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08.12.2016

09:01 Uhr

Neue Namen für Trumps Kabinett

Blankes Entsetzen

VonAxel Postinett

Donald Trump hat weitere Posten seines Kabinetts vergeben. Neben einem früheren Guantánamo-Leiter ist auch ein Leugner des Klimawandels unter den Namen. Ausgerechnet letzterer wird Chef der Umweltbehörde.

US-Heimatschutzministerium

Trump befördert früheren Guantánamo-Leiter

US-Heimatschutzministerium: Trump befördert früheren Guantánamo-Leiter

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San Francisco/New YorkDonald Trump hat einen energischen Befürworter von Kohle und Gas als Chef der mächtigen Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency ) nominiert. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Oklahoma, Scott Pruitt, soll die Behörde leiten. Doch selbst Amtskollegen warnen vor ihm: „Scott Pruitt ist ein gefährlicher und unqualifizierter Kandidat“, kommentierte der Generalstaatsanwalt von New York, Eric Schneiderman. „Als Generalstaatsanwalt von Oklahoma hat Pruitt konstant in seiner Aufgabe versagt, die Qualität der Luft und des Wassers zu schützen. Stattdessen hat er als Agent der Öl- und Gasindustrie zu Lasten der amerikanischen Bevölkerung gehandelt – jedes Mal.“

Sechs Jahre lang verwendete Pruitt alle Macht darauf, als oberster Strafverfolger des stark von Öl- und Kohle abhängigen Bundesstaats gegen eben jene Behörde anzukämpfen, die er künftig leiten soll. Er war zudem einer der Architekten des Kampfes gegen Obamas „Clean Power Plan“. Zusammen mit anderen Bundesstaaten klagte er, um ein Regierungsprogramm zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes aus Kraftwerken aufzuhalten. Das Vorhaben bezeichnete Pruitt als „Krieg gegen die Kohle“.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Pruitt glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel und leugnet ihn offen. In einer Zeitungskolumne schrieb er, die Debatte darüber sei „noch lange nicht vorbei“. Der zukünftige Präsident Trump hatte während des Wahlkampfs ebenfalls den Klimawandel geleugnet.

Bei einem Interview mit der „New York Times“ nach seinem Wahlsieg hatte Trump dann allerdings eingeräumt, es könnte „eine gewisse Verbindung“ zwischen dem menschlichen Handeln und der Erderwärmung geben. Die Wahl Pruitts lässt diese Äußerung als Floskel erscheinen.

Die Umweltorganisation Sierra Club merkte zu der Entscheidung für Pruitt lakonisch an, man könne auch gleich „einen Brandstifter mit der Brandbekämpfung beauftragen“. Die EPA beschäftigt rund 17.000 Menschen und ist in jüngster Zeit durch ihre Ankläger-Rolle im VW-Dieselskandal bekanntgeworden.

Tatsächlich steckt der Immobilienmilliardär Trump in Energiefragen in einem Dilemma: Er hatte den Beschäftigten der Kohle- und Ölindustrie versprochen, er werde fossile Brennstoffe massiv fördern, um Amerikas Energieabhängigkeit vom Ausland zu verringern und „Millionen gut bezahlter Jobs“ zu schaffen. Doch das Interesse an Kohle nimmt weltweit immer weiter ab. Der dramatische Verfall der Ölpreise und der Aufstieg der Sonnen- und Windenergie sorgen für Krisenstimmung in der Ölbranche.

Neben Pruitt hat Trump bereits einen weiteren Fossil-Fan in sein Team geholt: Der Milliardär Wilbur Ross, der künftige Handelsminister, hat mit seinem Private-Equity-Fonds in Kohleunternehmen und ein großes Kohlekraftwerk in China investiert.

Kommentare (40)

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Baron v. Fink

08.12.2016, 09:38 Uhr

Richtig so, Gas, Öl, Kohle und Stahl müssen im eigenen Land abgebaut und produziert werden
und nicht in den chinesischen Dreckschleudern. Das schafft Wohlstand und ist praktizierter Umweltschutz. Weg mit dem angeblichen Klimaschutz,
der nur Armut erzeugt und den Dreck nach China verlagert. Hoch lebe Trump und meine Dividenden.

Herr Gerd St

08.12.2016, 09:39 Uhr

Es zeigt sich ganz deutlich, dass wir viel zu viel Geldinstitute haben. Keiner scheint ja irgendwas verdienen zu können, also wären sie an sich überflüssig.
Das Unvermögen, kein Geld zu erwirtschaften, sollen nun die Kunden kompensieren.
Zuvor war es der Steuerzahler, der mit Steuergelder eben diese Institute gerettet hat.
Also eine logische Abfolge - negatives Umfeld = Kunden / Steuerzahler zahlen, positives Umfeld = Eigentum der Banken / Kassen.
Wenn wir eine wirklich freie Marktwirtschaft hätten, sollte man die nicht wettbewerbsfähigen Banken geordnet abwickeln und schließen.

Herr Alessandro Grande

08.12.2016, 09:47 Uhr

@Axel Postinett: Na Mensch, gut recherchiert und da sehen Sie mal, welches Entsetzen die Bundesbürger seit Jahren treibt, was die unzähligen, geistig Umnachteten angeht, mit denen unser Kabinett besetzt ist. Gefühlt 3 mal so viele wie in den USA zukünftig unter Trump, aber dafür hat unsere DDR ja auch nur ein Viertel der Größe der USA. Will heissen, dass wir an politischer Blödheit unverändert Weltmeister sind.
Fazit: Bezüglich USA am besten Ball flsach halten und in den eigenen Spiegel schauen. Freue mich insofern schon auf Ihren nächsten Artikel, in welchem Sie Merkel & Co. inklusive aller Glanzleistungen der letzten Jahre einmal beleuchten. Denn das wird ein Bestseller!

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