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28.08.2013

17:44 Uhr

Neue Gespräche

Iran weitet Atomprogramm aus

Durch neue und hochwertigere Zentrifugen könnte im Iran bald mehr und schneller Uran für Atomwaffen angereichert werden. Die extrem angespannte Lage in Syrien belastet die anstehenden Gespräche zusätzlich.

Das Bild zeigt die neuen IR-2M-Zentrifugen. Der Iran verfügt in seinem Atomprogramm nach eigenen Angaben über 1000 moderne Zentrifugen für eine deutlich beschleunigte Urananreicherung. dpa

Das Bild zeigt die neuen IR-2M-Zentrifugen. Der Iran verfügt in seinem Atomprogramm nach eigenen Angaben über 1000 moderne Zentrifugen für eine deutlich beschleunigte Urananreicherung.

Teheran, WienDer Iran hat sein Atomwaffenprogramm nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weiter ausgebaut. Wie es in einem am Mittwoch vorgelegten Bericht der UN-Organisation hieß, habe sich die Anzahl der zur Urananreicherung benötigten hochmodernen IR-2M-Zentrifugen in der Atomanlage Natans auf 1008 erhöht. Im jüngsten IAEA-Bericht von Mai war die Zahl noch mit 698 angegeben worden. Bis zum Abschluss des Berichts am 24. August wurde zwar keine dieser Zentrifugen in Betrieb genommen, tritt dies jedoch ein, könnte das Land deutlich mehr Uran schneller anreichern als bisher.

Ein Großteil des Gesamtbestandes wurde so umgewandelt, dass er nur noch schwer zu Atomwaffen verwendet werden kann. Wesentlich mehr Uran besitzt der Iran aber laut dem Bericht deswegen aber nicht.

Die jüngste Runde der Gespräche zwischen der sogenannten 5+1-Gruppe und Teheran, an der die fünf UN-Vetomächte und Deutschland teilnehmen, war im April im kasachischen Almaty ohne Ergebnisse geblieben. Der Iran lehnte es damals ab, wie von den Verhandlungspartnern gefordert, die Urananreicherung auszusetzen. Die im Gegenzug gebotenen Erleichterungen bei den Sanktionen, die im Iran eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst haben, wies Teheran als zu gering zurück.

Chronologie des Streits um das iranische Atomprogramm

29. März 2006

Der UN-Sicherheitsrat fordert den Iran auf, seine Urananreicherung binnen 30 Tagen einzustellen. Teheran weigert sich.

23. Dezember 2006

Der Sicherheitsrat verhängt erste Sanktionen.

9. April 2009

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad berichtet von einer betriebsbereiten Uranfabrik in Isfahan.

7. Februar 2010

Der Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.

22. Januar 2011

In Istanbul werden die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland auf unbestimmt Zeit vertagt.

17. Mai 2011

Nordkorea exportiert nach Angaben der UN für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete.

8. November 2011

Die Atomenergiebehörde IAEA in Wien veröffentlicht einen Bericht, nach dem der Iran an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet hat. Teheran bestreitet das.

1. Januar 2012

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Wissenschaftler erstmals einen eigenen Kernbrennstab entwickelt.

23. Januar 2012

Die EU will ihre Öleinfuhren aus dem Iran spätestens zum 1. Juli stoppen. Die EU-Außenminister beschließen in Brüssel zudem, die Konten der iranischen Zentralbank in Europa einzufrieren.

6. Februar 2012

US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA blockieren. Betroffen sind auch alle iranischen Finanzinstitutionen.

20. & 21. Februar 2012

Kontrolleuren der IAEA wird der Zugang zur verdächtigen Militäranlage Parchin nahe Teheran verweigert.

31. März 2012

Obama billigt die bislang schärfsten Sanktionen gegen den Iran. Ziel ist es, die Importe von iranischem Öl weltweit so stark wie möglich zu kappen.

14. & 15. April 2012

Die Gespräche zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran werden in Istanbul wieder aufgenommen. Konkrete Ergebnisse gibt es nicht.

