der Entführer, hieß es in den Kreisen weiter. Verhandlungen über deren Freilassung seien im Gange.

Die Touristen seien in der Provinzhauptstadt Mrib als Geiseln genommen und in die Bergregion von Serwah gebracht worden, verlautete es am Sonntag aus Sicherheitskreisen in Sanaa. Die Kidnapper verlangten die Freilassung von acht inhaftierten Stammesangehörigen.

Erst am Vortag waren der deutsche Ex-Staatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie nach dreitägiger Entführung im Jemen wieder freigekommen. Danach hatte Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh noch angekündigt, er werde die Entführungen stoppen, weil sie dem Ruf und der Wirtschaft des Landes schadeten. Die Entführer der Chrobogs hatten ebenfalls die Freilassung von Mitgliedern ihres Stammes verlangt, die wegen der Tötung zweier Angehöriger eines verfeindeten Stammes vor Gericht stehen.

Jürgen Chrobog bedankte sich nach Ende der Geiselhaft für die Bemühungen um seine Freilassung. „Ich muss also wirklich anerkennen, wie man sich um uns und meine Familie bemüht hat“, sagte er. Ausdrücklich dankte Chrobog dem jemenitischen Staatspräsidenten Salih für dessen Anstrengungen. Chrobog kündigte auch an, „dieses faszinierende Land“ eines Tages wieder besuchen zu wollen. Er liebe den Jemen.

Chrobog betonte weiter, die Geiselnehmer hätten ihn und seine Familie gut behandelt. Sie hätten zu keinem Zeitpunkt ihr Leben bedroht gefühlt, sagte Chrobog am Sonntag im südjemenitischen Aden vor Journalisten. Ihnen sei klar gewesen, dass es sich bei den Entführern nicht um Terroristen gehandelt habe. Chrobog und seine Familie sollten am Sonntag nach Deutschland zurückkehren und von Außen-Staatssekretär Georg Boomgarden am Flughafen Köln-Wahn in Empfang genommen werden.

Der 65-jährige Chrobog war vor wenigen Monaten als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes in Ruhestand gegangen. Bis dahin war er oft als Krisenmanager der Bundesregierung eingesprungen und hatte vor einigen Jahren selbst einen Krisenstab zur Rettung verschleppter deutscher Touristen in der Sahara geleitet.

In den Wochen vor der Entführung der Familie Chrobog musste sich der Krisenstab bereits mit einer anderen Geiselnahme beschäftigen: Ende November entführten Unbekannte im Irak die deutsche Archäologin Susanne Osthoff. Gut drei Wochen später kam sie frei, die Umstände ihrer Freilassung sind unklar.

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