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02.02.2009

09:40 Uhr

Neue Geschäftsmodelle

Risikomanagement: Ringen mit den Risiken

VonHermann-Josef Knipper und Torsten Riecke

Die Banken suchen nach neuen Geschäftsmodellen. Schon jetzt zeichnet sich ab: Auch mit einem deutlich verbesserten Risikomanagement und höheren Kapitalpolstern wird es keine Rückkehr in die goldene Bankenära geben. Banken werden künftig sehr viel vorsichtiger operieren – zulasten des Profits.

Unicredit-Chef Alessandro Profuma warnt davor, Banken zu bloßen Versorgungsbetrieben zu degradieren. Foto: ap Quelle: ap

Unicredit-Chef Alessandro Profuma warnt davor, Banken zu bloßen Versorgungsbetrieben zu degradieren. Foto: ap

DAVOS. Wenn es nach Nassim Nicholas Taleb geht, haben Banken, wie wir sie kennen, keine Zukunft mehr. „Die Kreditära mit hoher Verschuldung ist vorbei“, sagt der Autor des Bestsellers „Der schwarze Schwan“. Der perfekte Sturm des Misstrauens werde alle Geschäftsmodelle hinwegfegen, die auf einer Schuldenwirtschaft basierten. Taleb gehörte zu den „Rockstars“ des diesjährigen Weltwirtschaftforums und ist einer der Kassandrarufer, die frühzeitig vor der Finanzkrise gewarnt haben. Selbst wenn man seine düstere Prophezeiung nicht für bare Münze nimmt und die Flucht aus dem Risiko weniger stark ausfällt, steht die Finanzindustrie vor dramatischen Veränderungen.

Inzwischen richten sich selbst erfahrene Banker darauf ein, dass die Kreditinstitute in den nächsten Jahren zu klassischen Versorgungsbetrieben degradiert werden. Sie nehmen die Einlagen der Sparer und verteilen die Finanzmittel unter Aufsicht des Staates und unter Ausschluss nahezu aller denkbaren Risiken an kreditsuchende Firmen. Sollte sich dieses Versorgermodell durchsetzen, würde das nicht nur den Bankensektor in die Steinzeit der Finanzgeschichte zurückwerfen. Die gesamte Wirtschaft würde darunter leiden. Hat die Risikobereitschaft der Finanzhäuser doch wesentlich dazu beigetragen, dass die Weltwirtschaft in den vergangenen 25 Jahren durch hohe Wachstumsraten einen enormen Wohlstand geschaffen hat – gerade in den Schwellenländern.

„Wenn Banken zu Versorgungsbetrieben werden, sinken die Wachstumsraten deutlich“, warnt Alessandro Profumo, Chef der italienischen Großbank Unicredit. „Wir bleiben eine Universalbank, und wir werden weiter Risiken managen. Aber die Risiken werden kleiner sein, und daher werden auch die Profite sinken.“ Warnungen wie die des Unicredit-Chefs gehen allerdings unter in einer Zeit, da Banker abfällig als „Bankster“ bezeichnet werden. „Es besteht die Gefahr, dass wir das Kind mit dem Bade ausschütten“, sagt ein Investmentbanker einer großen Wall-Street-Bank.

Doch selbst im Kassandra-Lager sagen nicht alle den Untergang der Banken voraus. Niall Fergusson, auch ein früher Kritiker des Kreditbooms, sieht die Wurzel des Übels im ahistorischen Krisenmanagement der Finanzhäuser. „Die meisten Banken gründen ihre Risikoeinschätzungen auf Erfahrungen ihrer eigenen Karriere – das sind etwa 25 Jahre“, sagt der US-Historiker. Für eine gründliche Risikobeurteilung sei das viel zu kurz. Hätte man zum Beispiel die ökonomischen Daten von 1929 in die Risikomodelle miteinbezogen, wäre man selbst vom Absturz der Goldman-Sachs-Aktie nicht derart überrascht worden. „Das ist während der damaligen großen Depression schon einmal passiert“, erinnert Fergusson. Sein Rat an die Banker: künftige Risikomodelle müssen mehr historische Daten enthalten. Nur so würden auch extreme Ereignisse wie die aktuelle Finanzkrise mit in die Risikokalkulation eingehen.

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