14. Mai 2012

Die IAEA verlangt Zugang zu Irans umstrittenen Forschungsanlagen. Auf der Kontrollliste steht die Anlage in Parchin nahe Teheran ganz oben. Dort werden nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

21. Mai 2012

IAEA-Chef Yukio Amano spricht in Teheran mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili über das umstrittene iranische Atomprogramm. Amano nennt seine Gespräche anschließend „nützlich“.

23. Mai 2012

Vom 23. Mai an verhandeln die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Deutschland in Bagdad mit dem Iran über sein Atomprogramm.

30. Juli 2012

US-Präsident Barack Obama erlässt weitere Sanktionen gegen den Iran. Betroffen ist das Ölgeschäft des Landes. Im Februar 2013 verschärft das US-Finanzministerium die Maßnahmen.

3. Februar 2013

Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi teilt auf der Sicherheitskonferenz in München mit, dass sein Land unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen mit den USA bereit sei.

17. Februar 2013

Der Oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, knüpft direkte Atomverhandlungen mit den USA an Bedingungen. Die Äußerungen werden versöhnlicher als üblich gewertet.

21. Februar 2013

Der jüngste Bericht der IAEA zeigt, dass der Iran bisher 280 Kilogramm höher angereicherten Urans produziert hat. Davon wurden 113 Kilogramm weiterverarbeitet und so für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar gemacht.

26./27.2. 2013

Nach einer neun Monate langen Pause setzen Vertreter der 5+1-Gruppe und der Führung in Teheran in Almaty in Kasachstan ihre Gespräche fort. Ein neuer Vorschlag an Teheran soll Bewegung in den festgefahrenen Streit bringen. Angeblich hat die Gruppe angeboten, einige Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Dafür soll Teheran Entgegenkommen signalisieren. Es wird ein weiteres Treffen für den 5./6. April verabredet.

20./21.3. 2013

US-Präsident Barack Obama unterstreicht bei einem Besuch in Israel, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen.

27. September

Die Internationale Atomenergiebehörde teilt mit, dass in Wien die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden sollen.

Irans Präsident Hassan Rohani hatte nach seinem Amtsantritt Anfang August seine „ernsthafte Gesprächsbereitschaft“ angekündigt. Zugleich kündigte er an, an der Urananreicherung festhalten zu wollen. Rohani hatte als iranischer Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen mit den Europäern 2003 in die Aussetzung der Urananreicherung und unangekündigte Kontrolle der Atomanlagen eingewilligt. Im Iran, aber auch im Westen war damals kritisiert worden, dass die Europäer kaum etwas im Gegenzug geboten hatten.

Wie die IAEA in Wien weiter mitteilte, sollen die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm jedoch am 27. September fortgesetzt werden. Ein Sprecher sagte, die Verhandlungen würden in Wien stattfinden, zu den Teilnehmern äußerte er sich nicht. Rohani hatte kürzlich den bisherigen Außenminister Ali Akbar Salehi zum neuen Chefunterhändler ernannt. Zum Nachfolger des bisherigen IAEA-Botschafters Ali Asghar Soltanieh wurde der Diplomat Resa Nadschafi bestimmt.

Die kritische Lage in Syrien und der zu erwartende Militärschlag des Westens belastet diese Gespräche zusätzlich. Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hat zuletzt verkündet, der Iran werde aufgrund der „anti-israelischen Haltung Syriens die Führung in Damaskus stets unterstützen“.

Der Streit um das iranische Atomprogramm dauert bereits seit einem Jahrzehnt. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms den Bau einer Atombombe voranzutreiben. Die Regierung in Teheran beharrt dagegen auf ihrem Recht zur Nutzung der Atomenergie. Im Zentrum des Streits steht die Urananreicherung, die es dem Iran erlauben könnte, selbst hochangereichertes Uran für eine Atombombe zu produzieren. Die IAEA verlangt im Gegensatz Zugang zu den Anlagen, Experten und Dokumenten.

Kommentare (2)

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Hegglin

29.08.2013, 00:33 Uhr

Der Iran wird immer Kritisiert wegen seinem Atomprogramm, für mich stellt sich die Frage von wem hat der Iran die Technologie bekommen für die Atomanreicherung ????

peer-bilderberger

29.08.2013, 10:31 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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